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Doch keine Dachbegrünung — Kritik an Sparkassen-Tiefgarage in Kempten

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Auf dem Dach der Zumstein-Tiefgarage soll eine Aussichtsplattform entstehen. © Lena Fuhrmann

Kempten – Der Freundeskreises Lebenswertes Kempten und der BUND Naturschutz richten sich mit einem offenen Brief an Oberbürgermeister Thomas Kiechle. Der Grund: Das Dach der Sparkassen-Tiefgarage soll nun doch nicht begrünt werden.

Das Dach der Tiefgarage auf der Zumsteinwiese soll als Aussichtsplattform dienen und nicht begrünt werden. Der Bauausschuss den Realisierungsvorschlag mit einem einstimmigen Votum im März unterstützt. Nun wird Kritik an der Planänderung laut.

Vertreterinnen des Freundeskreises Lebenswertes Kempten und des BUND Naturschutz richten sich mit einem offenen Brief an Oberbürgermeister Thomas Kiechle. „Kürzlich entnahmen wir der Presse, dass das Dach der Sparkassen-Tiefgarage nun doch nicht begrünt wird, sondern zu einer Aussichtsplattform umgeplant werden soll, um Besucher anzulocken und die nördliche Innenstadt attraktiver zu machen“, heißt es in einem offenen Brief von Vertreterinnen des Freundeskreises Lebenswertes Kempten und des BUND Naturschutz.

Aus ihrer Sicht mache ein gekiestes Dach die Zumsteinwiese keinesfalls attraktiver, denn „urbane Lebensqualität entsteht durch Stadtgrün, nicht durch Kiesflächen“. Pflanzen leisten einen wichtigen Beitrag zur innerstädtischen Kühlung in heißen Sommern. Ein Gründach verbessere das Kleinklima im Stadtpark, denn es filtere Feinstaub und speichere Wasser. Auch der Seele und Gesundheit der Menschen täten Pflanzen erwiesenermaßen gut.

Aussichtsplattform: Grau statt Grün

Die Aussichtsplattform hingegen bedeute „Grau statt Grün“, hinzu komme: „Die Wabenmatten aus Kunststoff, die verhindern sollen, dass der Kies abrutscht, werden durch das Begehen peu à peu abgerieben und tragen so zur Mikroplastik-Verseuchung der Umwelt bei.“ Für die Lebensqualität sei also ein Gründach die bessere Lösung. Ein schönerer Blickfang als eine Kiesfläche mit Geländer sei es zudem.

Außerdem gelte: „Die Aussichtsplattform bedeutet mehr Kosten für weniger Grün.“ Die Baukosten für die Aussichtsplattform seien wesentlich höher als für die Begrünung. Zudem dürfte der Unterhalt der begehbaren Variante teurer sein. Schließlich müsse man regelmäßig den Kies erneuern, das Rampendach von Müll befreien und instandhalten, Verkehrssicherheit gewährleisten etc.. Ein mit unempfindlichen Pflanzen begrüntes Dach müsse nur ca. zwei Mal jährlich gepflegt werden.

Aussichtsplattform teurer als Dachgrün

Die Verteuerung des Projekts sei besonders ärgerlich, weil zuvor aus Kostengründen bei Sitzgelegenheiten und Bepflanzung der Zumsteinwiese der Rotstift angesetzt worden sei, also ausgerechnet bei Elementen, die der Aufenthaltsqualität gedient hätten.

Der Freundeskreis bezweifelt auch, dass die gekieste Aussichtsplattform im Sinne des Förderprogamms „Zukunft Stadtgrün“ ist, das für den Stadtpark abgerufen wurde – Ziel der Förderung sei die „Verbesserung der urbanen grünen Infrastruktur“. Gegen die Verwendung von Gussasphalt statt Pflaster intervenierte die Regierung von Schwaben bereits, da dies nicht den Richtlinien des Förderprogramms entsprach. Selbst wenn es rechtlich zulässig sei, für die Aussichtsplattform nun auf Fördermittel aus dem „Sonderfonds Innenstädte beleben“ zuzugreifen: „Ein „G‘schmäckle“ hinterlässt das Fördermittel-Hopping allemal.“

Beitrag zum Klimaschutz

Ein Gründach leiste zudem einen Beitrag zu Klimaschutz und Biodiversität: „Kempten ist Klimakommune!“ Auch die Sparkasse bekenne sich zu nachhaltigem Handeln und engagiere sich löblicherweise „für vielfältige Umwelt- und Naturschutzprojekte vor der eigenen Haustür“.

Die Unterzeichnerinnen fordern: „Werden Sie Ihren eigenen Ansprüchen gerecht – durch umwelt- und klimafreundliche Entscheidungen bezüglich Stadtentwicklung und Bauen! Für die Verpflanzung der Friedenslinde durch die Stadt Kempten und die Sparkasse bedanken wir uns nochmals ausdrücklich.

Gesunde Bäume mussten Tiefgarage weichen

Dennoch: Für die Sanierung der Tiefgarage wurden mehrere große, gesunde Bäume gefällt. Eine adäquate Ersatzpflanzung ist laut Aussage von Baureferent Koemstedt an Ort und Stelle nicht möglich. Die Begrünung der Rampe mit insektenfreundlichen Pflanzen wäre zumindest ein kleiner Ausgleich für das verlorene Stadtgrün vor Ort, denn es bietet Lebensraum und Nahrung für Bienen, Schmetterlinge & Co.

In diesem zentral gelegenen Bereich sollten Stadt und Sparkasse ihrer Vorbildfunktion gerecht werden. Bitte überdenken Sie die „Begrauung“ des Tiefgaragendachs und schaffen Sie mit der Dachbegrünung ein Aushängeschild für Artenschutz und nachhaltige Lebensqualität in Kempten! Wir möchten Sie außerdem dringend darum bitten, im Sinne des Umwelt- und Klimaschutzes auch für die gefällten Großbäume freiwillige Ausgleichspflanzungen zu leisten.“

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