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Trendstudie zeigt Ängste von Jugendlichen auf  

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Von: Jörg Spielberg

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Neben der Corona-Krise fürchten Jugendliche den Klimawandel
und das Scheitern des Rentensystems. Das ergab die dritte
Trendstudie von Simon Schnetzer und Professor Klaus Hurrelmann.
Neben der Corona-Krise fürchten Jugendliche den Klimawandel und das Scheitern des Rentensystems. Das ergab die dritte Trendstudie von Simon Schnetzer und Professor Klaus Hurrelmann. © Fotocollage: Spielberg

Kempten/Landkreis – Der Schock von 21 Monaten Corona-Pandemie sitzt in der jungen Generation tief.

Das zeigt die dritte aktuelle Trendstudie „Jugend in Deutschland“ des Jugendforschers Simon Schnetzer und dessen Co-Autors Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, die beide gemeinsam mit zwei Jugendlichen im Rahmen einer Online-Veranstaltung vorstellten. Sie basiert auf einer repräsentativen Befragung von 14 bis 29-Jährigen von Ende Oktober 2021. 

Immer noch litten viele Jugendliche dieser Alterskohorte unter psychischen Belastungen. Sie beklagen den Kontrollverlust bei ihrer Alltagsgestaltung, den persönlichen Beziehungen und der Bildungs- und Berufslaufbahn. Doch ihre größten Zukunftssorgen sind laut der Erhebung die Auswirkungen des Klimawandels und die unsichere wirtschaftliche Zukunft mit schwindender Aussicht auf eine funktionierende Alterssicherung. Lösungen dieser Probleme erwarteten die Jugendlichen von der Politik.

„Die Studie zeichnet das Bild einer grundsätzlich politisch interessierten jungen Generation, die sich ihrer gestalterischen Rolle für die Zukunft des Landes bewusst ist. Die Pandemie hat sie allerdings in einer äußerst sensiblen Lebensphase getroffen, und nur ganz allmählich erholt sie sich von den einschneidenden Auswirkungen“, fasst Simon Schnetzer zusammen. „Nur eine Minderheit bringt die Kraft auf, sich der großen Herausforderung zu stellen und den eigenen Lebensstil aktiv zu verändern. Die große Mehrheit ist noch nicht bereit, die liebgewordenen Gewohnheiten in den Bereichen Konsum, Mobilität, Ernährung aufzugeben und wartet erst einmal auf Entscheidungshilfen durch die Politik“, ergänzt Co-Autor Klaus Hurrelmann.

Nicht so »grün«, wie erwartet 

Eine genaue Analyse des ökologischen Verhaltens zeige, dass die Jugend in Deutschland nicht so „grün“ sei, wie es medial dargestellt werde. Rund 60 Prozent der 14- bis 29-Jährigen sind regelmäßig privat mit einem Auto unterwegs. Der Anteil der Befragten, die bereit sind, dauerhaft auf ein eigenes Auto (19 Prozent) oder auf Flugreisen (27 Prozent) zu verzichten, ist noch gering. Hoch ist dagegen der Anteil derer, die hin und wieder neue Verhaltensweisen erproben und bereit sind, in bestimmten Feldern ihr Verhalten zu verändern. „Der größte Gegenspieler von Veränderung ist die Komfortzone des Wohlfahrtstaats, in der sich die jüngere Generation nach dem Vorbild ihrer Eltern bequem eingerichtet hat. Unter diesen Umständen kann der von jungen Leuten mehrheitlich befürwortete Klimaschutz nur mit klaren Regeln und Vorgaben durch die Politik gelingen“, so Hurrelmann.

Forderung an die Politik

Es seien die ganz großen Zukunftssorgen, die die jungen Leute umtreiben. Konkret bereite 56 Prozent der Befragten der Klimawandel Sorgen, der Zusammenbruch des Rentensystems 48 Prozent und die Folgen einer Inflation 46 Prozent. Die in der letzten Erhebung im Sommer 2021 dominierende Spaltung der Gesellschaft treibe aktuell 44 Prozent um. Diese Zukunftssorgen bestimmten auch die Erwartungshaltung der Jugend an die neue Bundesregierung: Sie soll die Rente (59 Prozent) und eine lebenswerte, klimagerechte Zukunft (54 Prozent) sichern. Außerdem soll sie die Digitalisierung des Bildungssystems aktiv fördern (49 Prozent) und berufliche Perspektiven sichern (47 Prozent). „Auffällig ist der hohe Stellenwert der Sicherung der Rente. Am Horizont zeichnet sich als neues Konfliktpotenzial die große Sorge der Jungen um ihre Altersabsicherung im Lichte der demografischen Entwicklung ab“, so Schnetzer.

Hohe Impfbereitschaft

69 Prozent der Befragten 14- bis 29-Jährigen seien bereits vollständig geimpft. Die große Mehrheit zeige eine hohe Impfbereitschaft. Schnetzer erklärt: „Die jungen Leute sehnen sich danach, so schnell wie möglich ihre Freiheiten für die Lebensgestaltung zurückzugewinnen.“ Obwohl sich nur 19 Prozent vor einer Infektion sorgten, halte sich die überwiegende Mehrheit nach wie vor an die AHA-Vorsichtsregeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) und nehme Rücksicht auf Freunde und Familie. Ein knappes Fünftel der jungen Leute bezeichne sich selbst als Impfverweigerer oder -skeptiker. Dieser Wert ist seit dem Sommer 2021 unverändert und liegt auf der gleichen Höhe wie in der älteren Bevölkerung.

Im Anschluss an die Präsentation der Trendstudie erhielten die beiden Jugendlichen Valentina Vapaux und Raphael Huber die Gelegenheit, über ihre ganz persönlichen Erfahrungen aus der „Corona-Zeit“ zu berichten. Auch hier wurde deutlich, dass die Angst vor dem Klimawandel zwar präsent ist, aber die Jugendlichen auch wirtschaftliche Entwicklungen beobachten und befürchten, dass die negative Gesamtentwicklung Folgen für ihr Leben haben wird, sei es im Berufsleben, bei der Vermögensbildung oder der Rente. Interessant auch, dass beide Jugendliche berichten, dass Instagram & Co die persönlichen Kontakte nicht ersetzen könnten und auch Gefahren bergen, wie u.a. Mobbing oder Selbstoptimierungswahn.

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