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Marktoberdorfer Rettungskräfte üben den Ernstfall

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Von: Michael Dürr

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Marktoberdorf – Es ist 19 Uhr, die Marktoberdorfer bereiten sich auf ihren wohlverdienten Feierabend vor. Plötzlich geht bei rund 60 Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr und des Rettungsdienstes in der Kreisstadt und in Pfronten der Alarm los. Großeinsatz! Gerade einmal fünf Minuten später heult an der Unfallstelle in der Saliterstraße das erste Martinshorn, den Ersthelfern bietet sich an diesem Freitagabend ein Bild des Schreckens.

Retter üben retten.  Freiwillige Feuerwehr Marktoberdorf übt den Ernstfall.
1 / 12Der Parkplatz am ehemaligen Krankenhaus ist Schauplatz eines spektakulären Trainings. Die Szenerie: Ein Linienbus ist mit zwei Pkw kollidiert und umgekippt, in den Wracks der völlig demolierten Fahrzeuge befinden sich insgesamt 28 Personen. © Dürr
Retter üben retten.  Freiwillige Feuerwehr Marktoberdorf übt den Ernstfall.
2 / 12Der Parkplatz am ehemaligen Krankenhaus ist Schauplatz eines spektakulären Trainings. © Dürr
Retter üben retten.  Freiwillige Feuerwehr Marktoberdorf übt den Ernstfall.
3 / 12Der Parkplatz am ehemaligen Krankenhaus ist Schauplatz eines spektakulären Trainings. Einsatzkräfte der Feuerwehr öffnen mit hydraulischen Spreizern die verklemmten Autotüren. © Dürr
Retter üben retten.  Freiwillige Feuerwehr Marktoberdorf übt den Ernstfall.
4 / 12Die Szenerie: Ein Linienbus ist mit zwei Pkw kollidiert und umgekippt. Einsatzkräfte der Feuerwehr öffnen mit hydraulischen Spreizern die verklemmten Autotüren. © Dürr
Retter üben retten.  Freiwillige Feuerwehr Marktoberdorf übt den Ernstfall.
5 / 12Die Szenerie auf dem Parkplatz des ehemaligen Marktoberdorfer Krankenhauses bildet den Rahmen der Großübung, die Feuerwehr und Rettungsdienste zusammen abhalten. Ein Linienbus ist mit zwei Pkw kollidiert und umgekippt, in den Wracks der völlig demolierten Fahrzeuge befinden sich insgesamt 28 Personen, die zum Teil lebensgefährlich verletzt sind. © Dürr
Retter üben retten.  Freiwillige Feuerwehr Marktoberdorf übt den Ernstfall.
6 / 12Der Parkplatz am ehemaligen Krankenhaus ist Schauplatz eines spektakulären Trainings. © Dürr
Übung in Marktoberdorf. Einsatzkräfte der Feuerwehr öffnen mit hydraulischen Spreizern die verklemmten Autotüren.
7 / 12Einsatzkräfte der Feuerwehr öffnen mit hydraulischen Spreizern die verklemmten Autotüren. © Dürr
Retter üben retten.  Freiwillige Feuerwehr Marktoberdorf übt den Ernstfall.
8 / 12Die Szenerie: Ein Linienbus ist mit zwei Pkw kollidiert und umgekippt, in den Wracks der völlig demolierten Fahrzeuge befinden sich insgesamt 28 Personen, die zum Teil lebensgefährlich verletzt sind. © Dürr
Retter üben retten.  Freiwillige Feuerwehr Marktoberdorf übt den Ernstfall.
9 / 12Der Parkplatz am ehemaligen Krankenhaus ist Schauplatz eines spektakulären Trainings. Die Szenerie: Ein Linienbus ist mit zwei Pkw kollidiert und umgekippt. © Dürr
Retter üben retten.  Freiwillige Feuerwehr Marktoberdorf übt den Ernstfall.
10 / 12Der Parkplatz am ehemaligen Krankenhaus ist Schauplatz eines spektakulären Trainings. Als der Zugang zu den ersten Verletzten geschafft ist, können sich die Ärzte per Erstversorgung um sie kümmern. © Dürr
Retter üben retten.  Freiwillige Feuerwehr Marktoberdorf übt den Ernstfall.
11 / 12Der Parkplatz am ehemaligen Krankenhaus ist Schauplatz eines spektakulären Trainings. Die Szenerie: Ein Linienbus ist mit zwei Pkw kollidiert und umgekippt, in den Wracks der völlig demolierten Fahrzeuge befinden sich insgesamt 28 Personen, die zum Teil lebensgefährlich verletzt sind. © Dürr
Übung der Feuerwehr und Rettungskräfte Marktoberdorf
12 / 12Die Szenerie auf dem Parkplatz des ehemaligen Marktoberdorfer Krankenhauses bildet den Rahmen der Großübung, die Feuerwehr und Rettungsdienste zusammen abhalten. © Dürr

Ein Linienbus ist mit zwei Pkw kollidiert und umgekippt, in den Wracks der völlig demolierten Fahrzeuge befinden sich insgesamt 28 Personen, die zum Teil lebensgefährlich verletzt sind. Es gilt, so schnell wie möglich so viele Menschen wie möglich zu retten und die Verletzten ins Krankenhaus zu bringen.

Parkplatz am ehemaligen Krankenhaus ist Schauplatz eines spektakulären Trainings

Die Szenerie auf dem Parkplatz des ehemaligen Marktoberdorfer Krankenhauses bildet den Rahmen der ersten Großübung, die Feuerwehr und Rettungsdienste nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie zusammen abhalten. Wie Feuerwehr-Pressesprecher Ma­thias Osterried gegenüber dem Kreisbote sagt, gilt es, die gemeinsamen Abläufe zu üben, und dies unter möglichst realen Bedingungen. Dazu gehört, dass die Einsatzkräfte über die Übung vorab nicht informiert gewesen waren.

