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Babenhausen verliert zum Jahresende drei Hausarzt-Sitze

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Blick auf ein weißes Haus
Die Hausarzt-Praxis in der Babenhauser Frauenstraße mit gleich drei Hausärzten wird zum Jahresende schließen. Die Verhandlungen zur Übernahme durch das Krumbacher MVZ wurden am vergangenen Dienstag abgebrochen. © Tom Otto

Unterallgäu/Babenhausen - Was bereits seit Jahren als Gefahr am medizinischen Versorgungshimmel erkennbar war, hat sich nun in Babenhausen als scheinbar plötzliches Gewitter entladen: Gleich drei Hausarztsitze der Doktoren Roth-Kreutzer, Wiehrer-Bauer und Bauer in der Frauenstraße 4 werden offiziell zum Jahresende schließen. Für den Fuggermarkt sei das „ein Riesenproblem“, so Babenhausens Bürgermeister Otto Göppel.

Dabei sah es den Sommer über gar nicht so schlecht aus, eine Nachfolgeregelung zu finden. Die Verhandlungen mit dem MVZ in Krumbach waren schon weit fortgeschritten; dem Vernehmen nach gab es sogar bereits eine mündliche Zusage von dort. Am vergangenen Dienstag kam dann jedoch die offizielle Absage. Nicht nur für Babenhausen bedeutet die Entwicklung eine ernst zu nehmende ärztliche Versorgungslücke. Immerhin werden die drei wegfallenden Hausarztsitze nicht nur die Babenhauser Bürger betreffen. Aus dem Fuggermarkt werden insgesamt etwa 15.000 bis 17.000 Menschen versorgt. Schon jetzt sind in Memmingen und dem westlichen Unterallgäu vierzehn Hausarztpraxen unbesetzt. In wenigen Wochen werden es nun also siebzehn unbesetzte Hausarztpraxen sein. Umso höher wird die Arbeitsbelastung der Ärzte und des Personals in den verbleibenden Praxen sein.

Ernste Versorgungslücke

Nach Angaben von Dr. Wolfgang Schinkel von der hausärztlichen Gemeinschaftspraxis Heimertingen müsse man bei jedem Hausarztsitz von mindestens 1.000 regelmäßigen Patienten mit mindestens einem Arztbesuch pro Quartal ausgehen. Hinzu kommen noch die unregelmäßigen Besucher, die keine chronischen Beschwerden haben. Zur Ermittlung des notwendigen Versorgungsgrades der bayerischen Kassenärztlichen Vereinigung (KVB) wird eine Versorgung von etwas über 1.600 Menschen zu Grunde gelegt. Eine Zahl, die nach Einschätzung von Landrat Alex Eder den tatsächlichen Bedarf im Unterallgäu und Memmingen nur unzureichend abdeckt. Er verweist auf die Randlage der Versorgungsgebiete Memmingen-Süd und –Nord, in dem auch Babenhausen liegt. Aus den württembergischen Landkreisen kämen zahlreiche Patienten ins Unterallgäu und nach Memmingen.

Entspannung nicht in Sicht

Die Situation wird sich auch in Zukunft nicht entspannen: Im Versorgungsgebiet Memmingen-Nord, also auch in Babenhausen, sind nach Angaben des Versorgungsatlas der KVB aktuell schon etwa 40 Prozent der noch praktizierenden Hausärzte über 60 Jahre alt. Dr. Schinkel aus Heimertingen bestätigt die Zahlen. Er verweist darauf, dass die „Steuerungs-Werkzeuge“, um ärztlichen Nachwuchs zu finden und zu binden, langen Atem brauchen. Wenn beispielsweise Medizin-Studienplätze für eine Zusage, später in eine Hausarztpraxis auf dem Land zu gehen, vergeben werden, könne das frühestens in zwölf Jahren wirken. Auch Landrat Eder sieht das skeptisch: Es gebe zwar „Tools“, die der Politik zur Verfügung stünden, sie seien aber sehr weich und ohne Erfolgsgarantie, „letztlich regelt das dann alles wieder der Markt“, so Alex Eder.

Schon 2014, als das MVZ in Babenhausen schloss, musste sich die Gemeinde mit dem absehbaren Hausarzt-Mangel beschäftigen. Verbesserungen wurden damals schon diskutiert, konnten aber an der aktuellen Entwicklung nichts verändern. Über die Gründe für den Mangel an Hausärzten auf dem Land sowie über ein neues Steuerungsinstrument berichten wir im zweiten Teil zu diesem wichtigen Thema in der nächsten Ausgabe. (Tom Otto)

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