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Söder warnt in Kemptener Illerstadion vor linkem Schreckgespenst

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Von: Susanne Lüderitz

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Ministerpräsident Markus Söder spricht im Kemptener Illerstadion August 2021 vor der Bundestagswahl
Wer bayerische Interessen in Berlin vertreten haben wolle, solle die CSU wählen, warb Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder im Illerstadion. © Lüderitz

Kempten – Auf die letzten Wahlkampfwochen eingeschworen hat am Montag Ministerpräsident Markus Söder seine schwäbischen CSU-Parteikollegen. Im Illerstadion, in dem er auf seiner Stadiontour Halt gemacht hatte, fuhren er und seine Kandidaten für Berlin schwere verbale Geschütze gegen SPD, Linkspartei und Grüne auf.

„Wer Scholz wählt, wird mit den Linksradikalen aufwachen“, sagte Moderator Florian Hahn gleich zu Beginn der Veranstaltung. Die Warnungen, was passiert, wenn man bei SPD, den Linken oder den Grünen sein Kreuzchen setzt, zogen sich durch den gesamten Abend. Dann komme eine Vermögenssteuer und ein generelles Tempolimit. Das Ehegattensplitting werde abgeschafft, die Bundeswehr geschwächt, sagte Dorothee Bär, Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung und CSU-Spitzenkandidatin, die sich darüber empörte, dass SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz ein Bündnis mit der Linkspartei am Sonntag nicht hatte ausschließen wollen.

„Wachstum statt Schulden, Anreize statt Verbote, Entlastung statt Belastung und Freiheit statt Sozialismus“ bekomme man stattdessen mit der CSU, rief Moderator Hahn.

In den aktuellen Umfragen liegt die SPD mit 23,6 Prozent knapp vor CDU/CSU (21,9 Prozent). „Die Lage ist nicht einfach“, räumte Ministerpräsident und Parteivorsitzender Markus Söder ein, aber „die letzten Meter sind die spannendsten, man kann alles gewinnen oder alles verlieren.“ Er forderte, jetzt selbstbewusst zu argumentieren.

Sein Appell richtete sich an die rund 300 vor allem CSU-Parteimitglieder und Wahlkämpfer, die ins Illerstadion gekommen waren. Die Besucherinnen und Besucher auf den Rängen waren vielfach zwischen 60 und 70 Jahre alt. Entsprechend fiel auch die Rhetorik der Redner aus. Immer wieder fiel das Wort „beschützen“. „Angela Merkel hat uns in den 16 Jahren gut beschützt“, sagte Söder. Auch in der Pandemie hätten die Christsozialen „das Land gut beschützt“.

Jetzt müsse man alles dafür tun, dass die Schulen offen bleiben. Nach der Pandemie will Söder „das zarte Pflänzchen der Wirtschaft gießen“, anstatt wie Linkspartei, Grüne und SPD mit höheren Steuern „alle Initiativen abzuwürgen“. Ebenso warb er dafür, die kleinen und mittleren Unternehmen – auch aus der Landwirtschaft – mittels Bagatellgrenzen zu unterstützen.

SPD, Grüne und Linke würden im Gegensatz zu den Christsozialen nicht zur schwarzen Null zurückkehren wollen, sondern eine Vergemeinschaftung der Schulden in ganz Europa anstreben. In diesem dauerhaften Länderfinanzausgleich und der Gemeinschaftshaftung würden auch die Sparguthaben der deutschen Sparer haften für die Banken in anderen Teilen Europas. „Das wollen wir nicht“, erklärte Söder.

Bei der Veranstaltung erhielten die neuen und etablierten schwäbischen CSU-Bundestagskandidaten die Gelegenheit, sich vorzustellen. Für den Wahlkreis Oberallgäu/Lindau/Kempten steigt Mechthilde Wittmann in den Ring. Die gelernte Bankkauffrau, BWLlerin und Juristin arbeitet derzeit am Franz Josef Strauß Flughafen in München und saß bereits im Münchener Stadtrat und im bayerischen Landtag. „Ich bin nicht immer schüchtern und leise – nur meistens“, sagte die Lebensgefährtin von CSU-Fraktionsvorsitzendem im Bayerischen Landtag und Kemptener Stadtrat Thomas Kreuzer, „in Berlin werde ich versuchen, den etwas weniger ausgeprägten Teil des Lautseins für meine Region zur Anwendung zu bringen.“

Ihr Wahlkreis sei der schönste in ganz Deutschland. Deswegen möchte Wittmann das, was die Landschaft prägt und was die Menschen hier beschäftigt, in Berlin vertreten.

Und während die Redner bei teils strömendem Regen im Illerstadion viel Applaus einheimsten, waren von fern mal lauter, mal leiser, Trillerpfeifen zu hören. Eine Handvoll Demonstranten versammelte sich auf der von der Polizei für sie reservierten Eisstockfläche und auf der gegenüberliegenden Seite des Illerstadions und pfiff gegen die CSU-Veranstaltung an. Manche Passanten wunderten sich, dass die Veranstaltung nicht öffentlich war, manche, dass man nicht direkt am Stadion vorbeigehen konnte.

Lacher Lastenrad

Der Lacher und running Gag im Stadion selbst war die von den Grünen angestrebte Förderung von Lastenrädern. Auf dem Land seien diese laut CSU nicht brauchbar. Söders Antwort: eine Pendlerpauschale, die sich nach dem CO2-Preis richtet, um die ländliche Bevölkerung nicht über Gebühr zu belasten.

Dort, wo die Grünen regierten, würden sie Bäume fällen, sagte Söder, würden sie Billiglinien fördern oder sich fürs Auto einsetzen. Deswegen wolle er die Grünen „moralisch dechiffrieren“ und falls es doch auf eine Koalition mit ihnen hinauslaufe, ihnen erst einmal „die Zähne kräftig ziehen“.

Nach Meinung der Christsozialen sind „Klima und Wirtschaft zusammen organisierbar“, ohne dass man mit Verboten in die „Steinzeit“ zurückfalle. Sie halten auch am Luftverkehr und schneller Mobilität fest – CO2-frei mit neuen Kraftstoffen, sagte Alexander Dobrindt.

Im Wahlwerbespot, der dem Publikum gezeigt wurde, fährt Markus Söder mit dem Fahrrad durch eine grüne Landschaft, streift mit den Händen durch Gras und sagt: „Ich möchte nicht, dass wir unseren Kindern eine Welt übergeben schlechter als wir sie übernommen haben. Eines der wichtigsten (Probleme, Anm. der Red.) ist, diese Welt zu erhalten und sie ein Stück weit auch zu retten.“ Am Ausgang der Veranstaltung konnten sich die Teilnehmer dann einen CSU-Plastiktrinkbecher und CSU-Kinderplastikbälle als Wahlwerbegeschenke mit nach Hause nehmen.

Zuvor sangen aber alle Anwesenden gemeinsam die Bayernhymne, die deutsche Nationalhymne und die Europahymne, wobei bei letzterer nicht jeder textsicher war.

Zur Aufzeichnung der Veranstaltung geht‘s hier.

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