An der Unfallstelle steigt Rauch auf, Verletzte schreien um Hilfe oder wimmern ob ihrer großen Schmerzen. Stress pur für die Retter!

Binnen weniger Minuten sind alle Helfer mit ihren rund 20 Fahrzeugen vor Ort eingetroffen, die Zaungäste auf einem nahen Hügel sehen zunächst nicht viel mehr als ein heilloses Chaos. Die Einsatzkräfte rennen hin und her, es herrscht ein vermeintlich ungeordnetes und hektisches Gewusel. Genau darum geht es aber nach den Worten von Dr. Philipp Zimmermann bei der Übung nicht zuletzt: „Aus dem anfänglichen Chaos möglichst schnell eine Ordnung herzustellen mit dem Ziel, die Verletzten möglichst rasch in Kliniken bringen zu können.“ Dies sei „sehr, sehr wichtig für alle“, sagt der Leitende Notarzt, der auch als Obmann für alle Leitenden Notärzte im südlichen Ostallgäu fungiert. Und „bis auf wenige Kleinigkeiten“ habe dies auch „wirklich gut geklappt“. Mathias Osterried pflichtet bei: „Es hat prächtig funktioniert.“

In der Tat hat sich das anfängliche Durcheinander schon nach kurzer Zeit sortiert. Jeder weiß jetzt, wo er in diesem Moment gebraucht wird. Einsatzkräfte der Feuerwehr öffnen mit hydraulischen Spreizern und Scheren die hoffnungslos verklemmten Autotüren und schneiden die Dächer der Fahrzeuge ab, ein anderer sägt die Frontscheibe des umgekippten Busses auf.

Es gilt, möglichst rasch zu arbeiten, um an die Verletzten heranzukommen. Neben Schnelligkeit ist aber vor allem Präzision gefragt, um den eingeklemmten Menschen nicht unabsichtlich noch weitere Verletzungen zuzufügen. Noch während dieser Arbeiten nehmen Retter Kontakt mit den Fahrzeuginsassen auf, reden ihnen gut zu und beruhigen sie. Auch das ist ein wichtiger Baustein in der Rettungskette.

Retter üben retten.  Freiwillige Feuerwehr Marktoberdorf übt den Ernstfall.
Die Szenerie: Ein Linienbus ist mit zwei Pkw kollidiert und umgekippt, in den Wracks der völlig demolierten Fahrzeuge befinden sich insgesamt 28 Personen, die zum Teil lebensgefährlich verletzt sind. © Dürr

Als der Zugang zu den ersten Verletzten geschafft ist, können sich die Ärzte per Erstversorgung um sie kümmern. Die „Unfallopfer“ vom Jugendrotkreuz sind übrigens zuvor im BRK-Haus entsprechend geschminkt worden: blutende Kopfverletzungen haben die einen, andere sind mit Schnittwunden an den Armen übersät. Realismus pur auch in diesen Details!

Dann werden mit geübten Griffen die Verletzten aus den Fahrzeugwracks geholt und auf Tragen zu einem Sammelplatz gebracht. Je nach Schwere der Verletzungen geht’s dann nach und nach in den Rettungswagen und in die Klinik. Das Krankenhaus ist im Fall dieser Übung ein großes Zelt, das die Helfer an der Hochwiesstraße aufgebaut haben. Dort gibt’s nach dem erfolgreichen Abschluss der Übung für alle Beteiligten eine zünftige und verdiente Brotzeit.

Für acht der Unfallopfer kommt bei der Übung indes auch die schnellste Hilfe zu spät: Sie haben den Unfall nicht überlebt. Bei einem der Todesopfer handelt es sich um ein kleines Kind, ein weiteres ist bei dem Unfall unter dem umgekippten Bus begraben worden. Mit einem Hebekissen wird das schwere Gefährt gegen Ende der Großübung angehoben, um den Leichnam bergen zu können. Bei allen „Toten“ hat es sich natürlich um Puppen gehandelt. Die Realitätsnähe hat auch bei diesem Übungseinsatz ihre Grenzen.

Das Fazit der Experten? „Es war unheimlich wertvoll, nach Corona diese gemeinsame Übung zu machen“, sagt Notarzt Zimmermann, und Feuerwehrmann Osterried stößt ins gleiche Horn: „Die Übung hat sich auf jeden Fall gelohnt.“ Man habe gemeinsame Abläufe geübt und Kleinigkeiten zu Tage gefördert, die weiter verbessert werden müssten. So gelte es etwa, bei schweren Unfällen mit vielen Verletzten eine ausreichend große Anzahl an Tragen noch schneller nach vorn an die Einsatzstelle zu bringen. Während es in den Augen von Philipp Zimmermann auf dem Land Schwierigkeiten gibt, ausreichend Einsatzkräfte rekrutieren zu können, sei der große Vorteil vor Ort im Ostallgäu: „Wir kennen uns, jeder weiß, wer welche Rolle spielt, wir sind ein gut eingespieltes Team.“ Und „weil wir alle profitieren“, sollen Großübungen wie diese in Zukunft häufiger über die Bühne gehen.

Die Requisiten der erfolgreich beendeten Übung, sprich die drei Unfallwracks, werden nach Angaben von Mathias Osterried fürs Erste vor Ort bleiben: Für weitere Übungen. „Der Gelenkbus“, schmunzelt der Feuerwehrmann, „wird am Ende wohl in Einzelteilen abtransportiert.“ Das riesige Gefährt hatte die Feuerwehr übrigens eigens für die Übung gekauft - für gerade einmal einen Euro.

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