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Stadt der Freiheitsrechte: Lesung von Bundespräsidenten a.D. Joachim Gauck in Memmingen

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Memmingen: Bundespräsident a.D. Joachim Gauck sprach in der Martinskirche.
Bundespräsident a.D. Joachim Gauck sprach in der Martinskirche. © Alexandra Wehr

Memmingen - „Die schönste Form der Freiheit ist, Verantwortung zu leben“, erklärte Bundespräsident a.D. Joachim Gauck bei einer Lesung aus seinem Buch „Toleranz: einfach schwer“ in der gut gefüllten Martinskirche. Rund 650 Besucherinnen und Besucher hörten seinen Vortrag über Toleranz als unverzichtbare Grundhaltung in einer Demokratie, teilte die Stadt in einer Pressemitteilung mit.

Oberbürgermeister Manfred Schilder hieß den früheren Bundespräsidenten in der Stadt der Freiheitsrechte herzlich willkommen. Vor der Lesung trug sich Joachim Gauck in der Kramerzunft ins Goldene Buch der Stadt ein. „Ich bin ein Liebhaber der Freiheit und bin eingeladen in eine Stadt der Freiheit“, erklärte Bundespräsident a. D. Joachim Gauck in der Kramerzunft. „Wenn es in der Politik die Dimension des Heiligen gäbe, wäre dies ein heiliger Ort der deutschen Demokratie­geschichte“, betonte Gauck mit Blick auf die Kramerzunft als Versammlungsort der Bauern und der Niederschrift der Zwölf Artikel im Jahr 1525. Ehrenbürger Herbert Müller erläuterte die historische Dimension der Ereignisse von 1525.

Er reise gerne in den Süden und den Südwesten Deutschlands, erklärte Gauck beim Eintrag ins Goldene Buch. „Ich hatte immer das Gefühl, hier beheimatet mich etwas, der Bürgersinn, die lebendige Zivilgesellschaft mit so vielen Vereinen und stabilen Netzwerken. Ich sage Ihnen, so etwas ist nicht selbstverständlich. So etwas wächst in Freiheit.“

Als Kind musste Gauck erleben, dass der Vater willkürlich abgeholt wurde und für Jahre spurlos verschwand, erzählte Joachim Gauck in seinem Vortrag. Der Vater war, ohne dass die Familie eine Information bekommen hätte, in ein sibirisches Arbeitslager gebracht worden. Gauck habe früh eine ablehnende Haltung gegenüber dem SED-Regime verinnerlicht, erzählte er. Menschenwürde, Recht, Verantwortung und Toleranz seien als Begriffe in seiner Familie nicht verwendet worden, aber als Haltung vermittelt. In seinem Buch „Toleranz: einfach schwer“ steht Joachim Gauck für eine kämpferische Toleranz ein und ermutigte zur politischen Debatte. „Dieses Land muss aufwachen aus der Wohlstandssicherheit“, betonte er und las aus dem Schlusskapitel seines Buches: „Würde, Unversehrtheit, Freiheit und Recht. Es wird sich immer und immer wieder lohnen, dafür zu streiten mit Verantwortungs­bewusstsein, mit Mut und mit kämpferischer Toleranz.“

In manchen Situationen gebe es allerdings auch eine Pflicht zur Intoleranz, betonte Gauck. Als Beispiel führte er Russland in seinem Krieg gegen die Ukraine an. „Es gibt ganz klar einen Täter, der Schritt für Schritt Gebiete besetzt hat“, betonte Gauck. Mit Blick auf die Ukraine erklärte er: „Wir müssten eigentlich mit ihnen kämpfen gegen ihre Unterdrücker, aber dann müssten wir fürchten wieder einen Weltkrieg zu haben und das will kein Staat in Europa. Also müssen wir alles tun, um ihnen zu helfen. Wir sind an der Seite der Opfer, der Freiheit.“

(MK)

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