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Spider-Man: No Way Home – Neue Chance für alte Feinde

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Martina Ahr

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Kinofilm „Spider-Man 3“
Benedict Cumberbatch als Doctor Strange (l) und Tom Holland als Peter Parker/Spider-Man. © Courtesy Of Sony Pictures/2021 MARVEL/dpa

In Spider-Man: No Way Home bekommt es Peter Parker mit dem Multiversum zu tun.

Achtung, die Rezension enthält Spoiler!
Drei Chancen hat sich Sony Pictures, seit Marvels klammen Jahren Besitzer der Filmrechte, in den letzten 19 Jahren selbst gegeben, um Spider-Man jeweils mehrteilig auf der großen Leinwand zu porträtieren. 
Tobey Maguire schwang sich 2002 als erster Spider-Man über die Kinoleinwand und hat einen Boom des Superheldengenres ausgelöst, der auch verlagsübergreifend sichtbar geworden ist – man denke etwa an die Dark-Knight-Trilogie. 
Andrew Garfield folgte in einer deutlich selbstbewussteren Version von Spider man a.k.a. Peter Parker genau zehn Jahre nach Maguires Auftakt, bevor schließlich Tom Holland in einer deutlich jüngeren und spielerischeren Variante im Film The First Avenger: Civil War 2016 über den Leipziger Flughafen turnte. Drei Generationen Spider-Man also, drei unterschiedliche Tonalitäten und Interpretationen des Charakters.
Um neue Chancen geht es auch im neusten Film, Spider-Man: No Way Home, dem dritten Teil der Homecoming-Trilogie, die in Kooperation von Sony mit den Marvel Studios entstanden ist. Eine zweite Chance für Peter, um doch noch an der favorisierten Universität angenommen zu werden, eine zweite Chance bei der Freundin – oder um die zweite Chance, einem Widersacher aus der Vergangenheit erneut entgegenzutreten.

Besuch aus dem Multiversum

Wenn die Wirklichkeit, so wie wir sie kennen, zerbricht, dann kommen alle zusammen und hilft sich. Soweit Hollywoodideen. Das gilt auch hier. Wenn der Ton des Films größtenteils humorvoll und leicht bleibt, erlebt Peter Parker das aus den Comics wohlbekannte Parker-Unglück: Trauer um eine nahestehende Person, Schuldgefühle, dazu kommt sein Problem mit der bereits am Ende des Vorgängerfilms enthüllten Geheimidentität. Alles wissen, dass er Spider-Man ist, und neben der Jagdlust des giftigen Journalisten J. Jonah Jameson (J. K. Simmons) muss er sich auch mit der Sorge herumschlagen, dass kein College Peter, seine Freundin MJ (Zendaya) und „Man in the Chair“ Ned (Jacob Batalon) aufnehmen will. 
Genau das ist es, was Spider-Man zu einem der beliebtesten Superhelden überhaupt gemacht hat – egal in welcher Version, egal ob im Comic oder Film. Er schwankt immer zwischen ziemlich nachvollziehbaren Problemen, sei es ein Mietrückstand, ein verpasster Abschlussball, ein verlorener Job, und dem großen Kampf gegen Bösewichte.
Nun ist also, kaum hat No Way Home gestartet, ziemlich viel schiefgelaufen. Dr. Steven Strange (Benedict Cumberbatch) kann mit seinem Zauber Peter auch nicht helfen, stattdessen passiert nun das, was Peter bisher nur im übertragenen Sinn erlebt hat. Seine Wirklichkeit bricht zusammen. Widersacher wie Doc Ock (Alfred Molina) und Electro (Jamie Foxx), die in anderen Universen gegen einen anderen Peter Parker angetreten sind, landen in Peters Realität und nutzen ihre zweite Chance, Spider-Man zu bekämpfen.
Und dann kommen sie: Die Gerüchte waren da, mit mindestens einem Kurzauftritt der anderen Spider-Men war nach all den Leaks zu rechnen. Als erst Andrew Garfield, dann Tobey Maguire in Neds Wohnzimmer gelangen und sich als Peter Parker vorstellen, gibt es im Kino Szenenapplaus.
Es ist ein Spiel mit der Nostalgie, das sich Regisseur Jon Watts hier leistet. Denn es bleibt keineswegs bei einer knappen Szene der „alten“ Spider-Men. Stattdessen tun sie genau das, was Familie angesichts der Katastrophen, die der jüngste Peter gerade erlebt hat, eben macht: Sie trösten ihn, und das tun sie, indem sie ihm schmerzhafte Einblicke in ihre Vergangenheit bieten, aber auch Ausblicke, was nach der Trauer auf ihn warten könnte.
Die brüderliche Interaktion zwischen den drei Spider-Men ist es, die den Film über weite Teile trägt, ähnlich funktionieren all die Szenen, in denen Tobey Maguire und Andrew Garfield auf ehemalige Gegner treffen. Natürlich kommt es zum Marvel-üblichen Actionspektakel, aber auch zur verbalen Konfrontation, die nun auch mit einer zweiten Chance enden kann. Und nebenbei schließt so manch offene Plotlinie nach vielen Jahren ab: Tobey Maguires Peter Parker hat es nach dem Ende seiner Trilogie doch noch geschafft, eine funktionierende Beziehung mit „seiner“ MJ zu führen. Andrew Garfields Spider-Man bekommt die Gelegenheit, seine traumatischste Erfahrung, seine Freundin nicht vor einem tödlichen Sturz retten zu können, neu zu erleben und diesmal nicht zu scheitern.
No Way Home ist die Chance, die Sony ergriffen hat, alle bisherigen Spider-Man-Filme zu einem runden Abschluss zu bringen. Das ist gelungen.

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