Viele gespannte Blicke richteten sich im Hillental zuletzt auf drei ­Fledermäuse und Expertin Andrea Schewe.
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Viele gespannte Blicke richteten sich im Hillental zuletzt auf drei ­Fledermäuse und Expertin Andrea Schewe.

Aufregende Fledermaus-Nacht

Bund Naturschutz mit Fledermauskundlerin im Hillental unterwegs

Mindelheim – Drei riesige Netze standen schon an Teleskopstangen neben den Weiherflächen, als sich zuletzt acht Kinder in Begleitung ihrer Eltern, mit Detektoren ausgestattet, in der Dunkelheit auf den Weg machten, das Hillental bei Nassenbeuren auf Fledermäuse zu untersuchen. Ihnen zur Seite stand dabei Fledermauskundlerin Andrea Schewe. Sie besitzt eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung und berät auch den Bund Naturschutz dabei, wie Flächen, die der Ortsgruppe Mindelheim zum Kauf angeboten wurden, für Fledermäuse besonders interessant erhalten werden können.

Andrea Schewe zeigt den Kindern die Fledermäuse aus nächster Nähe. Kurze Zeit nach dem Aufspannen gehen schon drei Tiere ins Netz. Schewe befreit sie geschwind, bevor die Netze schnell wieder eingeholt werden, um nicht mehr Tiere unnötig zu stressen. Drei Säckchen hängen von den Ästen neben dem Tisch mit Schieblehre, Waage, Bestimmungsbuch und vielen weiteren wissenschaftlichen Utensilien.

Die Blicke der Kinder wandern abwechselnd zwischen der kleinen Wasserfledermaus, die schmatzend aus Schewes Handhöhle herausschaut und dem Gesicht der Fledermauskundlerin, die das kurzzeitige Schnattern imitiert und erklärt, dass sich die Tiere in der locker geschlossenen Hand sicher fühlen und schnell beruhigen.

Sie erzählt von blauen Lippen, von ausreifenden Fingergelenken in den hautigen Flügeln der Fledertiere, vom starken Immunsystem der Tiere, von den spitzen Zähnen und unterschiedlichen Flügelformen und Jagdtechniken. Von Baumhöhlen und Dachböden, auf denen sie beruflich unterwegs ist und sich auf Spurensuche begibt, um die Tiere schützen zu können, wenn Sanierungen oder Abrisse anstehen.

Rote Liste: Fledermäuse stark gefährdet

Fast alle Fledermausarten, die in Deutschland vorkommen, können laut Bund Naturschutz in Bayern beobachtet werden. Dennoch seien die Tiere durch Habitatverlust stark gefährdet und haben so ihren Platz auf sämtlichen roten Listen gefunden. Vor allem die Ausräumung von Totholz und das Abdichten von Gebäuden machen den teilweise winzig kleinen bis überraschend großen Tieren (teils 30 Zentimeter) das Leben schwer, da sie während ihres Lebens häufig umziehen – unter anderem um Parasiten keine Chance zu bieten.

Viele gespannte Blicke richteten sich im Hillental zuletzt auf drei ­Fledermäuse und Expertin Andrea Schewe.

Vom Winterquartier geht es raus in die Wochenstuben, wo sie mehrere Wochen kopfüber ihre Jungen säugen, bevor diese draußen ihr eigenes Glück suchen. „Genau diese unerfahrenen und häufig noch schwachen Tiere sind in letzter Zeit immer häufiger gefunden und aufgelesen worden. Sie liegen erschöpft am Boden und sind für Fledermäuse untypisch, auch tagsüber sichtbar“, berichtet ­Frederik Schüttler von der BN-Ortsgruppe Mindelheim.

Auch in diesem Fall kann Andrea Schewe helfen, mit Fläschchen und spezieller Aufzuchtmilch sowie Tipps, die die Kleinen wieder zum Fliegen bringen. Auf die Frage, ob Fledermäuse vom Boden aus starten können, antwortet die Fledermauskundlerin: „Es gibt solche und solche. Das große Mausohr bespielsweise jagt bevorzugt Laufkäfer im Wald und muss daher natürlich auch vom Boden starten können. Arten mit gestrecktem Flügelprofil aber haben hier tatsächlich Schwierigkeiten, wie bei den Vögeln der Mauersegler auch.“

Nachdem alle drei Fledermäuse im Hillental gewogen und notiert sind, werden sie wieder am langen Arm in die Nacht entlassen, wo sie sich etlichen anderen anschließen, auf der Jagd nach tausenden Insekten, die sie nächtlich verzehren. Mit den Fledermausdetektoren, die die hochfrequenten Schallwellen umwandeln, kann dem Flug mit etwas Geschick noch nachgehört werden.

Andere Kinder versuchen sich derweil an der Wärmebildkamera, die per Wifi das Bild auf Tablets und Smartphones überträgt. Hier sind Wasser, Bäume und Schilf in unterschiedlichen Grautönen zu erkennen, die immer wieder von blitzschnellen weißen Punkten durchquert werden. Auch hier zeigten sich die Zuschauer begeistert von den Wasserfledermäusen, die mit ihren großen Füßen Insekten von der Wasseroberfläche keschern.

Den nächsten Besuch im Hillental hat der BN bereits terminiert. Dieser ist für den 10. Oktober im Rahmen des Unterallgäuer Wanderherbstes zum Thema „Biber“ geplant.

wk

Quelle: Kurier

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