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Das Architekturforum Allgäu feiert 20-Jähriges Jubiläum im alten Reglerhaus

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Von: Jörg Spielberg

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Der frischgewählte Vorstand des Architekturforum Allgäu September 2021 vor dem Reglerhaus Kempten
Der frischgewählte Vorstand des Architekturforum Allgäu: (von links) Alex Rissmann mit Tochter (Netzwerkknoten (NWK)-Sprecher Sonthofen), Florian Gayer-Lesti (Vorstand Kommunikation), Gerhard Pahl (1. Vorsitzender), Amelie Martin (NWK-Sprecherin Memmingen), Martina Buchs (NWK-Sprecherin Kempten), Ainhoa Müller (NWK-Sprecherin Kaufbeuren), Rainer Lindermayr (Vorstand Finanzen), Franz G. Schröck (Geschäftsführer), Monika Sparakowski (Vorstand Dokumentation), Peter Geiger (Vorstand Organisationsentwicklung) und Doris Riedmiller (NWK-Sprecherin Mindelheim). © Spielberg

Kempten/Allgäu - Mit dem alten Reglerhaus in der Webergasse hat das Architekturforum Allgäu einiges vor. Jetzt fand dort schon mal die Geburtstagsparty statt.

Sichtlich stolz und mit großer Freude konnte in diesem Jahr das Architekturforum Allgäu an einem ganz besonderen Ort sein 20-jähriges Bestehen feiern. Unweit der Iller und am Rande der Altstadt konnte in der Webergasse auf dem ehemaligen Gelände des Gaswerkes das alte Reglerhaus als neues Domizil des Forums vorgestellt und seiner neuen Bestimmungzugeführt werden.

Das Reglerhaus dürfte den meisten Kemptenern eher als Pumpenhaus bekannt sein. Nach jahrelangen Verhandlungen mit der Stadt Kempten konnte im Sommer der Pachtvertrag für den einzigen baulichen Rest des ehemaligen Gaswerks an der Iller unterzeichnet werden. Damit kommt das Forum seinem lange gehegten Wunsch näher, im Allgäu und für das Allgäu ein „Haus der Baukultur“ zu etablieren.

Für die Feierlichkeiten war im 120 Quadratmeter großen Raum im Erdgeschoss aufgestuhlt und im Untergeschoss eine Ausstellung installiert worden, die die Projekte der letzten 20 Jahre anhand eines Zeitstrahls aus Hunderten von stilisierten Polaroids verdeutlichte. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen des „Architekturforums Allgäu“ konnte dieser Erfolg nun mit frischgewähltem Vorstand und mit Ehrengästen gebührend gefeiert werden.

Neuer Vorstand gewählt

Neben dem 1. Vorsitzenden Gerhard Pahl und dem Geschäftsführer Franz G. Schröck vom Architekturforum Allgäu konnten u.a. Oberbürgermeister Thomas Kiechle, der 1. Vorsitzende des Treffpunkt Architektur Schwaben (TAS) der Bayerischen Architektenkammer Reiner ­Schlientz, der Unterallgäuer Landrat Alex Eder und AÜW-Geschäftsführer Michael Lucke als Vertreter der Förderer und Unterstützer des Architekturforums begrüßt werden.

Für die rund 100 Gäste, die sich auf der Wiese rund um das Reglerhaus weitläufig verteilen konnten, gab es nach den Begrüßungsreden Kaffee und Kuchen und musikalische Unterhaltung durch die Jodlergruppe Niedersonthofen.

Das Projekt ist gewachsen

Am Beginn der Idee, ein Netzwerk für Allgäuer Architekten zu schaffen, das auch nach außen hin wirken sollte, stand die Gründung des Architekturforums Kempten im Jahr 2001, damals noch unter Oberbürgermeister Dr. Ulrich Netzer. Schon bald schlossen sich dieser Initiative engagierte Architekten aus dem Oberallgäu an. 2003 zog das Unterallgäu mit dem Architekturforum Memmingen/Unterallgäu nach. Den bisherigen Höhepunkt bildete dann die Fusion der beiden Architekturforen im Jahr 2013 zum „Architekturforum Allgäu“. Seit dieser Zeit wurden Netzwerkknotensprecher für Mindelheim, Memmingen, Kaufbeuren, Kempten und Sonthofen etabliert, um die vielen lokalen Initiativen besser koordinieren zu können.

