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Integrationsbeirat diskutiert

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Von: Dominik Baum

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Kemptener Rathaus
Archivbild © Kreisbote/Redaktion

Kempten – Geflüchtete aus der Ukraine infolge des russischen Angriffskriegs, eine enttäuschende Beteiligung am Internationalen Tag gegen Rassismus und ein neues Wohnraumprojekt für Menschen mit Migrationshintergrund – mit diesen und weiteren Punkten beschäftigte sich der Integrationsbeirat der Stadt Kempten am vergangenen Mittwochabend im großen Sitzungssaal des Rathauses. 

Am Ende der Sitzung kam ein Thema auf, das in der Stadt seit Jahren für Diskussionen sorgt.

Von einer „dynamischen Entwicklung in den vergangenen Wochen und Monaten“ sprach Philipp Wagner, der als Leiter des Amts für Integration die Zahlen der aus der Ukraine geflüchteten Menschen im Integrationsbeirat vorstellte. Inzwischen seien 815 Personen bei der Stadt Kempten als ukrainische Kriegsflüchtlinge registriert, darunter 346 Kinder und Jugendliche. Während zu Beginn des russischen Angriffskriegs nahezu alle Ukrainer von Privatpersonen oder Initiativen aufgenommen worden seien, seien inzwischen 350 Personen in städtischen Einrichtungen und weitere 50 in Gemeinschaftsunterkünften der Regierung von Schwaben untergebracht. Aktuell könne die Stadt bis zu 450 Flüchtlinge aufnehmen. Diese Zahl soll auf 600 Plätze ausgebaut werden, erklärte Wagner, der die Versorgung der Menschen und den Zugang zu Unterstützungsangeboten als „grundsätzlich gut“ beschrieb. Er betonte jedoch auch, dass alle Fachstellen vor großen Herausforderungen stünden. „Das Thema bleibt dynamisch“, so der Leiter des Amts für Integration. Aktuell arbeite man an Lösungen für Schulen und Kinderbetreuung. „Es sind 75 Kindergartenkinder aus der Ukraine hier.“

Gabriele Heilinger vom Haus International berichtete davon, dass das Angebot an Deutschkursen nicht ausreichend sei. „Wir haben jetzt schon die Kurse für September voll. Andere Träger sind auch voll“, wies Heilinger auf zu wenig Lehrpersonal hin.

Stadträtin Annette Hauser-Felberbaum (FW) erkundigte sich, ob Geflüchtete auch schon wieder zurückgekehrt seien. „Wir verzeichnen auch Abmeldungen, wissen aber nicht im Detail, wie viele gehen oder wohin sie gehen“, meinte Wagner hierzu.

Kaum Teilnehmer beim Tag gegen Rassismus

„Es war enttäuschend, dass so wenige da waren“, lautete das Fazit von Ilknur Altan, der Vorsitzenden des Integrationsbeirats, zu den 50 Personen beim Internationalen Tag gegen Rassismus. Wenn man sehe, wie viele Coronagegner an dem Montag unterwegs gewesen seien, sei das sehr enttäuschend, wiederholte die Stadtratsbeauftrage für Integration ihren Unmut. Das Gremium sammelte Vorschläge, wie der Tag künftig besser beworben und umgesetzt werden könne. Persönliche Briefe des Oberbürgermeisters an Vereinsvorsitzende, weniger Begleitprogramm um den Tag herum und ein höher frequentierter Veranstaltungsort als der Stadtpark zählten zu den Ideen.

Auch ein anderes Mitglied des Gremiums zeigte sich ob des mangelnden Interesses an einer Veranstaltung verwundert. „Ich habe alle Schulen, Jugendorganisationen und kirchlichen Träger angeschrieben und keine Rückmeldung erhalten“, erzählte Andreas Höpting, der beim Thingersfest lokalen und regionalen Bands eine Bühne geben wollte, von seinen Erfahrungen. Höpting bat das Gremium, die Veranstaltung im eigenen Umfeld noch einmal zu bewerben. „Allein die Bühne hat 6.000 Euro gekostet und die Einnahmen kommen ausschließlich über den Essens- und Getränkeverkauf zustande.“

Burghaldefest 2023?

