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Der Unterallgäuer Flexibus wird noch flexibler

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Von: Melanie Springer-Restle

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Immer mehr Gemeinden möchten die Dienste des Flexibus in Anspruch nehmen und auch die Möglichkeit haben, in Nachbarlandkreise transportiert zu werden. Jüngst wurde Oberrieden aufgenommen und Haselbach wurde zum Knotenpunkt Richtung Thannhausen.
Immer mehr Gemeinden möchten die Dienste des Flexibus in Anspruch nehmen und auch die Möglichkeit haben, in Nachbarlandkreise transportiert zu werden. Jüngst wurde Oberrieden aufgenommen und Haselbach wurde zum Knotenpunkt Richtung Thannhausen. © wk

Unterallgäu – Seit der Einführung des Flexibusses im Oktober 2018 ist das Netz kontinuierlich gewachsen. Immer mehr Gemeinden möchten auch von der Ergänzung zum Regel-ÖPNV profitieren und sorgen für Gebietserweiterungen des Gesamtnetzes. Doch nicht jede Streckenführung ist sinnvoll. Und ein kleines bisschen teurer wird´s künftig auch.

In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Mobilität, Nahverkehr und Verkehrsvernetzung dominierten die Tagesordnungspunkte rund um das Thema Flexibus.

Bereits im Februar dieses Jahres stimmte der Ausschuss der Erweiterung des Flexibus-Knotens Kirchheim-Pfaffenhausen Richtung Thannhausen zu. Die Verwaltung wurde beauftragt, alle erforderlichen Details mit dem Nachbarlandkreis Günzburg abzustimmen. Ende Juni fand daraufhin eine Besprechung zwischen VVM (Verkehrsverbund Mittelschwaben), der Flexibus KG, den Landratsämtern Günzburg und Unterallgäu statt. Dort wurde der Wunsch zur Anbindung des Flexibus-Knotens Kirchheim-Pfaffenhausen an den Flexibus-Knoten Thannhausen evaluiert. Aufgrund der sehr langen Fahrtstrecken von bis zu 45 Minuten wurde eine Erweiterung verworfen. „Wir würden den Flexibus zu weit abziehen von den Bereichen, wo er zur Verfügung stehen sollte“, erläuterte Christine Heim vom zuständigen Sachgebiet des Unterallgäuer Landratsamtes. Die langen Fahrtstrecken nach Thannhausen könnten in der Praxis nicht durchgängig angeboten werden, da der derzeit einzige Flexibus in dem entsprechenden Knoten überwiegend im Raum Pfaffenhausen/Breitenbrunn gebucht wird. Der Landkreis Günzburg hatte bisher zwar nie zwei größere Orte von benachbarten Gebieten miteinander verbunden, dafür aber mehrere „Überlappungszonen“ eingerichtet, die einen Umstieg möglich machen. Dieses Verfahren habe sich in der Praxis bewährt.

Tarifwabe Haselbach verbindet zwei Landkreise

Deshalb einigte man sich in der Besprechung darauf, die Tarifwabe Haselbach (Knoten Kirchheim-Pfaffenhausen) zusätzlich in den Flexibus-Knoten Thannhausen aufzunehmen. Aus dieser Wabe sind Fahrtbuchungen nach Thannhausen möglich. Aus logistischen Gründen stellt das Fahrzeug der Knoten Thannhausen; die Finanzierung wurde in einem Finanzierungsvertrag geregelt, wie man es bereits aus der Wabe „Hasberg“ kennt, die analog den Flexibus-Knoten Richtung Krumbach darstellt. Ausschließlich die Gemeinde Eppishausen ist Vertragspartner, da diese mit der Aufnahme ihres Ortsteils Haselbach den größten Nutzen an der Anbindung nach Thannhausen hat. Was jenseits der staatlichen Förderung an Kosten übrig bleibt, teilen sich der Landkreis Unterallgäu und die Gemeinde Eppishausen. Zum 1. Oktober 2021 wurde die Tarifwabe Haselbach in den Flexibusknoten Thannhausen aufgenommen. Landrat Alex Eder begrüßte diese Lösung: „Hier ist deutlich zu sehen, wie gut der Flexibus funktioniert und wie flexibel wir auch hier in der Verwaltung sind. Da ist eine ganz tolle Lösung geglückt. Das wird eine Blaupause sein.“ Auch die Bürgermeister der am Flexibus-Knoten Kirchheim-Pfaffenhausen beteiligten Gemeinden befanden die Lösung als gut. Nach wenigen Monaten soll die Sinnhaftigkeit dieses Vorgehens evaluiert werden.

