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Robert Domes liest aus seinem neuen Roman „Waggon vierter Klasse“

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Der Journalist und Schriftsteller Robert Domes bei der ersten Lesung seines Werks „Waggon vierter Klasse“.
Der Journalist und Schriftsteller Robert Domes bei der ersten Lesung seines Werks „Waggon vierter Klasse“. © Wischhöfer

Irsee – Das Schwäbische Bildungszentrum Irsee lud vor Weihnachten den Schriftsteller und Journalist Robert Domes zur ersten öffentlichen Lesung seines Romans „Waggon vierter Klasse. Eine Spurensuche in der Nachkriegszeit“ ein. Die Premiere fand im Gartensaal der neuen Küferei statt.

Die Lebensgeschichte des Alois Roth begann im Jahre 1894 in der Gastwirtschaft seines Vaters in Obergünzburg und endete sehr traurig im März 1945 im Konzentrationslager Mauthausen. Martha, ein Flüchtlingskind aus Ostpreußen, begibt sich in der Nachkriegszeit auf Spurensuche und taucht in das Schicksal des vermissten Alois Roth ein. Robert Domes hat die Leben beider Außenseiter virtuos verknüpft. Obwohl sich die Hauptdarsteller im Roman nie begegnen, vereint beide ein alter Eisenbahnwaggon der vierten Klasse, der auf einer Wiese am östlichen Ortsrand des Markts Obergünzburg stand.

Im Gartensaal wurde es ruhig, als Robert Domes begann, die ersten Zeilen aus seinem Roman vorzutragen. Die hervorragende Akustik des Raumes mit der bizarren Deckenkonstruktion sowie die sanfte Reduzierung der Beleuchtung im Auditorium ermöglichten den Besuchern, in die Geschichte von Alois und Martha einzutauchen. Nach eineinhalb Stunden feinfühliger Vortragskunst brauchte es länger, bis die Zuhörer wieder in der realen Welt des 21. Jahrhunderts ankamen.

Mit Unterstützung des St. Michaelsbund München wurde über das Programm „Neustart Kultur“ diese Veranstaltung finanziert, und so war es Hausherr Dr. Stefan Raueiser möglich, die angemeldeten Besucher im Gartensaal und jene via Internet zugeschalteten Kulturfreunde zur Lesung zu begrüßen.

„Waggon vierter Klasse“ von Robert Domes. Buchcover: Verlag cbt/Random House.
„Waggon vierter Klasse“ von Robert Domes. © Buchcover: Verlag cbt/Random House.

Raueiser merkte an, dass die Aussage im Nachwort des Romans: „Diese Geschichte sei ein Geschenk“, nicht ganz stimme. Seiner Meinung nach, seien es sogar zwei geschenkte Geschichten, eben die des Lämmer-Wirts Alois Roth und die der aus dem zerbombten Königsberg geflüchteten Martha.

Die Grundidee für den Roman übernahm Robert Domes von dem Obergünzburger Geschichtsschreiber Wilhelm Weinbrenner und recherchierte dann akribisch unter anderem in den Archiven der KZ-Gedenkstätten. Hintergrund der Handlung ist auch, dass am 13. Februar 2020 die vom NS-System als „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ Verfolgten vom Deutschen Bundestag offiziell als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt – 75 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs.

In der anschließenden Fragerunde erfuhr das Publikum, dass die Arbeit am Werk insgesamt dreieinhalb Jahre gedauert hätte. Inwieweit sich der Autor mit der Person des Alois Roth identifizieren würde, wollte eine Zuhörerin wissen. „Viele Schriftsteller nehmen beim Schreiben eine distanzierte Position zu den Protagonisten ein. Ich dagegen lebe beim Schreiben in der Person“, war die Antwort von Robert Domes.

Das Buch „Waggon vierter Klasse. Eine Spurensuche in der Nachkriegszeit“ ist im Buchhandel und online erhältlich unter www.penguinrandomhouse.de. Mehr Informationen zum Autor und seinen Werken gibt es auf dessen Homepage unter www.robertdomes.com.

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