Yvonne Gebauer (FDP), Schulministerin von Nordrhein-Westfalen, sitzt in der Klasse 1B der Bonifatiusgrundschule.
+
Symbolfoto

Wenn Schüler zu scheitern drohen

Schulamt empfiehlt Flexklasse für Kaufbeuren

  • VonSelma Höfer
    schließen

Kaufbeuren – Sozial und emotional auffällige Schüler gibt es immer wieder. Seit der Corona-Pandemie und ihren Auswirkungen auf das Leben der Kinder und Jugendlichen rechnet das Schulamt jedoch vermehrt damit, dass diese Schulkinder in regulären Klassen kaum mehr integrierbar sind. Häufig endet eine solche Situation mit Schulverweigerung. Damit es nicht soweit kommt, kam der Finanzausschuss des Kaufbeurer Stadtrats nun dem Vorschlag des Staatlichen Schulamtes nach, eine sogenannte Flexklasse an der Jörg-Lederer-Mittelschule einzurichten.

Es war Werner Maurer, Sachgebietsleiter Soziale Dienste, Kinder- und Jugendschutz der Stadt Kaufbeuren, der in der jüngsten Sitzung des Finanzausschusses die zusätzliche Form einer Schülerförderung erläuterte. Dabei handle sich um eine spezielle Beschulung von Kindern, die in normalen Klassen Probleme haben. „Es geht um Kinder, die in Gefahr sind, in ihrer schulischen Laufbahn zu scheitern“, sagte Maurer. Sechs bis acht Schüler würde die Flexklasse fassen. Die Fachkräfte kümmerten sich neben der Beschulung auffälliger Kinder auch um deren soziales Umfeld und nehmen Kontakt zum Elternhaus auf, fuhr Maurer fort. Im Unterschied zu einem Wechsel an das Sonderpädagogische Förderzentrum der Josef-Landes-Schule wäre ein Wechsel in die neue Flexklasse ohne das Jugendamt und ein kompliziertes Jugendhilfeverfahren möglich. Die Verweildauer in einer Flexklasse ist nicht über Jahre geplant, wie in einer Stütz- oder Förderklasse, sondern je nach Bedarf zwischen zwölf Wochen bis maximal einem Jahr.

Neben dem schnellen, unkomplizierten Wechsel, so Maurer, wäre die Finanzierung dieser Klasse mit Beteiligung von freien Trägern möglich. Auch eine FsJ-Kraft (Freiwilliges soziales Jahr) vom Bayerischen Roten Kreuz würde zur personellen Ausstattung der Klasse zählen. Neben einem Sozialpädagoge in Vollzeit. Das entspreche beispielsweise der Besetzung einer Kemptener Flexklasse. So stehe das Jugendreferat der Sache positiv gegenüber.

„In der Jugendhilfe geht es darum, dass wir uns den bestehenden Problemlagen widmen.“ Dass das nur über einen hohen Personalschlüssel gehe, sei ihm bewusst, sagte Maurer. Und er betonte, dass die Idee einer solchen Flexklasse für Kaufbeuren nicht von Seiten der Verwaltung komme. Es sei ein Anliegen des Staatlichen Schulamts.

Angedacht sei ein Beginn der Flexklasse nach den Weihnachtsferien 2021/22. Das soll mit Kooperation eines freien Trägers wie zum Beispiel der katholischen Jugendfürsorge oder der Lebenshilfe Ostallgäu geschehen. Obwohl die Kosten für die Jugendhilfe der Stadt bei rund 80.500 Euro für das kommende Jahr liegen, halte das Jugendreferat die Maßnahme für notwendig. Die Kosten seien nicht unerheblich, sagte Peter Kempf (FW). „Lohnt sich das? Die Antwort, die wir geben ist: Ja.“ Denn die Folgekosten für Schulverweigerer seien deutlich höher, gab Kempf zu bedenken. Einstimmig sprachen er und seine Ausschusskollegen schließlich die Empfehlung aus, das Thema in den Stadtrat zu bringen.

Quelle: Kreisbote

Auch interessant

Kommentare