Demonstranten mit Transparenten vor dem Finanzamt am Rande des Stadtparks in Kempten während einer Wahlkampfveranstaltung der AfD.
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Am Rande des Stadtparks demonstrierte das Bündnis „Kempten gegen rechts“ gegen die wenige Meter entfernt stattfindende Kundgebung der AfD.

Nur wenige Interessierte wollten die Bundestagskandidaten hören

AfD-Wahl-Kundgebung ruft Gegendemonstranten auf den Plan

  • VonChristine Tröger
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Kempten – Vorbei war es vergangenen Samstagmittag mit der Ruhe im Stadtpark, als zwei Kontrahenten begannen sich zu formieren: Die AfD hatte vor dem Sparkassengebäude eine Wahlkundgebung mit ihrem Direktkandidaten für die Bundestagswahl Dr. Rainer Rothfuß angemeldet, der unterstützt wurde vom Vize-Vorsitzenden der AfD im Deutschen Bundestag Peter Felser und dem Kemptener Stadtrat und Kreisvorsitzenden der AfD Kempten-Oberallgäu Thomas Senftleben. Das hatte einmal mehr das Bündnis „Kempten gegen Rechts“ auf den Plan gerufen, das sich in gebührendem Abstand zeitgleich in abgestecktem Areal vor dem Finanzamt mit seinem erklärten Ziel „Kein Fußbreit der AfD! Alle zusammen gegen den Faschismus!“ formierte. Unter dem wachsamen Auge zahlreicher Polizei-Einsatzkräfte verliefen beide Versammlungen friedlich.

Während Peter Höflinger, Veranstaltungsleiter der Demonstration, seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter – darunter Tommy Schwellinger, Direktkandidat von „Die Partei“, – bereits via Lautsprecher über die Auflagen und Verhaltensregeln am Ort informierte, legte das AfD-Wahlkampfteam letzte Hand am Aufbau von Rednerpult, Anlage und Plakat-Deko an. Derweil leistete einer ihrer Anhänger direkte Überzeugungsarbeit bei einem Bekannten, der ihm dort über den Weg gelaufen war, allerdings auf dem Weg Richtung Demonstranten, und deshalb über deren mangelnde christliche Werte aufgeklärt wurde.

Schließlich konnte die Wahlkampfveranstaltung vor ca. 20 Interessierten unter akustischem „Störfeuer“ durch Redebeiträge und Musikeinspielungen mit Texten wie „nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber“ seitens der ca. 50 Demonstranten starten. Dass die musikalischen Attacken trotz der auf 85 Dezibel limitierten Lautstärke das Ziel trafen, zeigte sich daran, dass die Redner der AfD mehrfach darauf reagierten.

Am politischen Rednerpult wurde nicht gespart mit Kritik an deutscher AfghanistanPolitik und dem Umgang mit der Bundeswehr, oder auch dem Klimawandel, der aus Sicht Felsers nicht für die Katastrophe im Ahrtal verantwortlich zu machen sei, sondern „die Politiker haben einiges verbockt“, und u.a. die frühzeitigen Warnungen ignoriert. „Verfassungsfeinde“ sah Felser weniger bei der AfD als bei denen, die keine Flüchtlinge abschieben würden, Flüchtlingsströme ins Land lassen oder gar „mit Schlepperbanden zusammenarbeiten“. Wie Senftleben ergänzte, würden auch aus Afghanistan wieder die Falschen angelockt: „Die jungen, starken Männer.“ Fakt sei, dass Deutschland die Probleme Afghanistans nicht lösen könne.

„Ich spüre den Wind des Wandels“, zeigte sich Rothfuß optimistisch, was er darauf gründete, dass alles schiefgehe, weil „die Politik verfilzt“ sei. Nicht die Polizei, sondern die Verwaltung, respektive die Politik „drangsaliert“ die Bevölkerung und erlaube zum Beispiel einen Christopher-Street-Day während sie Anti-Corona-Demos verbiete. Auch die Medien seien „mit der Politik total verwoben“ und „total unkritisch“, holte Rothfuß gegen die Corona-Impfung mit „Gen- und Nanotechnologie“ aus. Auch bezweifelte er deren Wirksamkeit, was er am Beispiel des Impfweltmeisters Israel festmachte, das derzeit dennoch von einer heftigen Corona-Welle gebeutelt werde. „Wir sollen einfach nur gehorchen“, kritisierte er die Spaltung zwischen Geimpften und Ungeimpften und den „Filz aus Medien und Politikern“ sowie „die Eliten und das Kapital“, die „uns“ steuern wollten. Auch vor dem von diesen vorangetriebenen bedingungslosen Grundeinkommen warnte er, denn man sehe ja schon jetzt, dass es „nichts ohne Bedingung“ gebe.

Und während auf Seite der Demonstranten vor einer faschistischen AfD gewarnt wurde, erklärte Rothfuß, „wir sind Opfer des Faschismus“. Er sprach vom Bürger als Souverän und dass es Zeit für die Pannenpolitik sei, abgewählt zu werden. Nach einer kurzen Frage-Antwort-Runde der Moderatorin und laut „Allgäu rechtsaußen“ neuen Jugendbeauftragten der AfD im Allgäu Jane Schulz mit Felser und Rothfuß, fand die unter dem Titel „Afghanistan, Impfpflicht, Rente ...“ stehende Kundgebung ihr Ende.

Dem Bündnis „Kempten gegen Rechts“ war es wichtig, den „kläglichen Versuch der AfD zu enttarnen, die katastrophale Lage in Afghanistan und den wachsenden Unmut über die staatlichen Coron-aMaßnahmen für ihre eigenen Zwecke zu instrumentalisieren“.

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Quelle: Kreisbote

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