Die 35-jährige neue Vorsitzende der BayernSPD Ronja Endres besuchte für einen Tag das Allgäu und stellte sich u.a. den Freunden der SPD beim Sommerfest in Durach vor.
+
Die 35-jährige neue Vorsitzende der BayernSPD Ronja Endres besuchte für einen Tag das Allgäu und stellte sich u.a. den Freunden der SPD beim Sommerfest in Durach vor.

»Wir fordern Respekt«

SPD-Vorsitzende und SPD-Bundestagskandidat besuchen Durach

  • VonJörg Spielberg
    schließen

Durach – Der Wahlkampf tritt langsam in seine heiße Phase und noch können die Parteien die niedrigen Inzidenzen nutzen, um mit dem Wahlvolk unmittelbar in Kontakt zu treten. Das tat auch die SPD Kempten, die am letzten Wochenende die neue Vorsitzende der BayernSPD Ronja Endres in Durach begrüßte. Begleitet wurde sie bei ihrem ganztägigen Besuch von ihrem Parteifreund Martin Holderied, der für die SPD als Bundestagsdirektkandidat im hiesigen Wahlkreis 256 antritt.

Den Auftakt des Aufenthalts im Allgäu machte ein Besuch bei Gewerkschaftlern im DGB-Haus in Kempten, gefolgt von einer Betriebsbesichtigung bei der Firma Topp Textil GmbH in Durach. Das Familienunternehmen ist zum einen Gemeinwohl-zertifiziert und setzt in puncto Arbeitnehmerfreundlichkeit und Nachhaltigkeit Maßstäbe. „Die Firma Topp beweist, dass man auch in schwierigen Branchen wie der Textilindustrie mit einem Firmensitz in Deutschland am Markt bestehen kann“, sagt Ronja Endres und ergänzt: „Die Topp Textil GmbH bringt Wirtschaftlichkeit, Arbeitnehmerfreundlichkeit und Klimaschutz unter einen Hut.“ Weil sich die Betriebsbesichtigung in die Länge zog, erreichte der sozialdemokratische Tross etwas verspätet das Sommerfest im Kirchenweg in Durach.

Vorsitzende stellt sich vor

Nach kurzer Begrüßung ergriff die neue Vorsitzende der BayernSPD Ronja Endres das Mikrofon. Auch sie genieße die Möglichkeit, wieder einmal mit Wählern direkt ins Gespräch zu kommen und bestellte den Zuhörern Grüße vom Co-Vorsitzenden der BayernSPD Florian von Brunn.

Hoffnung gäben ihr, so die gebürtige Oberbayerin aus Penzberg, die neuesten Umfragen des ZDF-Politbarometers. Die zeigen den eigenen Kanzlerkandidaten Olaf Scholz mit 44 Prozent auf Platz 1 bei der Anwärterschaft auf das Kanzleramt. Auch bei den anderen Umfragewerten hole die SPD auf, so Endres. Derzeit stünde man bei 20,5 Prozent bei den Zweitstimmen und habe somit zum ersten Mal die Grünen überholt.

„Wir fordern Respekt“ – Das ist das Motto des SPD-Wahlkampfs, sagt Endres und hat damit vornehmlich die Rechte der Jugend und der Arbeitnehmer im Blick. Für die Jugend möchte sie analog zum „Klimacheck“ der Grünen einen verbindlichen „Jugendcheck“ einführen, der prüfen soll, inwieweit politische Entscheidungen Jugendliche treffen.

Ronja Endres spricht von Hartz IV als einem Monster, das sie für einen Fehler sozialdemokratischer Politik hält. „Wir werden in diesem Punkt Fehler der Vergangenheit ausbügeln und wollen stattdessen ein BürgerInnengeld etablieren“, sagt Endres. Zudem fordert die neue Vorsitzende einen Mindestlohn von 14 Euro und möchte die sachgrundlose Befristung bei Arbeitsverträgen abschaffen, weil dies häufig zu unbefristeten Arbeitsverträgen zu Ungunsten von Arbeitnehmern führe. Essentiell aber sei, dass die SPD es schaffe, den Klimawandel mit der sozialen Frage in Einklang zu bringen. Hier unterscheide sich die SPD von den Grünen, die allzu oft die Geringverdiener die „Zeche“ zahlen ließen.

Die neue Vorsitzende der BayernSPD ließ am sonnigen Nachmittag die Unterschiede zu ihrer Vorgängerin Natascha Kohnen erkennen. Mehr Bodenständigkeit statt akademischer Attitüde. Endres macht keinen Hehl aus ihrem Großwerden in einem Haushalt mit arbeitsloser Mutter und ist u.a. stolz auf ihre duale Ausbildung zur Chemielaborantin. Ihr Lebenslauf im Internet ist wohltuend handfest.

Mit dabei beim Wahlkampfausflug war auch Martin Holderied, der für die SPD als Bundestagsdirektkandidat im Wahlkreis 256 antritt. „Wenn noch einmal Lokalmatador Gerd Müller angetreten wäre, hätte ich mich nicht aufstellen lassen. Aber bei der aktuellen CSU-Kandidatin rechne ich mir durchaus Chancen zu“, verrät Holderied im Interview.

Der 31-jährige Lindenberger studierte Volkwirtschaftslehre und Politikwissenschaften und schreibt derzeit an seiner Doktorarbeit. Die Eltern betreiben im Heimatort eine Bäckerei. Für Holderied ist es wichtig, das regionale Handwerk und den Mittelstand zu unterstützen. Bei der Bildungspolitik möchte er drei Punkte voranbringen: Digitalisierung, schnelles Internet und Optimierung von Homeschooling.

Auch für Holderied steht eine Frage im Fokus seines politischen Engagments: „Wir müssen den Klimaschutz mit der sozialen Frage in Einklang bringen“, so der Westallgäuer. „Strompreise und Spritkosten müssen bezahlbar bleiben. Gerade in ländlichen Regionen muss ein Auto leistbar sein, solange der ÖPNV nicht besser ausgebaut ist. Letztgenanntes ist eine Herausforderung, an der wir Sozialdemokraten angestrengt arbeiten.“

Quelle: Kreisbote

Auch interessant

Kommentare