Eine Neuwahl des Vorstands am 24. September brachte u.a. die folgende Besetzung: Gerhard Pahl (1. Vorsitzender), Reiner Lindermayr (Vorstand Finanzen), Peter Geiger (Vorstand Organsisationsentwicklung), Florian Gayer-Lesti (Vorstand Kommunikation) und Monika ­Sparakowski (Vorstand Dokumentation). Franz G. Schröck bleibt als Geschäftsführer im Amt.

„randnotizen“

Mit einer Vielzahl von Veranstaltungen für die Öffentlichkeit, Vorträgen, Informationen, Ortsbegehungen und regelmäßigen Exkursionen, Ausstellungen, Publikationen und Diskussionsveranstaltungen ist das Architekturforum Allgäu in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu einem ernstzunehmenden Ansprechpartner für baukulturelle Fragen im Allgäu geworden. Durch die Auslobung eines „Baupreis Allgäu“, der seit 2005 viermal vergeben wurde, und einem Baukulturgemeinde-Preis 2016 wurde die öffentliche Wahrnehmung des Vereins mit seinen rund 300 Mitgliedern noch einmal wesentlich gesteigert.

Auf diese öffentlichen Einflussnahmen durch das „Architekturforum Allgäu“ kam auch Oberbürgermeister Thomas Kiechle zu sprechen, der in seiner Begrüßungsrede anmerkte: „Gerade die ‚randnotizen‘ des Forums werden von uns als verantwortlichen Entscheidern bei der Stadtplanung wahrgenommen und respektiert, wenngleich die darin vorhandene sachliche Kritik an öffentlichen Bauvorhaben, wie dem ehemaligen Brauhaus-Areal in Kempten, durchaus schmerzen kann.“ (Siehe „randnotiz 8“, vom 3. August 2012 auf www.architektforum-allgaeu.de).

Ambivalente Zwischenbilanz

In der „randnotiz.31“ zieht das Architekturforum Allgäu eine gemischte Bilanz. „Was haben wir in den zwei Jahrzehnten unserer Tätigkeit ­erreicht? Sicherlich eine Sensibilisierung für das komplexe Feld der Baukultur in der Region. Dabei sind jedoch Ambivalenzen festzustellen: Zwar gelang die Installation von Gestaltungsbeiräten in den Städten Sonthofen, Kaufbeuren, Kempten und Memmingen – zum Ansinnen, ein solch sinnvolles Beratungsinstrument auch auf Landkreisebene für alle Allgäuer Gemeinden einzurichten, herrscht aber bisher eher Zurückhaltung bei den politischen Entscheidungsträgern.

Oder hinsichtlich der besonders in Zeiten der Klimakatastrophe gebotenen Sorge um den Bestand: Zwar konnten wir den Abriss der denkmalgeschützten ‚Alten Schule‘ in Immenstadt-Bühl in letzter Minute verhindern, bei Ándor Akos‘‚ Löwen‘ in Oy und beim Franz-Weiß-Atelier ‚Bavaria‘ in Kempten aber: Fehlanzeige.

Immer noch viel zu häufig wird in unseren Gefilden nach der Maxime ‚weg mit dem alten Glumpp‘ gehandelt. Zwar kann die Region mit einer Vielzahl prämierter Einzelobjekte auch auf nationaler und internationaler Ebene aufwarten, aber die Kakophonie von Allerwelts-Neubau- und Gewerbegebieten breitet sich weiterhin ungebremst aus. Zwar ist das Thema ‚Kultur‘ seit kurzem auch bei der Wirtschafts- und Tourismus-Fördergesellschaft der, Allgäu GmbH, angekommen, drastische Veränderungen unserer gewachsenen Kulturlandschaft wie am Riedberger Horn oder am Grünten standen und stehen aber ernsthaft zur Debatte.“

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