Viele bunt gekleidete Menschen auf einer Bühne
+
Beim LTS-Theaterfest durfte erstmals wieder das gesamte Ensemble gemeinsam auf der Bühne stehen. Die Vorfreude auf die neue Spielzeit war allen deutlich anzumerken.

Mit „Reset now!“ in die neue Spielzeit

Memmingen: Theaterfest am Landestheater Schwaben

Memmingen - Mit dem Theaterfest am vergangenen Wochenende wollte das Team des Landestheaters Schwaben (LTS) das Publikum auf die neue Saison einstimmen. Mit einem Potpourri aus Szenen vieler Stücke und dazugehörigen Liedern der neuen Spielzeit begeisterte das Ensemble die Zuschauerinnen und Zuschauer. Trotz freien Eintritts war die Nachfrage der Besucher jedoch nicht so hoch wie erwartet, so dass nur eine statt der ursprünglich zwei geplanten Vorstellungen gezeigt wurde.

Für das Ensemble war es dennoch ein besonderer Abend: Es war das erste Mal seit über einem Jahr, dass wieder alle Künstlerinnen und Künstler gemeinsam auf der Bühne sein durften. Auch wenn einige der gezeigten Szenen nicht unbedingt leichte Kost waren, konnte man dem Ensemble die Freude am Spiel anmerken. Schwere Kost wurde jedoch nicht geboten, es war eher ein deutlich politisch geprägter Querschnitt durch das Programm der neuen Spielzeit. Und manche der Themen mit hoher Aktualität, die geboten wurden, gehen eben wie in dem Stück „Lampedusa“ aufs Gemüt. Der in einem der Lieder aufgegriffene Gedanke „Nur wenn Du Geld hast, ist alles gut!“ stimmt eben doch nicht immer. Jedenfalls für Menschen, denen Werte wie Humanität und Solidarität etwas bedeuten.

Blick in die Zukunft

Auch andere Szenen und Lieder greifen die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung auf. In „Zitronen, Zitronen, Zitronen“ gibt es einen düsteren Blick in die Zukunft, in der die Redefreiheit der Menschen stark beschränkt wird. Im Lied von Bodo Wartke „Das Land, in dem ich leben will“ wird den jetzigen politischen Zuständen in unserer Gesellschaft deutlich die „rote Karte“ gezeigt und auf ein menschlicheres Zusammenleben gesetzt.

Toleranz stärken

Schon bei der Programmvorstellung Ende August wies Intendantin Dr. Kathrin Mädler auf die „Kitt“-Potenziale des Programms hin. Das Programm könne dabei helfen, die soziale Spaltung nicht zuzulassen und die Toleranz gegenüber verschiedenen Haltungen zu stärken. Das gesamte Ensemble nehme diese Aufgabe „mit politischem Kopf und immer offenem Herzen“ an. Ihre Überzeugung „Theater glaubt immer an die Menschen“ brachte Mädler auch bei der Verabschiedung des Publikums deutlich zum Ausdruck: „Der Mensch ist zu Liebe und Veränderlichkeit fähig“. Das Programm der neuen Spielzeit solle diesen Leitsatz der Memminger Theatermacher/innen transportieren. Mädler bat dann auch am Ende das Publikum, herum zu erzählen: „Man kann wieder ins Theater gehen!“

Anstecken und Begeistern

Auch wenn die kommende Spielzeit die letzte für die scheidende Intendantin ist, könnte ihr das „Anstecken und Begeistern“ mit dem neuen Spielplan und ihrem engagierten Ensemble gut gelingen. Von den dreizehn neuen Stücken sind alleine fünf Uraufführungen geplant. Die erste startet am 30. September mit der Bühnenadaption des erfolgreichen Spielfilms „Wackersdorf“ von Oliver Haffner. Dem LTS darf man wünschen, dass auch das Große Haus bald wieder üppiger gefüllt sein darf, das Gemeinschaftsgefühl im Publikum ist eben doch ein wichtiger Faktor des „Theater-Erlebnisses“. (Tom Otto)

Quelle: Kurier

Auch interessant

Kommentare