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Energiesparen in Markt Wald: Abwrackprämie für Kühlschränke?

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Von: Melanie Springer-Restle

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Ausrangierte Kühlschränke
Auf der letzten Marktgemeindratssitzung dachte Markt Walds Bürgermeister Peter Wachler laut darüber nach, den Bürgern eine Abwrackprämie für energiefressende Kühlschränke zu bezahlen, wenn sie diese ausrangieren und gegen ein energieeffizientes Modell ersetzen. © Panthermedia

Markt Wald – Auf der gestrigen Marktratssitzung, die erstmals wieder nach einer sechswöchigen Sommerpause stattfand, stand auch ein hochpolitisches Thema auf der Tagesordnung: Energiesparen. Bürgermeister Peter Wachler war es nach eigenen Worten ein großes Anliegen, das Thema aufzugreifen und als Gemeinde nicht nur Vorbild zu sein, sondern auch Anreize für die Bürger zu schaffen, um ein Energiebewusstsein in deren Alltag zu integrieren. Hierzu hatte er eine interessante Idee.

In puncto erneuerbare Energie ist Markt Wald kein unbeschriebenes Blatt. Während der Pandemie wurden bereits zehn Hektar große PV-Freiflächen gebaut. „Das war eine Hausnummer“, so Wachler zu den Räten. Der Ortsvorsteher erinnerte daran, wie viele Bürger des Markt Walder Ortsteils Immelstetten sich seinerzeit gegen das Vorhaben gewehrt hatten. Viele fürchteten eine optische Verschandelung des Ortsbildes. Doch nach der ersten Testphase kann Wachler, sichtlich beruhigt, sagen: „Die Anlage stört nicht.“  Die meisten Räte stimmten ihm dahingehend zu, dass man die Anlage fast nicht sehe. Marktrat Gerhard Lochbrunner sah das etwas anders: „Wenn man sie sehen will, sieht man sie“, grummelte er in die Runde.

Neben der Freifläche in Immelstetten wurde, so Wachler, auch die Kläranlage in Oberneufnach mit einer PV-Anlage versehen, die sich mittlerweile fast amortisiert habe. Auch auf dem Dach der Grundschule, das allerdings fremdverpachtet ist, sind Solarplatten. Wachlers Ziel ist es, die Fläche in die eigene Nutzung zu überführen. Als Nächstes sollen auch das Rathausdach sowie der Kindergarten und die andere Seite der Kläranlage mit Solaranlagen ausgestattet werden. Die Gemeinde solle eine Vorbildrolle einnehmen. „Ich will nicht über die Notwendigkeit diskutieren, denn die ist da“, so Wachler resolut.

Noch viel wichtiger sei seiner Ansicht aber, ein Energiebewusstsein in die Köpfe der Bürger zu pflanzen. Bei Hausbesuchen sehe er häufig, dass insbesondere ältere Menschen zum Teil uralte Kühlschränke und Tiefkühltruhen in Betrieb haben. Dabei nahm er seine eigene Familie nicht aus. „Auch im Rathaus müssen wir uns bei der eigenen Nase packen“, sagte er, woraufhin Gemeinderat Robert Schmid gespielt demonstrativ zur Decke blickte, die noch mit herkömmlichen Glühbirnen und nicht mit energiesparenden LED-Lampen ausgestattet ist. Bisher wurden auch die Geranien der Gemeinde, so Wachler weiter, mit Trinkwasser gegossen. Nun stehe eine Wassertonne vor dem Rathaus. Auch der Fußball- und Tennisplatz könne künftig mit Wasser aus dem Hochbehälter, statt mit wertvollem Trinkwasser, gegossen werden.

100 Euro Abwrackprämie für ausrangierte Energiefresser

Um so manchen unbedarften Bürger zum Energiesparen zu bewegen, träumt Wachler von einer Abwrackprämie für alte Kühlschränke. „Gegen Vorlage des Kaufbelegs für einen neuen Kühlschrank, der bei einem ortsansässigen Händler gekauft wurde, könnte die Gemeinde den Bürgern 100 Euro zahlen“, schlug er vor.

Hier musste Anton Ruf einschreiten. Er selbst lebe sehr energiebewusst und vertritt die Ansicht, dass jene, die das auch tun wollen, bereits entsprechend handeln. „Ich sehe nicht ein, dass wir die, die bisher nichts getan haben, auch noch unterstützen sollen“, insistierte er.

Theresia Hörl denkt indes etwas weiter: „Wir müssen als Kommune überlegen, wie ein Energiekonzept aussehen kann.“ Es reiche nicht, Solaranlagen auf gemeindliche Gebäude zu bauen. Man müsse Aufklärungsarbeit in Bürgerversammlungen und anderen Veranstaltungen leisten.

Wachler stimmte ihr zu und verwies auf die Vorzeigekommune Wildpoldsried.

Impulse aus Vorzeige-Kommunen sammeln

Franz Huber führte an dieser Stelle die Gemeinde Oy-Mittelberg ins Feld, wo ein lokaler Landwirt die Hackschnitzel für ein Heizsystem liefere, das alle öffentlichen Gebäude speise. „Wir brauchen ein Konzept. Die Leute müssen wissen, dass sich ein neuer Kühlschrank schon nach drei Jahren Stromsparen rentiert hat“, so der Marktrat.

Wachler gehe es nach eigenen Worten nicht darum, Untätige zu belohnen, sondern als Gemeinde mit gutem Beispiel voranzugehen und Akzente zu setzen. Dabei müsse man das Rad nicht neu erfinden, sondern könne sich auch Impulse aus anderen Gemeinden holen. Dies tat der Bürgermeister jüngst in Eppishausen, wo ihm Bürgermeisterin Susanne Nieberle den Energie-Kriterienkatalog ihrer Gemeinde vorstellte, was Wachler sehr gut gefiel.

Ob sich der Markt Walder Bürgermeister mit seiner Idee zur Abwrackprämie für ausrangierte Kühlgeräte durchsetzen kann, bleibt spannend. Das Thema wird sicher als Tagesordnungspunkt auf einer der nächsten Sitzungen erscheinen.

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