Beim BNI-Treffen in Bad Wörishofen
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Beim BNI-Treffen in Bad Wörishofen (v. links): Christian Wismach, Wolfgang Stefan Weber, Susanne Hasl, Dr. Peter Siffl, Marcus Jackscha, Roland Fischer, Martina Mayer-Lauingen, Patrick Rösch und Katrin Rohde.

Wie Empfehlungsmarketing Spaß macht und die Mitglieder auch persönlich weiterbringt

BNI – Die bunte Netzwerk-Truppe aus Bad Wörishofen

Bad Wörishofen – Es ist sieben Uhr morgens: Für manchen eine unchristliche Zeit, um schon fröhliche Gespräche zu führen. Nicht so für die Mitglieder des Unternehmernetzwerkes BNI ­DOMITIUS, die sich immer dienstags zum Austausch im Café Sonnengarten in Bad Wörishofen treffen. 

Dort stärken sie sich zunächst mit einem reichhaltigen Frühstück vom hotelinternen Buffet und machen ein wenig Smalltalk, bevor es um den eigentlichen Zweck der regelmäßigen Zusammenkünfte geht: Netzwerken durch Empfehlungsmarketing. Oder landläufiger ausgedrückt: Unternehmer A empfiehlt Unternehmer B an Personen und andere Unternehmer weiter, die auf der Suche nach Profis für bestimmte Dienstleistungen und Gewerke sind. Klingt nach klassischer Vetternwirtschaft, ist es aber nicht. Denn man schachert sich nicht einfach Aufträge zu, sondern bildet sich gemeinsam fort, spiegelt einander und lernt sich durch die engmaschige Betreuung gut kennen. Nur so können die Mitglieder einander mit gutem Gewissen weiterempfehlen.

Ein kunterbunter Haufen

Derzeit besteht das Team in Bad Wörishofen, das im Fachjargon „Chapter“ genannt wird, aus zwölf Mitgliedern, die verschiedenste Branchen vertreten. Vom Versicherungsmakler bis zum KFZ-Betrieb ist alles dabei. Die wöchentlichen Treffen sind klar strukturiert: Chapterdirektor Dr. Peter Siffl erläutert Besuchern und Gästen zu Beginn des Treffens die Philosophie des Unternehmernetzwerkes. So erfahren wir, dass es weltweit 250.000 BNI-Mitglieder gibt, jährlich 11,5 Millionen Empfehlungen ausgesprochen werden und durch das Netzwerken ein Geschäftsvolumen von 13,7 Milliarden Euro jährlich erwirtschaftet wurde. Das Wörishofer Chapter DOMITIUS hat in den vergangenen zwölf Monaten 744.948 Euro zusätzlichen Umsatz für seine Mitglieder erzielt. Im Schnitt erhöhen Mitglieder im ersten Jahr ihren Umsatz um 20 Prozent. In jedem Chapter gibt es jeweils nur einen Vertreter eines Fachgebiets, um Konkurrenzsituationen zu vermeiden.

Nach der Einführung durch den Chapterdirektor erzählt Künstlerin Martina Mayer-Lauingen aus Ettringen eine selbst erdachte Geschichte zum Thema Motivation und hat dazu entsprechende Zeichnungen angefertigt, die für Erheiterung sorgen. Dann übernimmt der Mitgliederkoordinator, derzeit Marcus Jaschka, das Wort. Er lässt den vergangenen Geschäftsmonat Revue passieren und kürt den Netzwerker des Monats, also das Mitglied, das im Chapter das größte Engagement eingebracht hat; sei es die meisten Besucher oder die meisten Empfehlungen oder ein anderes herausragendes Engagement.

Susanne Hasl, Chapter-Schatzmeisterin spricht über die Aufnahme neuer Mitglieder und anstehende Verlängerungen. Die Mitgliedschaft kann jährlich verlängert werden.

