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Bund stärkt Sprachförderung in Türkheimer Kitas – Wofür das Geld verwendet wird

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Von: Marco Tobisch

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Weil die Sprachförderung während der Corona-Lockdowns für viele Kinder zu kurz kam, fördert der Bund das Angebot in Kindertagesstätten – unter anderem in Türkheim.
Weil die Sprachförderung während der Corona-Lockdowns für viele Kinder zu kurz kam, fördert der Bund das Angebot in Kindertagesstätten – unter anderem in Türkheim. © Symbolfoto: PantherMedia/fizkes

Türkheim – Gute Nachrichten für den Markt Türkheim hatte zuletzt der Allgäuer Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke (CSU): Beide Kitas der Marktgemeinde erhalten eine Finanzspritze des Bundes aus dem Programm „Sprach-Kitas – Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“. Das Haus für Kinder St. Josef und die Kindertagesstätte St. Elisabeth bekommen für das Jahr 2022 jeweils 25.000 Euro, um die alltagsintegrierte sprachliche Bildung und inklusive Pädagogik zu fördern. Der Wochen KURIER hat in den Einrichtungen nachgefragt, wofür das Geld verwendet wird.

„Während der Pandemie mussten gerade auch die Kleinsten und ihre Familien große Einschränkungen erleben. Dabei sind sprachliche Kompetenzen eine der wichtigsten Voraussetzungen, damit Kinder erfolgreich ihren Lebens- und Bildungsweg starten können. Umso wichtiger, dass der Bund jetzt die frühkindliche Bildung fördert und das Angebot weiter ausbaut“, erklärt Stephan Stracke den Hintergrund des Programms.

Zusätzliche Unterstützung erforderlich

In den Kitas St. Elisabeth werde für die 25.000 Euro eine zusätzliche Stelle als Sprachfachkraft im neuen „Haus Gänseblümchen” geschaffen, erklärt Kita-Gesamtleiter Michael Helfert auf Nachfrage. Deren neue Aufgabe werde es sein, im Umfang von 19 Wochenstunden gruppenübergreifend Projekte zur Sprachentwicklung anzuschieben. „Das hat allerdings weniger mit Corona zu tun, als mit einem wachsenden Bedarf. Die Zahl der Kinder, die beim Spracherwerb zusätzliche Unterstützung benötigen, wächst stetig“, so Helfert. Die Förderung erhalten deshalb laut des Gesamtleiters ausschließlich Kitas mit hohem Anteil an Kindern aus Migrationsfamilien, Kindern mit besonderem Förderbedarf und/oder Kindern aus Familien, die über wenig Einkommen verfügen.

Auch im Haus für Kinder St. Josef freut man sich über die zusätzlichen Fördergelder. Und hier sieht Stellvertretende Leiterin Christina Telci, anders als Michael Helfert, durchaus einen speziell durch Corona gewachsenen Bedarf in Sachen Sprachförderung: „Während des Lockdowns hatten viele Kinder fast ausschließlich zu ihrer Familie Kontakt. Einige davon haben eine nichtdeutsche Familiensprache. Wortschatz kann aber im Kleinkindaltern nur im aktiven Tun mit Vorbildern erlernt werden“, sagt Telci. „Daher ist eine zweite vom Bund geförderte Sprachfachkraft, die sich nicht um organisatorische Alltagsdinge kümmern muss, sondern sich ganz auf die Kinder konzentrieren kann, für unser Haus so wertvoll.“

Laut Telci gebe es in St. Josef einige Kinder, deren Wortschatz in der Coronazeit stagniert oder sogar zurückgegangen sei. Um ihre Sprache zu fördern, geht das Haus für Kinder moderne Wege: „Seit Jahren filmen wir die Kinder hier im Haus. Durch die Auswertungen der Filme ist es uns möglich, den Sprachstand jedes Kindes für den jeweiligen Moment festzuhalten“, erklärt Telci, die selbst auch Sprachfachkraft ist. Mit bereits ausbezahlten Fördergeldern der Bundesinitiative „Sprach-Kita“ habe man schon einige Gruppen mit Handys (zum Filmen) und Laptops (zur Verarbeitung und Speicherung der Filme) ausstatten können. Mit der jüngsten Förderung sollen nun auch die restlichen Gruppen zum Zug kommen, verrät die Stellvertretende Leiterin.

Ferner solle das Büchersortiment in Richtung „Vielfalt in unserer Gesellschaft“ erweitert werden. „Und was dann an Geld noch übrig ist, werden wir in Materialien anlegen, die Kinder neue Erfahrungen machen, staunen oder kreativ sein lassen, denn darüber entstehen die besten Sprachanlässe“, so Telci abschließend.

Die neuerliche Förderung ist Teil des Programms „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“ der Bundesregierung. Dabei stellt der Bund für die Jahre 2021 und 2022 weitere 100 Millionen Euro zur Verfügung, sodass 1.000 zusätzliche Sprach-Kitas unterstützt werden können. „Hiervon profitieren vor allem Kitas, die von einem überdurchschnittlichen Anteil von Kindern mit sprachlichem Förderbedarf besucht werden, zumeist in sozialen Brennpunkten“, erklärt Stephan Stracke.

mt/wk

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