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Therapiehund „Halvar“ hilft einem Füssener Afghanistan-Veteranen

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Füssener Hauptfeldwebel mit seinem Therapiehund Halvar.
Nass wie ein Pudel: der Hauptfeldwebel und Halvar. © privat

Füssen – Seit zehn Jahren leidet ein Gebirgsaufklärer aus der „Allgäu Kaserne“ in Füssen an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Ein Therapiehund soll ihm nun helfen, sein Leben zu meistern.

Ein Freitag im Februar 2011 veränderte das Leben des damaligen Stabsunteroffiziers für immer: ein afghanischer Attentäter tötet vor seinen Augen einige der Panzergrenadiere, die den Gebirgsaufklärer aus Füssen bei seinem Einsatz beschützen sollten. Körperlich unverletzt, wird der heutige Hauptfeldwebel bei dem Angriff schwer an seiner Seele verwundet – er leidet fortan an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Nun soll ihm ein Therapiehund im Alltag helfen.

Seit jenem Tag vor über zehn Jahren am Observation Post North (OP North) in der af­ghanischen Provinz Baghlan ist für den Gebirgsaufklärer nichts mehr, wie es vorher war. Er ist seit dem Angriff Tag und Nacht wachsam, seine Seele wird mit jedem Gewehrschuss, mit jedem Knall, an den OP North zurückgeholt – er leidet an einer PTBS.

Aufwendige Ausbildung

Die Ausbildung dieses Therapiehundes ist aufwendig und teuer. Ungefähr 28.000 Euro sind notwendig, bis der Wegbegleiter voll ausgebildet und „combat ready“ ist. Der Verein „Rehahunde Deutschland e. V.“ hat einen speziellen Züchter, der unter anderem diese spezielle Mischung aus Großpudel und Labrador züchtet. Diese besonders intelligenten, lernwilligen und fürsorglichen Hunderassen vereinen dabei alles, was es bedarf, um die vielfältigen Aufgaben als Therapiehund zu meistern. „Dieser schlaue und aufmerksame Hund darf nun mir als Kamerad und meiner Seele als Therapeut dienen. Er hat einen Zugang zu mir, den ich bislang keinem Menschen mehr gewähren kann. Ich vertraue Halvar absolut“, sagt der „Fels“ aus der Füssener „Allgäu-Kaserne“.

Beginnend im Welpenalter bis zum ersten Geburtstag durchlaufen angehende Therapiehunde ihr „Auswahlverfahren“ und die „Grundausbildung“. Bei Pflegefamilien lernen die Tiere ein umfassendes Sozialverhalten mit unterschiedlichen Menschen, mit kleinen Kindern und Tieren. Dabei sind sie unter Beobachtung von erfahrenen Hundetrainern, werden geschult und geprüft; wer die hohen Anforderungen nicht erfüllt, wird kein Therapiehund werden.

Auch die Gesundheit der angehenden Wegbegleiter wird überprüft. Ein Amtstierarzt kontrolliert jeden Hund regelmäßig auf mögliche Gesundheitsrisiken und Erkrankungen. Zudem werden die Hunde kastriert, um so das Revierverhalten zu reduzieren. In der folgenden „Dienstpostenausbildung“ wird Halvar nun speziell auf den Soldaten und sein spezifisches Krankheitsbild ausgebildet. Regelmäßig werden dabei der Soldat und sein Therapiehund gemeinsam trainiert, sie spielen sich aufeinander ein, lernen sich kennen und lernen voneinander.

Halvar muss verstehen, in welchen Situationen er seinem Herrchen besonders beistehen soll. Schlägt jemand laut eine Tür zu, drängelt jemand an der Supermarktkasse von hinten, braucht sein Herrchen plötzlich seine Notfallmedikation – all das sind Situation in denen Halvar nun zur Stelle ist.

Finanzspritze gewährt

„In solchen Situationen wird Halvar mein ,Buddy´ sein, derjenige, der mir die Rückendeckung gibt, die ich brauche. Er ermöglicht es mir, mir die Dinge des täglichen Lebens wieder zuzutrauen.“ So wie der Stabsunteroffizier vor über zehn Jahren mit seinen Kameraden Schritt für Schritt am OP North in den staubigen Grund von Afghanistan gesetzt hat, so kann er in Zukunft mit Halvar Schritt für Schritt wieder in die Berge gehen, die Innenstadt oder einen Wochenmarkt besuchen.

Eine weitere gute Nachricht erreichte den Afghanistan-Veteran erst vor wenigen Tagen und rührte ihn zu Tränen: das Soldatenhilfswerk sicherte ihm zu, den noch offenen fünfstelligen Betrag für Halvar zu übernehmen. Zwar hatte der Hauptfeldwebel einen großen Teil der 28.000 Euro selbst übernommen, alle Soldaten des Bataillons hatten gespendet, ein Oberstabsfeldwebel der Kompanie noch eine große Summe oben drauf gelegt und auch ein Unternehmen und das Sozialwerk der Gebirgsjäger gaben Geld – dennoch reichte es nicht ganz für die Anschaffung des Therapiehundes.

Große Unterstützung

Dass das Soldatenhilfswerk hier einsprang, ist vor allem dem „Spieß“ des Hauptfeldwebels zu verdanken. Beide waren schon zusammen in Afghanistan und dienen noch heute in der 4. Kompanie. Auch auf die Unterstützung seines Kompaniechefs konnte sich der Veteran immer verlassen. „Dieser Mann ist einer meiner mental stärksten Soldaten und Vorbild für meine gesamte Kompanie, weil er jeden Tag ‚im Gefecht‘ steht und trotzdem seinen Teil zu unserem Erfolg als Gebirgsaufklärungskompanie beiträgt“, sagt der Offizier. „Halvar wird jetzt Teil unserer Kampf- und Leidensgemeinschaft sein, wird überall dort dabei sein, wo unser Hauptfeldwebel unterwegs ist“, freut sich der Kompanieführer. „Ob er nun ausbildet, organisiert oder kontrolliert, mit seinem Therapiehund haben wir als Kompanie wieder mehr von dem Hauptfeldwebel, der uns allen in der Kompanie als Vorbild dienen kann.“

kb/Matthias Matz

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