Auch der Interkulturelle Herbst, der von Oktober bis mindestens November 2022 stattfinden wird, stand auf der Tagesordnung. Im Zuge dessen kam das Burghaldefest zur Sprache, das auch 2022 nicht stattfinden wird. „Man wusste mit Corona nicht, wo die Reise hingeht. Vielleicht klappt es nächstes Jahr wieder“, meinte Altan. Stadtrat und Geschäftsführer Haus International Lajos Fischer (Grüne) und Kjemal Tushi, 2. Vorsitzender Haus International, stimmten wenig hoffnungsvoll und forderten ein rundum erneuertes Konzept, da sich die Ausgangsbedingungen auch aufgrund baulicher Maßnahmen verändert hätten.

Demokratie leben: Junge Erwachsene reisen durch Deutschland

Im Rahmen des Projekts „Demokratie leben“ werde es am Sport- und Familientag eine gemeinsame Veranstaltung mit dem Bündnis „Mensch sein“ geben, verkündete Altan. Sabine Fixmer vom Stadtjugendring Kempten machte darauf aufmerksam, dass junge Erwachsene von 18 bis 26 Jahren vom 22. bis 30. August für die Demokratie durch Deutschland reisen werden. Dabei werde ein Videotagebuch entstehen, das ebenfalls am Sport- und Familientag gezeigt werden soll. „Einige wenige Plätze sind noch frei. Eine Anmeldung ist bis 15. Juli möglich“, berichtete Fixmer.

Hohe Nachfrage nach Wohnraum

Sabine Lurz Bianco von der Diakonie Kempten Allgäu stellte das seit 2021 bestehende Projekt „Wohnraum für alle“ (Wofa) vor, das Menschen mit Migrationshintergrund bei der Wohnraumsuche unterstützt. „Im letzten Jahr haben wir 54 Bedarfsgemeinschaften in der Beratung gehabt, zur Jahresmitte 2022 sind es schon 47“, stellte Lurz Bianco die steigende Nachfrage in Zahlen dar. Um Missverständnissen vorzubeugen, betonte die Projektleiterin: „Wir haben keine eigenen Wohnungen, sondern unterstützen bei der Wohnungssuche.“

Zeichen gegen Rassismus fängt bei Stadt an

Bereits beim Punkt „Sonstiges“ auf der Tagesordnung angekommen, sorgte unter den Mitgliedern des Integrationsbeirat ein altes, aber gleichermaßen aktuelles Thema für Gesprächsbedarf. Rassismus beginne bei der Ausländerbehörde in Kempten, waren sich einige Mitglieder des Gremiums einig, die auf die baulichen Unterschiede zwischen Ausländerbehörde und Einwohnermeldeamt aufmerksam machten. Während das Einwohnermeldeamt offen und mit Spielecke für Kinder gestaltet sei, sitze man in der Ausländerbehörde einem Mitarbeiter vor einer Plexiglasscheibe gegenüber. „Das Thema hat es schon im alten Gremium gegeben. Ich habe das Gefühl, dass die Stadtverwaltung damals wie heute nichts in dem Bereich ändern will“, sagte Kjemal Tushi. Zwischenzeitlich war auch der Weg über die Presse im Gespräch, um Druck auf die Stadt auszuüben. „Es ist wichtig, nicht in ein Thema hineinzustolpern, das schon seit Jahren Emotionen auslöst“, versuchte Philipp Wagner zu beschwichtigen und bat darum, das Thema auf eine Ebene herunterzubrechen, auf der die zuständigen Personen erreicht würden. Letztlich einigte sich das Gremium darauf, es vorerst bei einer Stellungnahme an die Stadt zu belassen.

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