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Gedenken an die Novemberpogrome in Memmingen

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Plakate weisen auf Ausstellung VerVolkt hin
Noch bis zum 23. Januar 2022 zeigt das Memminger Stadtmuseum im Hermansbau die Sonderausstellung „Vervolkt“. © Kirstin Köllner

Memmingen - Am Dienstag, 9. November, findet anlässlich des Gedenkens an die Reichspogromnacht von 1938 wieder eine Gedenkstunde an der Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge Memmingen am Schweizerberg statt. Diese beginnt um 18.30 Uhr.

Alljährlich erinnert auch die Stadt Memmingen in einer Gedenkstunde an die Gräuel der Pogromnacht vom 9. November 1938, die von den Nationalsozialisten und ihren Anhängern verharmlosend auch als „Reichskristallnacht“ bezeichnet wurde. Dieser eher harmlos wirkende Begriff täuscht allerdings darüber hinweg, dass in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 nicht nur Glasscheiben zu Bruch gingen beziehungsweise systematisch zerstört wurden, sondern schätzungsweise auch rund 1.500 Menschen ums Leben kamen.

Die Pogromnacht läutete im III. Reich den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden ab 1933 hin zu ihrer systematischen Vertreibung ein und ist für viele Geschichtsforscher eine Vorstufe zu dem drei Jahre später beginnenden Holocaust mit dem Ziel der vollständigen Vernichtung der Juden in Deutschland und Europa.

Auch durch Memmingen zogen 1938 Nationalsozialisten, plünderten und zerstörten Wohnungen und griffen jüdische Mitbürger an. Die Synagoge am Schweizerberg wurde dabei ebenfalls zerstört. Daran erinnert die Gedenkstunde „Gegen das Vergessen“ am Dienstag, 9. November, ab 18.30 Uhr, die Ansprache hält in diesem Jahr der ehemalige ärztliche Direktor des Bezirkskrankenhauses, Prof. Dr. Michael von Cranach, Grußworte spricht Oberbürgermeister Manfred Schilder, musikalisch untermalt wird die Gedenkfeier von Klezmerklängen mit Günter Schwanghart (Ottobeuren).

Im Anschluss sind alle Interessierten in die Bismarckschule eingeladen, wo Schülerbeiträge ausgestellt sind, die sich mit dem Thema Nationalsozialismus und den Bezug zur heutigen Situation auseinandersetzen.

Ebenfalls an diesem Gedenktag finden Führungen im Stadtmuseum Memmingen statt. Um 11 und 14 Uhr führt die stellvertretende Heimatpflegerin Sabine Streck durch den Hermansbau. Sie führt interessierte Besucher dabei durch die Dauerausstellung „Jüdisches Leben in Memmingen“ und die aktuelle Sonderausstellung „Vervolkt – dieses Projekt kann Spuren von Nazis enthalten“– kostenfrei für alle. Auch der jüdische Friedhof Memmingen wird von 14 bis 16 Uhr geöffnet sein. Männer werden gebeten, auf dem Friedhofsgelände eine Kopfbedenkung zu tragen.

Wie vielfältig jüdisches Leben vor der zwangsweisen Vertreibung in der ehemaligen Reichsstadt war, lässt sich in der Dauerausstellung des Stadtmuseums nachvollziehen. Die Sonderausstellung „Vervolkt“, die im Rahmen des Jubiläumsjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ stattfindet, widmet sich dem Erinnern an die Opfer und Verfolgten des NS-Regimes in Memmingen und dem Allgäu, sowie rechtsradikalen Tendenzen heute.

Um eine Anmeldung zu den Führungen im Stadtmuseum Memmingen wird gebeten, entweder telefonisch unter 08331/850134 oder unter stadtmuseum@memmingen.de. Besucher werden darum gebeten zu beachten, dass im Museum die Corona-Schutzmaßnahmen sowie die 3G-Regelung (getestet, geimpft, genesen) zu befolgen sind.

Eine Anmeldung für den Besuch des jüdischen Friedhofes (Am Judenfriedhof, Memmingen) ist nicht notwendig.

Weitere Informationen rund um einen Besuch und die Ausstellungen im Stadtmuseum Memmingen finden sich auf der Website Stadtmuseum Memmingen - | Stadtmuseum Memmingen (zeitmaschine-stadtmuseum-mm.de). (MK)

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