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Millionenverlust beim Projekt Generationencampus Kaufbeuren durch politische Entscheidung

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Von: Wolfgang Becker

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Falkenstraße Kaufbeuren
Auf dem Areal mit rund 11.000 Quadratmetern an der Falkenstraße entsteht zukünftig der „Generationencampus#Kleeblatt“ mit Wohnungen und Kindergarten. © Becker

Kaufbeuren – Dass politische Entscheidungen jeden einzelnen Bürger negativ treffen können, ist bekannt. Wenn aber die Investition eines geplanten Großprojektes einer Genossenschaft plötzlich ins Wanken gerät, steht viel auf dem Spiel. Dies berichtete Christian Sobl als geschäftsführender Vorstand der Wohnbaugenossenschaft „Gablonzer Siedlungswerk“ in der Mitgliederversammlung vergangener Woche. „Eine Nacht- und-Nebel-Aktion der Bundesregierung im Frühjahr und fehlende Zusagen der Regierungen von Schwaben haben uns bisher fast drei Millionen Euro gekostet“, schildert er den Mitgliedern, wobei ihm die emotionale Betroffenheit anzumerken ist.

Es geht um das Projekt „Generationencampus#Kleeblatt“ an der Falkenstraße (wir berichteten mehrfach). „Das ist unser großes Projekt“, beschreibt Sobl, „mit Senioren- und Familienwohnungen, Schülerappartments, Kindergarten und Café wollen wir ein neues Quartier mit hoher Lebensqualität schaffen.“ Das Projekt sei überall gelobt und alle Beteiligten seien begeistert gewesen: die Stadt Kaufbeuren, Planer, der Verband und die Banken. Doch dann der Schock: Nach Antragstellung am Freitag 21. Januar 2022 wurde am Sonntag darauf– fünf Tage vor dem regulären Fristende –durch Wirtschaftsminister Robert Habeck die Förderung für Effizienzgebäude KfW 55 im Neubau gestoppt.

„Wir haben die Welt nicht mehr verstanden“, sagte Sobl, „damit fehlten uns mit einem Schlag 1,6 Millionen Euro, die als Geldmittel eingeplant waren, das interessiert niemand.“ Damit habe sich eine jahrelange Planung quasi in Luft aufgelöst. „Doch wir haben Lösungen gefunden und machen selbst weiter, auch wenn uns der Staat im Stich lässt“, so die Botschaft. Was auf der großen Fläche entstehen soll, bedeute ein Stück Zukunft für Neugablonz.

„Bittere Wahrheit“

Doch es gibt noch eine weitere Verteuerung. Denn leider erfolgte die Zustimmung der Regierung von Schwaben für das Bauvorhaben trotz genehmigter Baupläne bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht. „Aufgrund der fehlenden Zusage und dem nicht erteilten Maßnahmenbeginn konnten Ausschreibungen und damit verbundene mögliche Aufträge nicht erteilt werden“, erläuterte Sobl. Dadurch bedingt sei auch der ursprüngliche Zeit- und Kostenplan hinfällig gewesen. Gleichzeitig erfolge parallel gerade eine Explosion der Baukosten und ein deutlicher Zinsanstieg. Eine kürzlich von den Architekten aktualisierte Kostenberechnung nur für den Kindergarten, dessen Baubeginn für Juli geplant war – ergab eine Kostensteigerung von über 22 Prozent! Dies entspricht fast 1,3 Millionen Euro! „Das ist die bittere Wahrheit“, schloss der Vorstand enttäuscht und warb bei den Mitgliedern um Verständnis für eine „nicht mehr sichere Planbarkeit“. Dennoch wolle man das Projekt umsetzen.

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