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Erinnerung an das Eisenbahnunglück von Aitrang

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Segnung des Gedenksteins in Aitrang
Pater Jinesh Paratiyil CST segnete in Aitrang den Gedenkstein zur Erinnerung an das Zugunglück am 9. Februar 1971. Daneben (Bildmitte v. re.) Landrätin Maria Rita Zinnecker, Erster Bürgermeister Michael Hailand und der Vertreter der DB Netz AG, Bernhard Blaas. © Krusche

Aitrang/Kaufbeuren – 50 Jahre nach dem schweren Zugunglück in Aitrang kamen am vergangenen Wochenende im Rahmen der Sonderausstellung im Feuerwehrmuseum Kaufbeuren-Ostallgäu Angehörige und Vertreter der Hilfs- und Rettungsdienste zu einem Gedenkgottesdienst zusammen. An der Friesenrieder Straße in Aitrang wurde ein Gedenkstein gesegnet. Dort wurde der Dank an die Helfer erneuert. 60 Teilnehmer trafen sich zuvor im Feuerwehrmuseum und über 150 Menschen begleiteten die kirchliche Weihe in Aitrang.

Durch die Zusammenarbeit der Eisenbahnfreunde Kauf­beuren, des Feuerwehrmuseums Kaufbeuren-Ostallgäu sowie der Gemeinde Aitrang und vieler freiwilliger Helfer, entstand im Feuerwehrmuseum eine Sonderausstellung zum Gedenken an das Eisenbahnunglück (der Kreisbote berichtete). In einem Diorama wurde die Situation der Hilfs- und Rettungskräfte aus deren Sicht detailgetreu nachgestellt. Zahlreiche originale Objekte spüren dem Einsatz im Februar 1971 nach.

Zeitzeugen berichten

Bei einem gemeinsamen Mittagessen in Kaufbeuren entwickelten sich zahlreiche Gespräche unter den Teilnehmern. Helfer, die 1971 mit vor Ort waren berichteten von dem schrecklichen Ereignis, Angehörige von Opfern konnten aus neuen Blickwinkeln das Unglück nachvollziehen und für sich weiter aufarbeiten, Vertreter aller Hilfsorganisationen nahmen den Respekt und den Dank für ihre Arbeit entgegen. Uve Haueter vom schweizerischen Generalkonsulat in München erwies den Betroffenen seine Referenz, da viele Opfer aus der Schweiz kamen.

Erinnerung an Tod des Vaters

Unter den anwesenden, trauernden Angehörigen waren auch zwei Geschwister, damals 17 und 19 Jahre alt. Sie erinnerten sich noch genau an die einschneidenden Momente, als sie die Nachricht vom Tod des Vaters erhielten. „Das Leben danach war hart, aber es musste weitergehen“, blickten sie in Gedanken auf die Zeit zurück. Sie waren eigens für diesen Moment der Erinnerung zum Gedenkgottesdienst nach Aitrang gekommen und freuten sich über den liebevollen Aufbau und die Segnung des Gedenksteines.

Gedenkgottesdienst und Weihe

Die Aitranger Pfarrkirche St. Ulrich war am Abend des 9. Februar 1971 die Anlaufstelle für alle Verletzten und traumatisierten Fahrgäste. Dort waren sie versorgt worden und die Verwundeten anschließend noch am selben Abend in die umliegenden Krankenhäuser verbracht worden.

Auf einem Gedenkstein stehen die Namen der Opfer des Zug­unglücks.
Auf einem Gedenkstein stehen die Namen der Opfer des Zug­unglücks. © Feuerwehrmuseum Kaufbeuren-Ostallgäu

In eben dieser Pfarrkirche St. Ulrich in Aitrang war der Platz für das Andenken im Rahmen eines Gedenkgottesdienstes. Pater Jinesh Paratiyil CST tröstete in seiner Predigt die Angehörigen der bei dem Unglück Verstorbenen: „Sie sind von uns gegangen, aber sie sind nicht vergessen“. Er formulierte die Aufforderung an die Anwesenden: „Wir werden heute ein Denkmal einweihen und es fordert uns auf zum Innehalten: Denk. Mal. Nach.“ Aitrangs Erster Bürgermeister Michael Hailand verlas die Namen der 28 Verstorbenen und zu jedem Namen wurde eine Kerze angezündet. Der Vertreter der Deutsche Bahn Netz AG, Bernhard Blaas, bedankte sich ausdrücklich für die Einladung zu dieser Veranstaltung und lobte das Engagement der Initiatoren der Ausstellung im Feuerwehrmuseum. Er stellte das notwendige Zusammenspiel von Technik und dem genauen Befolgen der Anweisungen durch den Menschen beim erfolgreichen Einsatz der Eisenbahntechnik heraus. Am 9. Februar 1971habe dieses Zusammenspiel zwischen Menschen und Technik in Aitrang versagt. Ohne ein Schuldeingeständnis eingehen zu wollen, entschuldigte sich Blaas im Namen der Bahn für das Unglück und verwies auf die Betroffenheit auch bei der Bahn und den damaligen Beginn von weiteren technischen Vorrichtungen zum Überwachen der Geschwindigkeit in sogenannten Geschwindigkeitsprüfabschnitten.

Stellvertretend für die Hilfs- und Rettungskräfte dankte der Kreisbrandrat des Ostallgäus Markus Barnsteiner für die Einladung zur Veranstaltung und die Segnung des neuen Gedenksteines.

Nach dem Gottesdienst marschierten die Fahnenabordnungen, die Gottesdienstteilnehmer und auch die anwesende Landrätin Maria Rita Zinnecker zur Gedenkstätte an der Friesenrieder Straße/Tegelberg Straße und verfolgten die Segnung der Gedenkstätte durch Pater Jinesh Paratiyil CST. Die Musikkapelle Aitrang umrahmte die Segnung musikalisch.

Wolfgang G. Krusche

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