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Der Öko-Landbau ist auch im Unterallgäu auf dem Vormarsch

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Von: Melanie Springer-Restle

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Landwirt Werner Baur (links) bewirtschaftet seinen Öko-Betrieb mit Frau Karin (2. v. links) und Tochter Stefanie (3. v. links). Dr. Reinhard Bader (rechts), Leiter für den Bereich Landwirtschaft des AELF Krumbach-Mindelheim, berät Landwirte zur Umstellung auf bio.
Landwirt Werner Baur (links) bewirtschaftet seinen Öko-Betrieb mit Frau Karin (2. v. links) und Tochter Stefanie (3. v. links). Dr. Reinhard Bader (rechts), Leiter für den Bereich Landwirtschaft des AELF Krumbach-Mindelheim, berät Landwirte zur Umstellung auf bio. © Springer-Restle

Türkheim - Familie Baur, die lange einen konventionellen Betrieb führte, stellte 2017 auf bio um und hat es noch keinen Tag bereut. Über die Beweggründe zur Umstellung und den neuen Herausforderungen hat sich der Wochen KURIER im Rahmen eines Pressegesprächs mit der Familie unterhalten – im Beisein des Initiators, Dr. Reinhard Bader, dem Leiter für den Bereich Landwirtschaft des AELF Krumbach-Mindelheim.

Der ökologische Landbau in Bayern wächst und wächst. Allein im vergangenen Jahr haben rund 600 Betriebe mit über 22.000 Hektar Fläche auf bio umgestellt, im Bereich des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (­AELF) Krumbach-Mindelheim waren es sieben Betriebe, die umstellten, teilt Dr. Reinhard Bader in einer Pressemitteilung mit. In seinem Dienstgebiet wirtschaften nunmehr 374 Betriebe mit insgesamt 15.520 Hektar Fläche nach den Grundsätzen des ökologischen Landbaus.

30 Prozent der Fläche für den Ökolandbau bis 2030

Bereits im Jahr 2019 setzte sich der Freistaat das Ziel, 30 Prozent der landwirtschaftlichen Gesamtfläche bis zum Jahr 2030 im Sinne des ökologischen Landbaus zu bewirtschaften.

Um verlässliche Rahmenbedingungen für den Öko-Landbau in Bayern zu schaffen und die Umstellungsbereitschaft der Landwirte zu erhöhen, habe Landwirtschaftsministerin Kaniber das Landesprogramm BioRegio 2030 ins Leben gerufen, heißt es weiter in der Pressemitteilung. In einem ganzheitlichen Ansatz sollen vielfältige Maßnahmen in den Bereichen Bildung, Beratung, Förderung, Forschung und Vermarktung die gesamte Bio-Wertschöpfungskette vom Erzeuger bis zum Verbraucher stärken.

Eine solche Beratungsaufgabe hat auch Dr. Reinhard Bader inne, der auf den Hof der Familie Baur in Türkheim zum Pressegespräch einlud, um über Möglichkeiten und Grenzen des ökologischen Landbaus zu sprechen.

Von konventionell auf bio in Türkheim

Familie Baur sei ein gelungenes Vorzeigebeispiel zur Umstellung von konventionell auf bio. Landwirt Werner Baur hatte die konventionelle Landwirtschaft irgendwann leid. Immer mehr, immer größer, immer intensiver, nur um überleben zu können – all das fühlte sich irgendwann nicht mehr richtig für den Landwirt an. „Ich wollte nicht irgendwann 100 Kühe melken müssen“, gesteht der 52-Jährige. Der Tropfen, der sein persönliches Milchfass dann zum Überlaufen brachte, war die Maßgabe, den Weizen ein drittes Mal zu spritzen, um den Ertrag nicht zu gefährden. Dies hatte das LKP (Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung in Bayern e.V.) bei einer Feldbegehung nahegelegt. „Dann hab i mir denkt: Und des mach i nimmer!“, erinnerte sich Baur.

Deshalb vereinbarte er einen Beratungstermin mit dem Amt für Landwirtschaft und Ernährung und erkundigte sich nach den Rahmenbedingungen zur Umstellung auf bio – und siehe da: So viel musste er gar nicht verändern. Als glückliche Fügung kam zuvor schon hinzu, dass der Nachbar – ebenfalls ein Landwirt – seine Fläche von 20 Hektar ab 2014 an die bäuerliche Familie verpachtete samt Stall und Halle. Damit war auch die nach Biostandards geforderte Fläche für die Weidehaltung der Tiere gegeben. Am 1. Juli 2017 stellte die Familie dann offiziell auf bio um. Da sie nicht sicher war, ob sie auch ausreichend Futter für ihre Tiere unter den neuen Vorzeichen generieren konnte, kaufte sie sicherheitshalber Futter zu. Dies erwies sich im Folgejahr als weise Voraussicht, denn ausgerechnet das Jahr nach der Umstellung (2018) war ein sehr trockenes.

Das Ehepaar Baur betreibt den Hof zusammen mit Tochter Stefanie, die gerade die Landwirtschaftsschule in Mindelheim besucht und nach Abschluss ihrer Meisterprüfung intensiv in den elterlichen Betrieb einsteigen will. Ihre beiden Schwestern haben sich beruflich anderweitig orientiert. Die Baurs verfügen mittlerweile über knapp 80 Hektar Grund, davon 42 Hektar Acker und der Rest Grünland. 66 Hektar der Gesamtfläche sind gepachtet. Die Familie besitzt neben dem Wohnhaus einen Milchviehstall, einen Kälberstall, eine Maschinenhalle, einen Jungviehstall, eine Bergehalle (für Heu und Stroh) und ein Fahrsilo. Ihr Einkommen generiert sie mit 120 Stück Fleckvieh, was pro Tag eine Milchmenge von circa 4.000 Liter bringt. Den Kühen stehen fünf Hektar zur Verfügung, dem Jungvieh 1,7. Die Fruchtfolgeglieder des Betriebs sind: Hafer (9%), Triticale (10%), Silomais (15%), Kleegras (31%), Weizen (3%), Meggetreide (11%), Wintergerste (12%) und Sommergerste (9%).

Auf die Frage, ob die Familie gut von der Landwirtschaft leben könne, antwortet Tochter Stefanie trocken: „Man kann nicht klagen.“ Auf Rückfrage verriet sie, dass das Familieneinkommen seit der Umstellung mittlerweile sogar marginal gestiegen sei.

Rahmenbedingungen müssen passen

Dr. Reinhard Bader betont trotz des starken Trends zum ökologischen Landbau, dass jedwede Form der Landwirtschaft ihre Daseinsberechtigung habe. „Nur bio macht die Welt nicht satt“, sagte er und verwies auf die extensive Flächennutzung im Öko-Landbau. Nicht jeder habe die nötigen Rahmenbedingungen; insbesondere fehlende Weideflächen seien häufig ein Problem bei der Umstellung auf bio. Umstellungsinteressierte Landwirte können sich an das AELF wenden und sich neutral beraten lassen unter Tel. 08282/9007-0. Das Amt vermittelt auch Kontakte zu Betrieben des BioRegio-Betriebsnetzes.

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