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Ukrainische Kinder und Jugendliche lernen teils digital

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Von: Martina Ahr

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Kind sitzt vor Laptop
Homeschooling auch länderübergreifend. Man arbeitet derzeit daran, allen Kindern aus der Ukraine einen Online-Zugang zur Verfügung zu stellen. © Symbolbild: Bildagentur PantherMedia / maximkabb (YAYMicro)

Kempten - Wie viele Geflüchtete hat Kempten bereits aufgenommen? Wo kommen sie unter? Im Jugendhilfeausschuss gab es einen Bericht mit Fokus auf die jüngeren Flüchtlinge.

Der Krieg in der Ukraine hat deutliche Fluchtbewegungen ausgelöst. Das sei auch in Kempten bemerkbar, berichtet Thomas Baier-Regnery, Referatsleiter Jugend, Schule und Soziales, im Jugendhilfeausschuss. Aktuell sind rund 690 Menschen in Kempten angekommen, die meisten davon Frauen und Kinder. Bislang sind darunter nur wenige unbegleitete Minderjährige. Das Jugendamt nimmt diese Kinder in Obhut; häufig gibt es Bevollmächtigte und die Eltern sind noch in der Ukraine erreichbar.

Inzwischen habe es auch erste Zuweisungen gegeben, so Baier-Regnery. „Wir wissen nicht, wie regelmäßig und häufig wir diese Zuweisungen haben. Es ist ein relativ knapper Zeitrahmen. Wir sind aber vorbereitet, den Anforderungen gerecht zu werden.“ Bayern rechne mit insgesamt 100.000 ukrainischen Geflüchteten, auf Kempten kämen wohl rund 1.000 Personen zu.

Ein erster Schritt ist die Unterbringung, dafür stehen mehrere Möglichkeiten zur kurzfristigen Unterkunft zur Verfügung –
in der Dreifachturnhalle, des Berufsschulzentrums und in den Sporthallen des Allgäu-Gymnasiums. Mit Corona infizierte
Geflüchtete kommen derzeit in der Sporthalle am Königsplatz unter.

An zusätzlichen Unterkünften arbeite die Stadt „mit Hochdruck“. Die breite Unterstützung aus der Bevölkerung sei dabei hilfreich, es haben einige Menschen eine private Unterkunft zur Verfügung gestellt.

Es sei aber auch wichtig, so Baier-Regnery auf Nachfrage von Stadträtin Erna-Kathrein Groll, die Geflüchteten vor Übergriffen zu schützen. „Wir vermitteln keine Frau an alleinstehende Männer.“ Er wolle keine missbräuchlichen Abhängigkeitsverhältnisse begünstigen. Kinder und Frauen gerieten in Kriegssituationen schnell in solche – denn nicht hinter jedem Helfer stehe eine helfende Motivation.

Neue Willkommensgruppen

Eine Notunterkunft alleine sei nicht ausreichend. „Man sieht den Menschen, die ankommen, die Strapazen an.“ Jede Flucht ist traumatisch, davon müsse man ausgehen, deshalb sei es auch notwendig, schulpsychologische Hilfe anzubieten. Gerade für die Kinder und Jugendliche stehe deshalb im Vordergrund, so schnell wie möglich einen Kita- bzw. Schulbesuch zu ermöglichen und so die Fluchterfahrung aufzufangen und „zumindest etwas Normalität“ zu bieten.

Betreuungs- und Spielangebote, eine „Willkommenskita“, sollen in dieser ersten Phase helfen und die zusätzliche Belastung der Betreuungseinrichtungen abfangen. „Unsere Grundhaltung: Ukrainische Kinder sind herzlich willkommen in unseren Einrichtungen“, sagt Baier-Regnery. Er schiebt ein großes „Aber“ nach: „Wir haben derzeit wegen des Fachkräftemangels eine angespannte Lage und nicht ausreichende Kapazitäten.“ Ukrainische Kinder müssen, genauso wie alle anderen Kinder, erst auf die Warteliste.

In den Schulen sind pädagogische Willkommensgruppen eingerichtet worden, zunächst an der städtischen Realschule, weitere Schulen folgen, in denen die Kinder und Jugendlichen schultyp- und jahrgangsübergreifend betreut werden. Etwa zehn dieser Gruppen seien geplant. Ziel sei auch, auf diesem Weg einen Ort für erste Sprachvermittlung zu schaffen.

Da in solchen Klassen andere formale Anforderungen gelten, können hier auch ukrainische Geflüchtete mit pädagogischer Berufserfahrung eingesetzt werden. Normalerweise sei der Anerkennungsprozess von Berufsabschlüssen komplex und langwierig. Hier könne man „unbürokratisch und pragmatisch organisieren“, so Baier-Regnery. Das Schulamt sucht außerdem nach Kräften, die sich einbringen wollen (siehe www.oalike-schulamt.de).

In der Ukraine sei während der Pandemie die Digitalisierung der schulen und der Onlineunterricht stark vorangetrieben worden und funktioniere auch aktuell noch. Dies habe nun den Vorteil, dass die Jugendlichen auch von Kempten aus darauf zugreifen können. Sie brauchen dafür allerdings Internetzugang, das sei noch nicht in jeder Einrichtung gesichert. Die Kinder sollen deshalb zu bestimmten Orten eingeladen werden, um dort an ihrem Digitalunterricht teilzunehmen.

Man müsse aber aufpassen, dass Geflüchtete aus anderen Regionen der Welt nun nicht zu „Flüchtlingen zweiter Klasse“ werden, sagte Groll. Baier-Regnery stimmte dem zu. „Wir müssen sensibel mit diesen Themen umgehen, um keine Spaltung zu begünstigen“, man müsse auf auch die soziale Stimmung achten. Dem pflichtete auch OB Kiechle bei: „Mit dem Andauern des Krieges wird das auch schwieriger“, deshalb hoffe er, dass die positive Stimmung und Offenheit der Bevölkerung möglichst lange anhalte.

Lesen Sie auch: In der Kemptener Notunterkunft können die Menschen aus der Ukraine kurz verschnaufen

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