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Volkstrauertag: Kommunales Gedenken mit geringer Beteiligung

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Von: Wolfgang Becker

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Volkstrauertag: am Ehrenmal niedergelegte Kränze und die angetretene Ehrenformation der Bundeswehr.
Volkstrauertag: am Ehrenmal niedergelegte Kränze und die angetretene Ehrenformation der Bundeswehr. © Becker

Kaufbeuren – Es ist ein alljährliches Ritual: das Gedenken zum Volkstrauertag im November. Die diesjährige Rahmenveranstaltung der Stadt Kaufbeuren fand am Alten Friedhof statt. Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse, Oberst Martin Langer und die ökumenische Vertretung der christlichen Kaufbeurer Kirchen gingen in ihren Ansprachen auf die historischen Hintergründe des Gedenktages ein. Die Veranstaltung mit Ehrenzug der Bundeswehr, der Stadtkapelle Kaufbeuren sowie Fahnenabordnungen und Organisationen mit Kranzträgern hätte allerdings eine stärkere Beteiligung aus der Bevölkerung verdient.

In seiner Rede erinnerte Oberbürgermeister Stefan Bosse an den Ursprung des Volkstrauertages vor über 100 Jahren. Ursprünglich als Gedenktag für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges gedacht, hat er sich zum Gedenken für alle Opfer aus Kriegen, Willkürherrschaft und jeglicher Gewalt ohne Unterschied der Völker und Nationen entwickelt. Er erinnerte nicht nur alle gefallenen Soldaten und zivilen Opfer der großen Kriege, sondern auch an die Gewalttaten gegen die jüdische Bevölkerung, die Sinti und Roma sowie die Opfer der Euthanasie.

Kaufbeuren stelle sich der historischen Verantwortung unter anderem durch Stolpersteine für Nazi-Opfer und durch weitere Gedenktage. „Wir lernen aus der Geschichte, dass wir Intoleranz und Hass im eigenen Land schnell und wirksam bekämpfen müssen“, sagte der OB, „Kriegstreibern müssen frühzeitig und konsequent Grenzen aufgezeigt und Diktatoren wie Lukaschenko schmerzhaft erfahren, dass sich Aggression und Rücksichtslosigkeit niemals auszahlen.“

„Aufkeimender Populismus“

„Wir befinden uns in einer nachdenklichen Zeit“, sagte Oberst Martin Langer, Kommandeur der Abteilung Süd des Technischen Ausbildungszentrums der Luftwaffe, „jetzt erinnern wir uns an die Menschen, die nicht mehr unter uns sind.“ Man gedenke nicht nur der toten Soldaten, sondern auch der unzähligen zivilen Opfer. Er bezeichnete den Zweiten Weltkrieg als „grausamsten Konflikt der Menschheit“. Kaum eine Familie sei von den Auswirkungen des Krieges verschont geblieben. Mit der Zeit wäre nach dem Überwinden von Feindschaften die längste Friedensphase in Europa gefolgt. Leider sei es heute um die Menschlichkeit wieder nicht besser bestellt. „Die Geschichte lehrt den Menschen, dass die Geschichte den Menschen nichts lehrt“, zitierte Langer den indischen Morallehrer und Pazifisten Mahatma Gandhi mit Blick auf den Osten Europas und den Orient. Er prangerte auch in Deutschland aufkeimenden Populismus und nationalistische Gedanken an. Gemeinsam für Demokratie, Frieden und Menschlichkeit sei die Botschaft für zukünftigen Generationen.

Missbrauch der Bibel

Die Ökumene war durch Pfarrer Holger Laske (Alt-Katholiken), Kaplan Isidore Uko (Kath. Pfarreiengemeinschaft) und Militärpfarrer Mirko Webler (Evang.-Luther. Kirchengemeinde) vertreten. Laske ging auf die Missbrauch-Skandale ein, die nicht mehr „unter den Teppich gekehrt“ werden. „Aber auch Bücher können missbraucht werden“, so der Alt-katholische Pfarrer, „die Bibel ist ein besonderes Beispiel.“ Im Laufe der Kirchengeschichte sei sie benutzt worden, um unter anderem Hexenverbrennungen zu legitimieren, die Sklaverei zu sanktionieren oder gegen die Weimarer Republik zu wettern: „Die Demokratie als Staatsform war in der Bibel ja nicht vorgesehen“. Im Rückblick sei festgestellt worden, man sei „in die Irre gegangen gegenüber notwendig gewordenen Neuordnungen im Leben der Menschen.“

Kranzniederlegungen erfolgten durch die Polizei für die Stadt Kaufbeuren, das Technische Ausbildungszentrum der Luftwaffe Abteilung Süd, die Soldatenkameradschaft Kaufbeuren, der Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge, der Sozialverband VdK und der Deutsche Bundeswehrverband. Mit dem Abspielen der Deutschen Nationalhymne endete die Veranstaltung.

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