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„Erinnerungsort Bahnhof Fellheim“ feierlich eröffnet

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Von: Tom Otto

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Mann legt Blumen vor Skulptur ab Leute schauen zu
Initiator und Projektträger Albrecht Schwedass schmückte die von Agnes Keil und Peter Heel geschaffene neue Gedenk-Skulptur mit Blumen. © Tom Otto

Fellheim - Der alte und nicht mehr genutzte Bahnhof in Fellheim wurde am vergangenen Mittwoch offiziell als Teil der deutschen Erinnerungskultur der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Denkmal Bahnhof Fellheim war 2019 in Privathand verkauft worden. Der neue Eigentümer Albrecht Schwedass hat als private Initiative die Einrichtung des „Erinnerungsorts Bahnhof Fellheim“ angestoßen.

Bei der gut besuchten Eröffnungsfeierlichkeit wurde auch die eigens für diesen Ort geschaffene Metallskulptur enthüllt und der Allgemeinheit vorgestellt. Das Kunstwerk mit dem markanten Koffer und zwei Stelen wurde von Agnes Keil und Peter Heel geschaffen und steht nun im Außenbereich des Geländes.

Dr. Veronika Heilmannseder, Historikerin und Kuratorin des Projekts, die die wissenschaftliche Leitung übernommen hatte, zeigte ein feines Gespür an diesem besonderen Tag. Vor der offiziellen Eröffnung des Projekts bot sie den Gästen einen „Erinnerungsmarsch“ von der ehemaligen Synagoge in Fellheim zum alten Bahnhof an. Viele Besucherinnen und Besucher ließen sich darauf ein und konnten sich der beklemmenden Atmosphäre auf dem Weg zum ehemaligen „Deportationsbahnhof“ nicht entziehen.

Mit dem „Erinnerungsort Bahnhof Fellheim“ wird ein neuer Gedenkort für Menschen, die durch das NS-Regime verschleppt und ermordet wurden, geschaffen. Er weist auch auf geflüchtete Personen hin, die ihre Heimat Fellheim wegen nationalsozialistischer Verfolgungen verließen und emigrierten. Ein wichtiges Stück schwäbischer und bayerischer Geschichte wird hier greifbar. Kuratorin Heilmannseder ließ die Zeit durch sehr konkrete Schilderungen der damaligen Personen und Zustände wieder nahezu lebendig werden. Die über die noch genutzte Bahnstrecke am Fellheimer Bahnhof vorbeifahrenden Züge waren zwar nicht von der Reichsbahn, doch sorgten auch sie für ein gespenstisches Szenarium Der historische Bahnhof Fellheim an der früheren Illerbahn von Kempten nach Ulm war Ausgangspunkt für zwei Gruppendeportationen von jüdischen Personen aus Memmingen und Fellheim im Jahr 1942. Dabei begann für 37 Menschen über den Bahnhof Fellheim die Fahrt in nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager im Osten. Fünf Männer, die mit nicht-jüdischen Frauen verheiratet waren und in Fellheim ghettoisiert wurden, wurden 1944 und 1945 von dort nach Theresienstadt verbracht.

Weitere historische Forschungen zur jüdischen Geschichte Schwabens wurden hier angestoßen und sollen künftig am alten Bahnhof verortet werden. Zukünftige Ergebnisse fließen dann auch in eine neue Station „Bahnhof“ des kulturhistorischen Geschichtswegs durch das ehemals jüdisch-christliche „Doppeldorf Fellheim“ ein. Das schwabenweit einzigartige Projekt wurde bereits als Teil des nationalen Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ ausgewählt und bekam durch den bayerischen Antisemitismusbeauftragten Dr. Ludwig Spänle landesweiten Vorbildcharakter attestiert.

Die Feier wurde mit einfühlsamer Musik von Klarinettist Helmut Eisel und dem schweizerischen Streichquartett „casalQuartett“ umrahmt. Schirmherr des „Erinnerungsorts Bahnhof Fellheim“ ist Staatsminister a.D. Josef Miller (Memmingen). Gefördert wird das Projekt vom bayerischen Kultusministerium, vom europäischen LEADER-Programm, dem Landratsamt Unterallgäu, vom Bezirk Schwaben und von der Stadt Memmingen sowie vom Verein Cultura Kulturveranstaltungen e.V.

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