1. Startseite
  2. Bayern
  3. Augsburg & Schwaben
  4. Kreisbote Kaufbeuren

Streunende Katzen sind ein Fall für den Tierschutz

Erstellt:

Von: Angelika Hirschberg

Kommentare

Findelkatzen in Günzach, für die das Tierheim Marktoberdorf nach einer aufwendigen Fang- und Zähmaktion nun ein neues Zuhause sucht.
Findelkatzen in Günzach, für die das Tierheim Marktoberdorf nach einer aufwendigen Fang- und Zähmaktion nun ein neues Zuhause sucht. © Tierheim

Marktoberdorf/Günzach – Meist sind sie scheu, ausgehungert und abgemagert. Viele von ihnen leiden an Augenkrankheiten oder dem allenfalls harmlos klingenden, jedoch berüchtigten Katzenschnupfen: wilde streunende Katzen. Viel Elend haben die Mitarbeiter des Tierheims Markt­oberdorf bei diversen Fangaktionen im vergangenen Jahr gesehen. Die wenigsten streunenden Katzen haben das Glück, das die 15 „Wildlinge“ in Günzach hatten, die nun nach einem Todesfall doch ein Fall für den Tierschutz werden. Die Hinterbliebenen baten das Tierheim um Hilfe.

Entgegen der landläufigen Meinung können sich streunende Katzen nur schlecht ohne menschliche Zuwendung in der Wildnis behaupten. Sie hätten eine Lebenserwartung von lediglich drei bis vier Jahren, so Monika Vietz, Mitglied im Vorstand des Tierschutzvereins Marktoberdorf, während Hauskatzen durchschnittlich 15 Jahre alt würden. Darüber hinaus vermehrten sich die Streuner in dieser Zeit unkontrolliert: In nur zwei Jahren könnten so aus einem Katzenpärchen 66 Katzen und Kater werden. Deshalb fordern Tierschützer in Bayern schon lange eine allgemeine Kastrationspflicht für Katzen.

Kleine Katze mit Katzenschnupfen.
Wilde streunende Katzen haben häufig Katzenschnupfen. So auch das junge Kätzchen, dass im Tierheim Marktoberdorf aufgepäppelt wurde. © Tierheim

In Günzach jedenfalls sprang das Tierheim nach besagtem Todesfall ein, um die mindestens 15 wilden Katzen einzufangen. Mittlerweile sind fast alle der scheuen Samtpfoten in der Obhut des Tierheims, darunter auch zwei Jungtiere im Alter von wenigen Monaten.Doch nicht nur das Einfangen, insbesondere das Zähmen der krallenbewehrten kleinen Raubtiere ist ein langwieriges Unterfangen. Monika Vietz erklärt: „Die Katzen werden durch Futter in große Katzenfallen gelockt. Bei so vielen Katzen wie in diesem Fall ist das ein langer Prozess, der sich über Wochen hinziehen kann.“ In Günzach hat das Tierheim glücklicherweise große Unterstützung durch die Hinterbliebenen und Nachbarn erhalten. Bei anderen Fangaktionen waren Mitarbeiter und Ehrenamtliche teilweise über Wochen fast jeden Tag vor Ort.

Die eigentliche Arbeit beginnt dann mit der gelungenen Überführung der Miezekatzen ins Tierheim. Dort werden sie aufgepäppelt, tierärztlich versorgt, geimpft, von Parasiten befreit und je nach Alter kastriert. Bis sie jedoch in ein warmes Zuhause vermittelt werden können, vergeht noch einige Zeit, in der Ehrenamtliche sich bemühen, die wilden Streuner an den Menschen zu gewöhnen. „Bis sie wirklich handzahm sind, wird man unsagbar oft ignoriert, misstrauisch beäugt und angefaucht“, weiß Monika Vietz aus ihrer eigenen Erfahrung zu berichten. „Nichts ist kratzbürstiger als eine wilde Katze.“

Auch für die Vermittlung der verschiedenen Katzenpersönlichkeiten nimmt sich das Tierheim Zeit. „Stimmen die Rahmenbedingungen, kann aus einem armseligen Streunerchen ein ganz großartiger Stubentiger werden“, sagt Vietz. Rund 150 Katzen vermittelt das Tierheim jedes Jahr an neue Besitzer.

Unterstützung gesucht

Hund, Katze, Maus und Meerschweinchen – das Tierheim Markt­oberdorf steht allen Fundtieren offen. Das bedeutet für die Mitarbeiter viel Arbeit, und Fachkräfte sind auch hier knapp. Aktuell sucht das Tierheim Marktoberdorf händeringend nach einem Tierpfleger oder einer Tierpflegerin in Vollzeit. „Wir hatten leider etwas Pech in der letzten Zeit“, erzählt Kurt Budschied, 1. Vorstand des Tierschutzvereins Marktoberdorf. „Eine Vollzeitmitarbeiterin ging von einem Tag auf den anderen in den Mutterschutz. Eine weitere Mitarbeiterin musste uns aus familiären Gründen verlassen, sie wird zuhause gebraucht. Das reißt ein großes Loch in die Dienstpläne.“ Das Team aus verbliebenen Angestellten und Ehrenamtlichen muss das nun auffangen und arbeitet am Limit. „Es ist kein einfacher Job im Tierheim“, sagt Budschied. „Doch mit Ihrer Arbeit machen Sie das Leben vieler Tiere wieder besser.“ Wie das der streunenden Katzen in Günzach.

Auch interessant

Kommentare