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Über den Andrang in den Alpen – eine Diskussionsrunde

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Am Mikrofon: Dominik Bartenschlager, Sprecher der Allgäuer Bergführer.
Am Mikrofon: Dominik Bartenschlager, Sprecher der Allgäuer Bergführer. © Schmied

Kempten – Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Tourismus und Sport diskutierten über Massenandrang und Besucherlenkung in den Allgäuer Alpen.

Moderator Markus Raffler begrüßte als Teilnehmer am Podium Prof. Dr. Alfred Bauer (Dekan der Fakultät Tourismus-Management an der Hochschule Kempten), Klaus King (Bürgermeister der Gemeinde Oberstdorf), Bernhard Joachim (Geschäftsführer der Allgäu GmbH), Henning Werth (Biologe des Zentrum Naturerlebnis Alpin), Steffen Reich (Geoökologe und DAV Ressortleiter Naturschutz), Maximilian Klaus (IG Klettern & Bergsport Allgäu) sowie Dominik Bartenschlager (Sprecher der Allgäuer Bergführer).

Wiederkehrende Themen

Letztere sollte an diesem Abend ein immer wiederkehrendes Thema sein: Nach einzelnen Statements der Teilnehmer drehte sich die Diskussion vor allem um die Parkplatzsituation an touristischen Hotspots. Reich führte an, das Problem des hohen Verkehrsaufkommens sei aber nicht nur ein heißes Thema im Allgäu – auch Destinationen wie etwa das Berchtesgadener Land oder der Tegernsee hätten an manchen Tagen mit regelrechten Blechlawinen zu kämpfen. „In Oberstdorf laufen derzeit acht verschiedene Mobilitätskonzepte, um den Ort und seine Bewohner von den Automassen zu befreien“, so King.

Für Klimaneutralität und eine Entlastung der Gemeinde in Sachen Pkw solle künftig ein gut ausgebautes Netz aus öffentlichen Verkehrsmitteln sorgen, das Gäste kostengünstig von außerhalb in den Ort bringen könne. Seitens der Bergführer und Sportler in der Runde wurde vor allem das Parksystem in Gunzesried gelobt, gleichzeitig wurden aber auch kritische Stimmen zu „überteuerten und unfairen“ Parkgebühren in der gesamten Region laut. Hier und da wurden neben der Parkraumgestaltung weitere Maßnahmen der Besucherlenkung in den Bergen angeschnitten: Wanderer sollten sich an festgeschriebene Wege halten und ausgeschilderte Tabuzonen respektieren – denn etwa „das Birkhuhn braucht einen Bereich, in dem es ungestört sein kann“, so der Biologe Werth. 

Ein weiteres Mittel der Besucherlenkung sind Bergbahnen: Gäste, die mit der Gondel bis ganz oben schweben, halten sich meist nicht weit vom Gipfel entfernt auf und betreten somit keine geschützten Zonen in den Bergen. Der Dekan der Fakultät Tourismus-Management war sich allerdings unsicher, ob naturhungrige Bergfexe sich durch weitere Lenkungsmaßnahmen so einfach beeinflussen lassen würden; wo es schön ist, sei es eben voll.

Einigkeit allerdings herrschte in der gesamten Gruppe darüber, dass die Natur für alle gleichermaßen da sei und niemand von der Nutzung ausgeschlossen werden könne und sollte. Touristen und Einheimische tragen zu gleichen Teilen zum Schutz und Erhalt der Biodiversität in den Allgäuer Alpen bei und sollten diese mit Respekt und Bedacht nutzen und genießen.

Bevor der Abend beendet wurde, hatten Besucherinnen und Besucher noch die Möglichkeit, sich mit Fragen und Anregungen in die Diskussion einzubringen – vor allem das künftig geplante Baugeschehen am Grünten stand hierbei im Fokus der Debatte.

Sabrina Schmied

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