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Corona: „Bürgertests“ ab Juli nicht mehr kostenlos - Mindelheimer Testzentrum schließt

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Von: Marco Tobisch

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Symbolbild Corona-Test
Die Bundesverordnung für kostenlose „Bürgertests“ läuft Ende Juni aus. © Martin Schutt/dpa

Mindelheim – Ab Juli sind Corona-Antigentests, sogenannte „Bürgertests“, für viele Bürger nicht mehr kostenlos. Nur „vulnerable Gruppen“ können sich weiterhin für lau auf das Coronavirus testen lassen. Das Testzentrum im Maria-Ward-Kloster werde deshalb ab Donnerstag, 30. Juni, geschlossen, teilt Betreiber Helmut Striebel mit.

Noch bis Ende Juni kann auch in den Unterallgäuer Teststationen jeder Bürger einen kostenlosen Corona-Antigen-Schnelltest machen. Nächsten Donnerstag läuft allerdings die bundesweite Verordnung aus, sodass die Tests fortan zum Teil wieder kostenpflichtig sind. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) teilte am gestrigen Freitag in Berlin mit, dass Bürgertests ab Juli gemäß einer neuen Verordnung drei Euro pro Testung kosten sollen. Ausgenommen von dieser Beteiligung sind laut Lauterbach „vulnerable Gruppen“. Für Kinder bis fünf Jahre, Frauen zu Beginn der Schwangerschaft, Haushaltsangehörige von Infizierten und Besucher von Kliniken und Pflegeheimen sind die Tests demnach auch weiterhin kostenfrei.

Die nur noch anteilige Kostenübernahme durch den Bund begründet das Bundesgesundheitsministerium mit der angespannten Haushaltslage. Die Länder hätten aber die Möglichkeit, den Bürgeranteil an den Tests zu übernehmen, heißt es in einer Pressemitteilung des Ministeriums. „So können sie auf ein erhöhtes Ausbruchsgeschehen reagieren“, so Minister Lauterbach.

Mindelheimer Testzentrums-Betreiber reagiert

Der Mindelheimer Apotheker Helmut Striebel, der aktuell zwei Corona-Testzentren in Mindelheim betreibt, hatte sich auf diesen Schritt bereits vorbereitet. Am Donnerstag verkündete er, dass er das Testzentrum im Maria-Ward-Kloster aufgrund der Ende der kostenlosen Bürgertests schließen müsse. In Striebels Testzentren (Kloster und Reinpoldstraße) kamen zuletzt in Summe noch rund 80 bis 100 Personen pro Tag zum Test, wegen der Selbstbeteiligung rechnet Striebel mit einem weiteren Rückgang. Dennoch sagt der Chef der Marien-Apotheke: „Das Ende der kostenlosen Bürgertests ist für mich nachvollziehbar, wenn es sich um einen anlasslosen Test handelt, wenn der Getestete also nicht zum Test verpflichtet ist.“ Und wer den Negativ-Nachweis dringend für beispielsweise einen Besuch in der Klinik oder im Pflegeheim brauche, müsse ja auch weiterhin nichts bezahlen.

Wer einfach nur auf Nummer sicher gehen will, könne sich auch zu Hause testen. „Es gibt genug Selbsttests auf dem Markt, mit denen man sich zuverlässig zuhause selbst testen kann“, meint Striebel im Hinblick auf die Qualität.

Derzeit nehmen in ganz Deutschland die Omikron-Subvarianten BA.4 und BA.5 Fahrt auf. Auch im Unterallgäu ist der Inzidenzwert in den letzten Tagen wieder gestiegen – gestern lag er bei 424,9. Doch wie – sicherlich nicht nur – Helmut Striebel vermutet, dürfte die Dunkelziffer der Corona-Positiven in diesen Tagen noch weitaus höher sein. Denn in die Statistik fließen schließlich nur positive PCR-Tests ein, und diese werden oftmals nur dann gemacht, wenn eine Bescheinigung über die Corona-Infektion – etwa für die Arbeit – benötigt werde. „Rentner beispielsweise brauchen das nicht und gehen deshalb auch nicht zum PCR-Test, sie bleiben einfach ein paar Tage zuhause“, erklärt Striebel. Damit die „Infektionszahlen wieder besser stimmen“, müsse im Falle eines positiven Selbsttests ein nachfolgender PCR-Test verpflichtend sein, so Striebel.

Ferner fordert der Apotheker: „Wenn die Zahlen weiter steigen, müsste man meines Erachtens die Testpflicht für Schulen, Betriebe und Veranstaltungen wieder einführen, um Mitmenschen, speziell Risikopersonen, nicht zu gefährden.“

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