Nächster Halt: Oberrieden

Analog sollen nun auch die Orte Oberrieden, Mittelrieden und Ohnsang als Überlappungswabe „Oberrieden“ in den Flexibus-Knoten Mindelheim-Dirlewang-Kammlach für Fahrten nach Mindelheim aufgenommen werden. Der Grund: Es gibt kein dichtes, durchgängiges Fahrplanangebot der Regionalbuslinie 921. Der Oberriedener Gemeinderat hat sich jüngst für den Abschluss des Finanzierungsvertrages zur Aufnahme in den Knoten ausgesprochen. Die Firma Steber Tours GmbH hat bereits eine zuverlässige Bedienung der Überlappungswabe zugesagt.

Die Oberriedener müssen sich allerdings noch etwas gedulden, denn eine Umsetzung ist erst zum 1. April 2022 möglich. Das hat mehrere Gründe. Erstens muss die Umsetzung der Gebietserweiterung erst von der Regierung von Schwaben genehmigt werden. Zweitens kostet die Adaption der Software Zeit und drittens sei es immer einfacher, quartalsweise abzurechnen, ergänzte Helmut Höld. In Sachen Finanzierung läuft alles analog zu Haselbach: Die Gemeinde Oberrieden teilt sich die verbleibenden Kosten brüderlich mit dem Landkreis. Der Ausschuss beschloss den Abschluss des Finanzierungsvertrages ohne Gegenstimmen.

Ein für Landrat Eder – wie er es nannte – „sehr unliebsames“ Thema waren die Tarifanpassungen des Endkunden-Tarifs.

Flexibilität auch bei den Ticketpreisen

Seit Einführung des Flexibusses blieb der Preis für die Endverbraucher gleich, wohingegen der VVM seine Preise kontinuierlich angepasst hat. „Wir sind permanent bestrebt, dass der Flexibus weiterhin flexibel bleibt, aber wir können die Kostensteigerungen nicht aufhalten.“ Dabei zog Eder kleinere Erhöhungen in regelmäßigen Abständen großen Preiserhöhungen vor. Er befürworte ferner, dass der Flexibus moderat teurer ist als der VVM. Robert Sturm (CSU) verlangte nach einer Erklärung, der Landrat erklärte: Der Flexibus sei erstens nachträglich als flexiblere Variante zum VVM etabliert worden und werde ferner mit öffentlichen Geldern unterstützt. An dieser Stelle erhob Kreisrätin Rosina Rottmann-Börner (ÖDP) Einspruch: „Wenn schon Tarifanpassungen kommen, dann mit einer gewissen Distanz. Nicht wie beim VVM. Wir sollten weiterhin auf die Attraktivität des Flexibus achten.“

Budget-Zuckerl

Der Landkreis Günzburg hat die Tarifanpassung bereits beschlossen. Auch die Unterallgäuer Kreisräte verständigten sich schließlich ohne Gegenstimmen auf eine moderate Tarifanpassung von zehn Prozent. Dafür soll Kindern und Senioren künftig ein Nachlass von 20 Prozent gewährt werden. Und ein Budget-Zuckerl fürs Marketing in Höhe von 15.000 Euro gibt es noch obendrauf, denn der Landkreis hatte dank Pandemie weniger Ausgaben als geplant.

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