Das Rößle in Schlingen soll abgebrochen werden und an seiner Stelle ein Dorfgemeinschaftshaus entstehen.
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Das Rößle in Schlingen soll abgebrochen werden und an seiner Stelle ein Dorfgemeinschaftshaus entstehen.

Saal kleiner, kein Laden-Café und kein Jugendraum

Bad Wörishofer Bauamt stellt Pläne für Dorfgemeinschaftshaus Schlingen vor

  • VonOliver Sommer
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Bad Wörishofen – Der Stadtrat hat den Entwurfsplan für das neue Dorfgemeinschaftshaus in Schlingen beschlossen. Das fällt nicht nur baulich kleiner aus, auch die Kosten konnten nach Überarbeitung auf knapp 3,2 Millionen Euro reduziert werden. Kritik gab es an der vorgelegten Kostenschätzung für die Förderanträge. 

Im Juni hatte das Bauamt in der damaligen Stadtratssitzung die Architektenpläne für den Umbau des Gasthofs Rößle in Schlingen vorgestellt – seinerzeit eine Maximallösung, wie Stadtbaumeister Roland Klier gemeint hatte. Die sah zahlreiche Räume vor, unter anderem auch ein ­Café bzw. einen kleinen Ladenkiosk und einen Jugendraum. Eine, wie die meisten Stadträte seinerzeit kundtaten, gelungene Versammlungsstätte, über deren Kosten allerdings nicht in der öffentlichen Stadtratssitzung gesprochen werden sollte. Allerdings rechnete der eine oder andere Rat da schon mit vier bis fünf Millionen Euro Kosten.

Schon damals hieß es von Seiten Kliers, man befinde sich im Prozess der Zielfindung, alle Beteiligten müssten nochmals zusammenkommen und diskutieren. Das ist nun geschehen und so konnte der Stadtbaumeister einen abgespeckten Plan für den Um- bzw. Neubau des Dorfgemeinschaftshauses präsentieren. Mit Stand April 2021 hätten sich die Kosten für die Maximallösung mit Café und Jugendraum auf gut 4,38 Millionen Euro belaufen, sagte Klier. Dazu kämen noch die Kosten für den Abbruch des alten Gasthofes, die auf nicht ganz eine Viertelmillion Euro geschätzt werden.

Auf der Grundlage der damaligen Stadtratssitzung habe man einen neuen Entwurf, zusammen mit den Architekten, den Vorständen von Musik- und Schützenverein und Vertretern der Stadt ausgearbeitet, erklärte Klier den Stadträten. Der aktuelle Entwurf sehe nun vor, dass der geplante Jugendraum sowie das Ladencafe komplett wegfallen. Zudem entfalle das Stuhllager im westlichen Saalgebäude, dieses könnte an der Nordseite des Saals hinter einem Vorhang untergebracht werden. Es bestünde auch, so Klier, die Möglichkeit, die Bestuhlung über den geplanten Aufzug in den Lagerraum im Keller zu transportieren. Das Foyer wurde in der Breite eingekürzt und die Küche verkleinert. Nun sei nur noch eine Teilunterkellerung geplant, wo für die Schützen (unter dem Saalgebäude) Schießbahnen und Umkleidemöglichkeiten entstehen. Die WC-Anlagen sowie die Technik- und Lagerräume kommen unter dem Mittelbau und in dessen Verlängerung im Bereich des östlichen Baukörpers unter; davon unberührt bekommen die Musiker im Obergeschoss des östlichen Baukörpers ihre Räume.

Dort, allerdings im Erdgeschoss, sind das Stüberl, die Küche mit den dazu gehörenden Nebenräumen, der Aufzug sowie das Behinderten-WC angeordnet.

Fördergelder unklar

Die Kosten für diese Planung belaufen sich nun auf nicht ganz 3,21 Millionen Euro, so Klier. Insbesondere die Gespräche, die einige Stadträte nochmals geführt hatten, sorgten dafür, dass der eine oder andere Punkt aus der Kostenberechnung herausfallen konnte. So etwa die Jugend, für die man eine Lösung in Zusammenarbeit mit der Pfarrei gefunden habe, wie Bürgermeister Stefan Welzel ergänzte. Diese 3,2 Millionen Euro sind momentan das geschätzte obere Limit.

