Der 1828 entstandene Stadel, höchstwahrscheinlich durch Architekt Klenze geplant.
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Der 1828 entstandene Stadel, höchstwahrscheinlich durch Architekt Klenze geplant. Beim CSU-Besuch (v. links): Franz Abele, Thomas Karrer, Christine Vogginger, Fraktionsvorsitzender Andreas Tschugg, Ettringens Bürgermeister Robert Sturm, MdL Franz Josef Pschierer, Manuela ­Huber, Roland Wagner, Dr. Stephan Winter und Kirchenpfleger Peter Anwander.

Auch alte Häuser im Fokus

CSU-Kreistagsfraktion zur Denkmal-Tour in Ettringen

Ettringen – Lange musste die CSU-Fraktionsspitze warten, bis die Lage der Pandemie ein ungezwungenes Treffen unter den Parteikollegen der CSU Unterallgäu erlaubte. Dem Fraktionsvorsitzenden Andreas Tschugg war es ein Anliegen, altgediente Mitglieder, die die Fraktion verlassen hatten, persönlich zu verabschieden und neue zu begrüßen. Dafür nutzte er die Auftaktveranstaltung einer neuen Informationsreihe der CSU und JWU Fraktionsmitglieder „CSU on tour“. 

Robert Sturm, Ettringens Erster Bürgermeister, sollte sich ein Rahmenprogramm ausdenken und wartete mit einem spannenden Thema auf: Der Umgang mit denkmalgeschützten Häusern in gemeindlichem Besitz. So führte Sturm alle Anwesenden durch drei historische Gebäude in der Einheitsgemeinde. Treffpunkt war der alte Pfarrhof im Ettringer Ortsteil Siebnach. Das denkmalgeschützte Ensemble bestehend aus Pfarrhaus, einem kleinen Nebengebäude und einem Stadel ist derzeit noch in Besitz der katholischen Kirche. Dies soll sich jedoch ändern. Die Gemeinde möchte das Areal gern für ihre Bürger sichern.

Die Siebnacher Vereine haben längst erkannt, dass die ­Vibes auf dem Grundstück ausgesprochen gut sind. Seit geraumer Zeit richten die Bürger dort Festlichkeiten jeglicher Art aus. Der verwunschene Garten mit seinem artenreichen Baumbestand lädt zum Verweilen ein. Ein auf dem Gelände befindlicher Holzbackofen kam schon bei diversen Festen zum Einsatz, im Pfarrgebäude selbst fanden unter anderem Chorproben, Nähstunden und die beliebten Krippenausstellungen statt. Pfarrer Pater Michael setzte sich als Vermittler zwischen Kirche und Gemeinde ein und verriet: Es sieht gut aus.

MdL Franz Josef Pschierer hatte scherzeshalber auch mit dem Anwesen geliebäugelt und schon seinen Lebensabend dort gewähnt. Am Klavier im Probenzimmer fühlte er sich jedenfalls schon wie zuhause. Robert Sturm und der Zweite Bürgermeister, Roland Wagner, machten jedoch deutlich, dass das Haus in gemeindlichen Besitz gehöre und ihnen seitens der Bürger die Steinigung drohe, sollte das Haus in Privatbesitz übergehen. „Dem Dorf den Pfarrhof“, beharrte Sturm.

Ein besonderes Augenmerk auf dem Gelände ist der Stadel, der nach der Entstehungszeit ein Erstlingswerk des berühmten Architekten Klenze sein könnte. Dieser erwarb seine ersten Meriten als Adept der königlichen Baukommission, als der Stadel 1828 entstand.

Das stark renovierungsbedürftige Gebäude lässt zwar das Herz der Denkmalschützer höherschlagen, könnte dem Kämmerer allerdings Bauchweh bereiten. Der Stadel ist nämlich Opfer einer hausgemachten Sollbruchstelle geworden, als der hier damals wohnhafte Pfarrer Georg Luidl 1829 selbst Hand anlegte und das Gebäude in Eigenregie erweiterte. Und ausgerechnet dort, wo der Bauernpfarrer eine Erweiterung für seine Remise baute, ist heute alles eingekracht.

Schöpft die Gemeinde bei der denkmalgerechten Renovierung alle Fördermöglichkeiten aus, blieben auch hier die Kosten vielleicht im Rahmen. Sturm betonte, wie wichtig es sei, alte Gebäude zu erhalten und nicht einfach „über den Haufen zu schieben“, wie es einst ein Großteil der Gemeindebürger auf einer Bürgerversammlung beim alten Mesnerhaus in der Ortsmitte Ettringens forderte. Auch dieses Haus war in einem desolaten Zustand. Die Kirche war seinerzeit nicht bereit, in eine aufwendige Renovierung zu investieren und verkaufte das 1792 entstandene Gebäude im Jahr 2003 für einen fairen Preis an die Gemeinde – auch hier hatte Pater Michael vermittelt und im Gegenzug konnte eine WC-Anlage für die Kirchgänger im Haus eingerichtet werden. So wurde aus einem einstigen Schandfleck ein Schmuckstück, das nach der aufwendigen Renovierung nicht nur diverse Preise abräumte, sondern auch 2020 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Im Proberaum des Mesnerhauses ließen Pater Michael und Robert Sturm ihre Erinnerungen an die Phase der Entscheidungsfindung zur Zukunft des Gebäudes humorvoll Revue passieren.

Dann zogen die Amtsträger weiter zum letzten Gebäude der Tour: zum Café Kellerberg. Der gleichnamige Hügel, der zum Gut Ostettringen gehört, wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts aufgeschüttet und als Lagerbierkeller genutzt. In den Jahren 1999/2000 wurde das Haus aufwendig von seinem damaligen Besitzer Dr. Burkhart auf Initiative von Claudia Foldenauer saniert und es entstand das einem englischen Landhaus nachempfundene Café Kellerberg, das mit seinen zahlreichen Bogenfenstern und der exponierten Lage samt Bergblick gern als Feierstätte genutzt wird.

Hier begrüßte CSU-Fraktionsvorstand Tschugg die CSU- und JWU-Neulinge im Kreistag Michaela Bahle-Schmid, Franz Abele, Peter Wachler und Gerhard Trunzer und verabschiedete die mitgekommenen Mitglieder Dr. Ingrid Fickler, Josef Kerler, Jürgen Bäurle und Manuela Huber.

Melanie Springer-Restle

Quelle: Kurier

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