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Landgericht Memmingen: Prozess um gewaltsamen Tod einer 16-jährigen hinter verschlossenen Türen

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Von: Klaus D. Treude

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Landgericht Memmingen Mordprozess Hanna W.: Die Angeklagten Angelina A. und Denis G.
Die Aktenordner vorm Gesicht werden die beiden Angeklagten im weiteren Prozessverlauf nicht mehr brauchen, da die Verhandlung künftig nicht-öffentlich geführt wird. © Klaus D. Treude

Memmingen – Der zweite Verhandlungstag im Prozess gegen die 16-jährige Angelina A. und den 26-jährigen Denis G. wegen gemeinschaftlichen Mordes an der 16-jährigen Hannah W. am 14. November des vergangenen Jahres südlich des Memminger Flughafens war für die anwesenden Zuschauer und Medienvertreter unerwartet schnell zu Ende.

Die 5. Strafkammer des Landgerichts Memmingen als Jugendkammer unter Vorsitz des Vorsitzenden Richters Thomas Hörmann folgte nach kurzer Beratung dem Antrag eines Verteidigers der Angeklagten, der zum Schutz seiner Mandantin den Ausschluss der Öffentlichkeit einschließlich der Medienvertreter von allen Verhandlungstagen gefordert hatte. Auch die für den 8. Dezember 2022 vorgesehene Urteilsverkündung solle nicht-öffentlich erfolgen. Einen phasenweisen Ausschluss hielt das Gericht für nicht sinnvoll. Staatsanwaltschaft, Nebenklage und die Verteidigung des zweiten Angeklagten lehnten den Antrag nicht ab.

Deutschlandweit für Aufsehen gesorgt: Großes öffentliches Interesse am Mordprozess

Das öffentliche Interesse an dem Prozess, der deutschlandweit für Aufsehen gesorgt hatte, war wie am ersten Verhandlungstag vor zweieinhalb Wochen auch am zweiten Verhandlungstag am vergangenen Donnerstag ausgesprochen groß. Im Zuschauer- und Presseraum waren nur wenige Plätze frei geblieben. Erwartet wurden an diesem Tag erste Vernehmungen und Anhörungen.

Der Prozess begann mit einer halbstündigen Verspätung, da das Fahrzeug mit der Angeklagten, die zwischenzeitlich in eine andere Justizvollzugsanstalt mit psychiatrischer Abteilung verlegt worden war, im morgendlichen Straßenverkehr steckengeblieben war. Beide Angeklagten nahmen im Gerichtssaal auf den Plätzen vor ihren Verteidigern Platz, wobei sie ihre Gesichter mit aufgeklappten Aktenordnern schützten, solange der Richter Foto- und Filmaufnahmen zuließ.

Während der Angeklagte im weiteren Verlauf mit unbewegter Miene Löcher in den Gerichtssaal zu starren schien, saß die Angeklagte meist mit gesenktem Kopf auf ihrem Platz. Ab und an allerdings hob sie den Kopf und schaute mit traurigem Blick die Menschen im Saal an. Zumindest in dieser ersten, noch öffentlichen Phase der Verhandlung suchten die Angeklagten weder mit Blicken noch Worten Kontakt zueinander.

Zum Schutz der minderjährigen Angeklagten

Begründet wurde der Ausschluss der Öffentlichkeit und der Medien mit dem Schutz der minderjährigen Angeklagten, der nach Auffassung des Gerichts höher wiegt, als das öffentliche Interesse und die Pressefreiheit – auch wenn die Schwere der Tat erheblich sei.

Die Angeklagte leidet in der Untersuchungshaft zunehmend unter posttraumatischen Belastungsstörungen, wie mehrere Gutachten belegen. Auch der als Sachverständiger in der Verhandlung anwesende Kinder- und Jugendpsychiater bestätigte diese Einschätzung. Wegen der begangenen Straftat mache sie sich Vorwürfe und neige zu Selbstverletzungen, weswegen sie in einer Monitorzelle mit ständiger Beobachtung untergebracht sei.

Es gelte, der jungen Frau einen „Schutzraum“ zuzugestehen, um eine weitere Destabilisierung und gesundheitliche Schädigungen zu verhindern und ihr die Chance auf Erziehung und eine weitere persönliche Entwicklung zu gewähren. Ein öffentliches Verfahren mit einhergehender umfassender medialer Berichterstattung könne zu einer Stigmatisierung der Angeklagten führen. Ihre spätere Identifizierbarkeit werde begünstigt. Außerdem könnte ein öffentlich geführtes Verfahren die Wahrheitsfindung behindern, da das Kommunikationsverhalten gehemmt werden könne, hieß es zur Begründung für den nun erfolgten Ausschluss der Öffentlichkeit.

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