Dazu kommt eine Förderung, über die Klier aber nicht mehr aussagen konnte. Zeitweise war von einer Million Euro die Rede gewesen, mit der das Projekt gefördert werden könnte, sicher sind auf jeden Fall 300.000 Euro. Das Ganze im Rahmen der europäischen ELER-Förderung als Leaderprojekt laufen zu lassen, habe man verschoben, so Klier, da es derzeit aus dieser Ecke keine Fördermittel gebe. Schon jetzt ist klar, dass sich die Schlingener Vereine mit Arbeitsleistung einbringen werden: Nach Schätzungen des Architekten könnte diese Eigenleistung rund 176.000 Euro ausmachen. So setzen sich die Baukosten aus etwa 1,6 Millionen Euro für die Konstruktion und weiteren 600.000 Euro für die technischen Anlagen zusammen. Weiterhin kosten die Außenanlagen, die nach wie vor in den Plänen enthalten sind, derzeit aber nicht angegangen werden, 400.000 Euro. Nochmals 150.000 Euro entfallen auf die Ausstattung des neuen Dorfgemeinschaftshauses wie etwa die Küche, 460.000 Euro machen die Baunebenkosten aus. Die Vereine könnten sich bei den Dachdecker-, Fliesenleger und Malerarbeiten einbringen sowie bei der Baureinigung und den Bodenbelagsarbeiten.

Hatten sich die Stadträte bei der ersten Vorstellung der Maximallösung noch über die Kosten erregt, so monierten sie nun die aus ihrer Sicht recht pauschale Kostenschätzung. Zunächst fragte Konrad Hölzle nach, ob es denn ein Finanzierungsmodell gebe und ob man nicht einen Generalunternehmer beauftragen könne, um von diesem das Projekt ausführen zu lassen. Wie seinem Kollegen Christoph Hienle musste der Stadtbaumeister aber erklären, dass mit dem vorgelegten Beschlussvorschlag kein Auftrag zum Bau und schon gar nicht ein Finanzierungskonzept beschlossen werde. Es handele sich nur um die notwendige Genehmigungsplanung. Denn Hienle hatte moniert, dass ein Häuslebauer mit solchen Zahlen nie und nimmer einen Kredit von seinem Finanzinstitut bekäme. Und meinte, er selbst sei in diesem Bereich tätig und würde aufgrund der „möglichen“ Zahlen keinen Kredit vergeben. Dabei klärte Klier dem Bankangestellten, dass es sich hier eben nicht um ein Finanzierungsmodell handele und im Gegensatz zum privaten Häuslebauer im öffentlichen Bereich die Kostenschätzung nötig sei für die Beantragung der Fördergelder. Erst, wenn diese Planungen genehmigt seien, könne man beim Amt für Ländliche Entwicklung oder der Regierung die Anträge stellen. Das gilt in gleicher Weise auch für die möglichen Fördergelder, die die Vereine oder die Kirche beantragen können.

3,21 Millionen Euro Kosten im „Worst-Case“

Mit Blick auf die Zahlen meinte Klier, dass die geschätzten Kosten (jene 3,21 Millionen Euro) das Maximum darstellten, kleiner gehe es nicht mehr. Wieviel aber dann gefördert werde, könne man eben erst sagen, wenn die Anträge gestellt würden. Eine Formulierung, die Hienle sichtbar nicht „schmeckte“. Um die Wogen zu glätten, versuchte auch Daniel Pflügl das Vorgehen bzw. den Ablauf zu erklären: „Es werden Zuschüsse kommen. Aber wir wissen nicht, wieviel“. Man habe mit den 3,21 Millionen quasi das Worst-Case-Szenario, sollten Fördermittel ausbleiben. Wobei sowohl Bürgermeister Stefan Welzel wie der in Baufragen beschlagenen Stadtrat Josef Kunder anmerkten, dass man ohnehin die wirklichen Kosten nur ungefähr abschätzen könne. Denn angesichts der aktuellen Teuerung könnten die Arbeiten im Laufe der Zeit sehr wohl teurer werden. Dennoch brauche es einen Plan für die Kosten, damit man beginnen könne. Schließlich musste sogar Wolfgang Tröber, der vor Ort mit den Vereinen im Gespräch ist und dort koordiniert, dem Stadtrat das Prozedere erklären: „Ohne genehmigten Plan“, so Tröber, „können wir keine Förderung beantragen“. Und auch er betonte, dass die 300.000 Euro das untere Limit der Zuschüsse seien und man auch die Eigenleistung der Vereine nicht vergessen dürfe. Aussagen, die dem Schlingener Applaus der anwesenden Bürger einbrachten.

Nach einer weiteren Diskussion forderte Bürgermeister Welzel ein Bekenntnis zur Dorfmitte von Schlingen. Es gehe ja nicht nur um das Dorfgemeinschaftshaus und man mache das alles nicht aus Jux, die vorgelegten Pläne seien die beste Lösung. Und eben die Grundlage für die Finanzierung, über die die Stadträte ohnehin noch abstimmen müssen. In der Abstimmung über die Genehmigungsplanung mit Kosten von 3,207 Millionen Euro votierten schließlich alle Räte dafür. Nun können die Planungen in die nächste Runde gehen.

Quelle: Kurier

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