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Kaminkehrer starten ihre Glückstour in Dietmannsried

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Von: Susanne Lüderitz

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Die radelnden Kaminkehrer der Glückstour 2021 starten ihr Unterfangen in Dietmannsried. Manche tragen Kluft, manche Fahrradtrikots.
Nicht nur optisch eine Schau: 30 Kaminkehrer aus ganz Deutschland sind am Dienstag in Dietmannsried zu ihrer rund 1.000 Kilometer langen Glückstour aufgebrochen. © Lüderitz

Dietmannsried – 30 radelnde Kaminkehrer starteten am Dienstag ihre Glückstour. Für einige kleine Allgäuer hatten sie besonders viel „Glück“ im Gepäck.

Die „Schwäbischen Küßbläser“ spielen einen zünftigen Marsch. Gespannt schaut die Menge Richtung Dorfmitte. Rund 40 Allgäuer Kaminkehrer in Kluft sind gekommen, um ihre Kollegen zu begrüßen. Gleich müssten sie zu sehen sein. 30 radelnde Schornsteinfeger haben sich gerade vom Hotel aus in Richtung Festhalle Dietmannsried aufgemacht. Eine richtige Etappe ist die zehnminütige Tour nicht, aber für den Auftakt der Reise genau richtig. Die 30 sportlichen Kaminkehrer wollen in sieben Tagen bis nach Mainz pedalieren. Ihre Mission: Gelder einsammeln und an Vereine verteilen, die krebskranke Kinder und deren Familien unterstützen.

Fahrradfahrer radeln durch erhobene Besen von Kaminkehrern hindurch, Festhalle Dietmannsried, Glückstour 2021
Die Allgäuer Kaminkehrer bereiten ihren radelnden Kollegen der Glückstour einen herzlichen Empfang. © Lüderitz

Bewegende Geschichte

„Die Tochter eines Kollegen war vor 16 Jahren an Krebs erkrankt“, erzählt Andreas Walter aus Ratzeburg in Schleswig-Holstein. Gerade ist er mit seinen Radelkollegen an der Festhalle empfangen worden. Das Mädchen war neun Jahre alt, als der Krebs kam. „Da muss man was tun, haben wir Schornsteinfeger damals gesagt.“

Seither radeln die Kaminkehrer einmal im Jahr und sammeln Spenden für schwerst- und krebskranke Kinder. Dabei gibt jeder der Fahrer selbst schon 500 Euro in den Topf und zahlt Unterkunft und Verpflegung in Eigenleistung. „Es ist schön, dass das Schornsteinfegerhandwerk zusammenhält“, freute sich der Präsident des Bundesverbands des Schornsteinfegerhandwerks Oswald Wilhelm. Wilhelm kommt aus Dietmannsried und war sicher nicht ganz unschuldig daran, dass die Glückstour diesmal dort startete.

Und der Besuch lohnte sich gleich für die Tour, denn die Gemeinde in Person von 2. Bürgermeister Otto Schmid hatte den großen Geldbeutel mitgebracht, genauso wie der 2. Landrat Roman Haug, der Landesinnungsmeister Heinz Nether und der schwäbische Obermeister Erwin Kastenmayer.

Kaminkehrer als Glücksbringer und Spendenpaten

Initiiert hatte die Glückstour Ralf Heibrok, der auch dieses Jahr mitradelt, organisiert, moderiert und motiviert. Er zeigte sich stolz, dass es „in einer Zeit, in der die Fernseher immer größer werden und die Hecken immer höher, ein so tolles soziales Engagement gibt“. Er wies darauf hin, dass man sich auch unter dem Jahr an die Glückstour wenden könne, wenn man ein Kind wisse, das eine Spende benötige. „Dann ernennen wir vor Ort einen Kaminkehrer-Paten, der das Geld persönlich vorbeibringt“, sagte er.

Im Einsatz für die krebskranken Kinder

In der Festhalle wurde es dann spannend. Welche Allgäuer Institutionen erhalten Spenden und vor allem in welcher Höhe? Ganz gerecht ging es zu, denn alle bedachten Institutionen erhielten jeweils 3.000 Euro, über die sie sich alle riesig freuten:

• Die Urmel Kinder Krebshilfe e.V. aus Friedrichshafen unterstützt Familien mit krebskranken Kindern aus ganz Deutschland finanziell und fördert zum Beispiel einen Treppenlift, einen Badumbau oder Fahrten zu Kliniken.

• Der Förderverein Kinderhospiz im Allgäu e.V. ist Initiator und Gründer des Kinderhospizes St. Nikolaus in Bad Grönenbach. Dort wird die ganze Familie unterstützt, sobald ein Kind die Diagnose „unheilbar“ erhält. Acht Familienplätze dienen zum Kraft-Tanken, wo die Familien rund zwölf Tage bleiben. Besonders im Fokus sind während des Aufenthaltes nicht nur die erkrankten Kinder, sondern auch die Geschwisterkinder, die im Alltag oft weniger Aufmerksamkeit erhalten und deshalb auch „Schattenkinder“ genannt werden. „Aber auch zum Sterben kommen Kinder“, erklärte Vorstand Alfons Regler.

• Der Bunte Kreis Allgäu betreibt ein Nachsorgezentrum für chronisch und schwerstkranke Kinder und übernimmt zum Beispiel die Nachsorgekosten, wenn diese von der Krankenkasse nicht mehr getragen werden.

• Der Hieroniemuß‘ Doctor-Clowns e.V. sorgt in den Kliniken Kempten, Memmingen, Ulm und Friedrichshafen für Humor und zaubert den schwerkranken Kindern das ein oder andere Lächeln aufs Gesicht. Dass dies zur Heilung beiträgt, ist wissenschaftlich erwiesen.

• Der Förderkreis für krebskranke Kinder im Allgäu e.V. unterstützt Familien krebskranker Kinder auf vielfältige Weise. Von finanziellen Zuwendungen für Anschaffungen, Fahrtkosten oder Geschenke über das Erfüllen von Wünschen bis zum Austausch unter Betroffenen. „Die Unterstützung dauert meist sechs Monate“, erklärt der Erste Vorsitzende Stephan Bartzack, „in einem Jahr werden rund 25 bis 30 Familien betreut.“

Bartzack macht deutlich, wie wichtig die Spende der Glückstour in der aktuellen Corona-Phase ist. „Im letzten Herbst und über Weihnachten ging gar nichts“, sagte er. Über zwei bis drei Monate konnte der Verein keine Spenden akquirieren. Es sei aber wichtig, dass die Vereinsmitglieder die Familien treffen können und sich auch einmal ohne Worte austauschen können. „Mit so viel Glück, wie wir es hier gefunden haben, kann es nun weitergehen“, freut sich der Vorstand.

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