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U-18-Wahl: Jugendliche wählen im Stimmkreis Kempten-Oberallgäu AfD auf Platz 1

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Ein Kind wirft einen Wahlzettel in die Wahlurne für die U-18-Wahl Landtagswahl 2023
Die Ergebnisse der U-18-Wahl in Bayern sind da. © Bayerischer Jugendring, Simon Wickstead

Kempten/Oberallgäu – Im Zeitraum vom 21. bis 29. September durften Kinder und Jugendliche, die aufgrund ihres Alters nicht wählen dürfen, im Rahmen der U18-Wahl in dafür eingerichteten Wahllokalen, in Kempten in den Jugendzentren und in der Geschäftsstelle des Stadtjugendrings, in einer mobilen Kabine des Streetworks, in der Kunstfabrik sowie in manchen Schulen, ihre Stimme abgeben.

Am Wochenende wurden die Ergebnisse veröffentlicht. Bayernweit haben 59.633 junge Menschen mitgemacht, in Kempten 380. Rechtlich gesehen handelt es sich um eine nicht repräsentative Meinungsumfrage. Bei der Zweitstimme erobert in Bayern die CSU den ersten Platz mit 26,04 Prozent. An zweiter Stelle landet die AfD mit 14,93 Prozent, gefolgt von der SPD (13,67), den Grünen (13,36), den Freien Wählern (9,09) und der FDP (5,86). Alle anderen Parteien würden nach dem Votum der jungen Menschen an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Im Regierungsbezirk Schwaben hat die CSU 25,04 Prozent, die AfD 17,03, die SPD 13,38, die Grünen 11,57, die Freien Wähler 8,07, die FDP 5,76 Prozent. Hier würde es auch die Tierschutzpartei in den Landtag schaffen, mit 5,51 Prozent.

Im Stimmkreis Kempten-Oberallgäu ist die AfD sowohl bei den Erststimmen (17,91 Prozent) als auch bei den Zweitstimmen (19,73) auf dem ersten Platz. Die CSU landet an der zweiten Stelle (17,63 und 16,99 Prozent). Bei den Erststimmen haben die Freien Wähler 13,22, die Grünen 12,12, die SPD 8,82, die Linke 6,61 und die Tierschutzpartei 6,06 Prozent erreicht. Bei den Zweitstimmen stehen die Grünen auf dem dritten Platz mit 11,51 Prozent, gefolgt von der Tierschutzpartei (9,59), den Freien Wählern und der SPD (jeweils 9,04) sowie den Linken (7,40).

U-18-Wahl in Kempten: Meinungen vor Ort

„Bei uns im Allgäu gibt es keine Generation Greta“, sagt AfD-Direktkandidat Andreas Mayer.

Martin Stein ist Lokalkoordinator der U-18-Wahl in Kempten. Er und sein Team haben mit den Jugendlichen im Laufe der Wahl auch intensive Einzelgespräche geführt. Der Kreisbote hat ihn nach seinen Erfahrungen gefragt. Den direkten Dialog mit den Jugendlichen habe er sehr gut gefunden, erzählt er. Soziale Netzwerke gehörten für diese zu den wichtigsten Informationsquellen. Dort sei die AfD „super aufgestellt“, vor allem bei Tik Tok, was die anderen Parteien eher meiden.

Für die Wahlentscheidung spiele oft eine einzige Information die entscheidende Rolle, wie: Ich wähle sie nicht, weil sie die Klimakleber unterstützen. Erst im Gespräch komme das Denken in Bewegung, indem man lerne, Sachen von mehreren Seiten anzuschauen und sich selbst die Frage stelle: Was hat das mit mir zu tun? Mit Wahlveranstaltungen in dem Format eines Vortrages mit anschließender Fragerunde komme man nicht richtig ins Gespräch. Stein wünsche sich, die Konzepte der politischen Bildung – nicht nur bei den Jugendlichen – zu überdenken, damit der gesellschaftliche Diskurs wieder belebt werde.

Alexander Köffer leitet die Fachstelle „Demokratie leben!“ des Projekts „Miteinander Kempten gestalten“. Er betreute eines der Wahllokale. Bei der U18-Wahl gehe es seiner Meinung nach gar nicht darum, wie viele daran teilnehmen, sondern um die intensiven Gespräche rundherum.

Die überwiegend Zwölf- bis 15-Jährigen seien in den zeitintensiven Einzel- und Gruppengesprächen darüber einig gewesen, dass in den Schulen zu wenig über das Thema geredet werde. Die Schülerinnen und Schüler unterstützten die Forderung zur Herabsetzung des Wahlalters auf 16, aber nur unter der Bedingung, dass in den Schulen ab der fünften Klasse intensiv politische Bildung angeboten werde.

Einige der Jugendlichen meinten, ohne sich mit den Parteiprogrammen und mit der Gefahr durch demokratiefeindliche Tendenzen auseinanderzusetzen, Argumente gegeneinander abzuwägen, bestehe die Gefahr, dass die jungen Menschen aus momentanen Emotionen heraus wählten oder weil sie einfach provozieren wollten oder für manche populistische Formulierungen empfänglich seien.

Für das Projekt „Demokratie leben!“ bedeute das, noch mehr Zeit und Raum für die politische Bildung zu nehmen und die Wichtigkeit der repräsentativen Demokratie und die inhaltliche Auseinandersetzung mit Parteiprogrammen in den Mittelpunkt zu stellen. „Wer sich mit den Themen der Jugendlichen auseinandersetzt, für ihre Ideen und Sorgen mehr Raum schafft, eröffnet die Perspektive auf eine bessere Zukunft“, sagt Köffer.

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