Regionales SPD-Gipfeltreffen zur Elektrifizierung der Bahn in Buchloe mit Florian von Brunn, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion
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Regionales SPD-Gipfeltreffen zur Elektrifizierung der Bahn: Walter Vietz (v. li.), Erwin Bier, ehemaliger Fahrdienstleiter, Florian von Brunn, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion, Christine Heyder von der EVG und SPD-Kreisrätin Ilona Deckwerth.

Mehr Gleisverkehr

SPD: Für ein attraktives Allgäuer Bahnnetz

Buchloe – Im Rahmen seiner Sommerreise #BAYeuchTour war der Vorsitzende der Bayern-SPD-Landtagsfraktion Florian von Brunn am vergangenen Donnerstag zu Gast im Ostallgäu. In Buchloe traf von Brunn den stellvertretenden Bürgermeister Manfred Beck und den stellvertretenden Landrat Paul Wengert.

Ein Fokus bei dem Besuch in Buchloe lag auf dem Schienenverkehr im Allgäu. Bei einem Treffen mit der Vertreterin der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft Christine Heyder und weiteren Bahnexperten, machte sich der SPD-Fraktionschef ein Bild von den aktuellen Herausforderungen und zukünftigen Perspektiven für eine klimafreundliche, schienenbasierte Mobilität im Allgäu. Laut von Brunn ist der Schienenverkehr im Allgäu das Rückgrat und Voraussetzung für einen funktionierenden öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), der dann auch von der Bevölkerung angenommen würde.

Christine Heyder, Lokführerin bei DB Regio Allgäu-Schwaben und Vorstandsmitglied der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) in Kempten sprach in dieser Runde klare Worte. „Nach der Bahnreform, die nach hinten losging, erleben wir im Zweijahreszyklus eine Umstrukturierung nach der anderen“, so Heyder. Der Einsatz von privaten Betreibern wie dem englischen Unternehmen Go-Ahead sei extrem gewinnorientiert. Beispielweise werde deutsches Servicepersonal gegen rumänisches ausgetauscht, das dann nicht tarifgerecht bezahlt werden müsse. Nach Meinung von Paul Wengert sei dieser Zustand absolut inakzeptabel. Er erinnerte den jetzigen Bayern-SPD Fraktionsvorsitzenden an das von der SPD geforderte Tariftreuegesetz, das bis heute nicht existiere. Weiter, wenig vertrauenerweckende Entscheidungen der Privatunternehmen seien laut Heyder gestrichene Ausbildungsplätze sowie die Reduzierung der Lokführerausbildung auf sechs Monate bei Quereinsteigern. Normal sei eine Ausbildungszeit von drei Jahren.

Um auch abgelegenen Landstrichen wieder eine Teilnahme am Bahnbetrieb zu ermöglichen, verwies der frühere Fahrdienstleiter am Stellwerk Buchloe, Erwin Bier, auf die Reaktivierung von verwaisten und inzwischen stillgelegten Bahnstrecken hin. Die Allgäuer SPD-Politikerin Ilona Deckwerth sprach in Verbindung mit der schleppenden Elektrifizierung des Allgäus von einem „Dieselloch“. Bestrebungen der Bayerischen Regierung in Zusammenarbeit mit der Hochschule Kempten im Bereich alternativer Antriebe hätten bisher noch zu keiner Lösung geführt. Walter Vietz, ehemaliges Gesamtbetriebsratsmitglied bei DB Netz erinnert sich, dass es schon im Jahre 1995 einen batteriebetriebenen Zug zwischen Augsburg und Bad Wörishofen gab.

Konsens in dieser fachkundigen Gesprächsrunde war die Erkenntnis, dass eine flächendeckende Elektrifizierung des Allgäus nur langfristig geschehen würde. Eine technische Lösung zwischen batteriebetriebenen Zügen und dem sukzessiven Oberleitungsausbau könnte diese Langfristigkeit möglicherweise erheblich verkürzen.

Nach einer Stunde intensiver Diskussion bedankte sich Florian von Brunn bei allen Teilnehmern und verwies auf noch anstehende Probleme, wie kreisübergreifenden Fahrplänen von Bus und Bahn, auf die freie Mitnahme von Fahrrädern, auf seniorengerechte Bahnsteigen, tarifgerechte Bezahlung aller Mitarbeiter im Bahnbetrieb und auf eine umweltfreundliche Gestaltung der Bahnstrecken.

Seine direkte Forderung an die Bayerische Staatsregierung war eine bessere finanzielle Ausstattung und eine Erweiterung der Kompetenzen der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), die mit Sitz in München und im Auftrag des Verkehrsministeriums für die optimale Gestaltung des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) in Bayern sowie für die bestmögliche Erfüllung mobiler Kundenanforderungen zuständig sei. Sie solle sich zu 100 Prozent im Besitz des Freistaats Bayern befinden und den gesamten Schienenpersonennahverkehr in Bayern planen, finanzieren und kontrollieren.

Jürgen Wischhöfer

Quelle: Kreisbote

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