Im Anschluss stellt sich jedes Mitglied persönlich in einer Kurzpräsentation vor. So lernen wir eine Hand voller Unternehmer aus dem Unterallgäu und benachbarten Landkreisen kennen: Stress-und Gesundheitsmanager Dr. Peter Siffl, Roland Fischer, der mit seinem Finanzunternehmen für die finanzielle Gesundheit sorgt, Susanne Hasl und ihr IT- und Netzwerkunternehmen, Versicherungsmakler Benjamin Adelwarth, Fotografenmeisterin Katrin Rohde, Künstlerin Martina Mayer-Lauingen, Druck- und Werbezentrum-Inhaber Marcus Jackscha, Steuerberaterin Ulrike Leins und Businesscoach Frank Meinert werden von selbsterwählten Gästen vertreten, und zuletzt KFZ-Meister Patrick Rösch, der die Mitglieder dem sonnigen Morgen zum Trotze daran erinnert, rechtzeitig einen Termin zum Reifenwechseln zu vereinbaren. Ein paar Mitglieder und Gäste waren online zugeschaltet, unter anderem Finanzierungsvermittler Timo Leiska.

Am Ende gibt es einen Oscar für die besten Kurzpräsentation. Diesmal geht die Trophäe an Versicherungsmakler ­Benjamin Adelwarth, der die Beliebtheit von Versicherungsmaklern selbst­ironisch mit einem Herpes verglich und dabei für einen kollektiven Lacher in der Runde sorgte. Lachen ist überhaupt ein gutes Stichwort, denn das tun alle BNI-Mitglieder gern und viel. Das Chapter in Bad Wörishofen ist stets auf der Suche nach neuen Kollegen für einzelne Dienstleistungen und Gewerke. Wer Interesse hat, kann einfach mal auf der Facebook-Seite vorbeigucken.

Klischees und was dahintersteckt

Da Netzwerke wie das BNI von außen manchmal skeptisch beäugt werden, konfrontiert der Wochen KURIER das Team mit den gängigsten Vorurteilen. Eines davon ist, dass derartige Gruppen auf den ersten Blick an die Organisation einer Sekte erinnern. Dieser Eindruck ist den Mitgliedern nicht neu. Martina Mayer-Lauingen vermutet, dass dies an den klaren Regeln liegt, die alle Mitglieder einhalten müssen. Aber genau diese Regeln seien es, die dem Chapter den Rahmen gäben und ohne die es – wie in anderen Organisationen auch – nicht funktionieren würde. Das zweite Klischee ist, dass sich die Mitglieder in ihrem eigenen Erfolg suhlen und den Bezug zur Außenwelt verlieren. Ein Mitglied, das online zugeschaltet ist, gibt ehrlich zu, dass man sich natürlich auch selbst und seine Erfolge feiert, aber das gehöre dazu. Ein anderes Mitglied vergleicht die wöchentlichen Treffen mit einem Stammtisch, wo nichts anderes passiere: Empfehlungen durch Mundpropaganda. Dies kann Martina Mayer-Lauingen bestätigen, denn sie war als Künstlerin weitgehend unbekannt und hat durch das BNI wertvolle Kontakte geknüpft. Auch habe sie sich im Austausch mit den anderen inspirieren lassen und neue Ideen entwickelt.

Auf die Frage, was denn für jeden Einzelnen unabhängig vom finanziellen Erfolg die Motivation sei, Mitglied des Netzwerkes zu sein, sprudelte es aus jedem förmlich heraus.

Man fühle sich menschlich abgeholt, es seien tolle Freundschaften entstanden und man helfe sich gegenseitig auch mal durch Krisenzeiten. So wurde zum Beispiel ein BNI-Mitglied durch Spenden unterstützt, das von der jüngsten Flutkatastrophe betroffen war. Susanne Hasl findet toll, dass sie – egal, wo sie im Urlaub ist – immer als Gast bei den BNI-Treffen im Ausland willkommen ist. So entstünden interessante Kontakte. Es wurden auch schon Gastfamilien für einen Schüleraustausch und dergleichen auf kurzem Weg vermittelt. Und in einem Punkt sind sich alle einig: Alles basiert auf dem Resonanzprinzip – wer gibt, gewinnt.

Melanie Springer-Restle

Quelle: Kurier

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