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European Energy Award: Mindelheim verbessert, aber noch nicht vergoldet

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Von: Marco Tobisch

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Bürgermeister Dr. Stephan Winter (links) und Klimaschutzmangerin Simone Kühn (rechts) tauschten sich mit dem externen Auditor Leonard Meyer (Bildschirm unten links) aus. Ebenfalls online vertreten waren die interne Auditorin Dr. Kerstin König-Hoffmann und Stefan Bonaldo-Kraft (beide eza).
Bürgermeister Dr. Stephan Winter (links) und Klimaschutzmangerin Simone Kühn (rechts) tauschten sich mit dem externen Auditor Leonard Meyer (Bildschirm unten links) aus. Ebenfalls online vertreten waren die interne Auditorin Dr. Kerstin König-Hoffmann und Stefan Bonaldo-Kraft (beide eza). © Beck

Mindelheim – Mit ihren Bemühungen um Klimaschutz-Maßnahmen hat die Stadt Mindelheim zuletzt fleißig Pluspunkte gesammelt – auch bei der jüngsten Bewertung im Rahmen des European Energy Awards. Hier wurden der Stadt bei einem „externen Audit“ 72,9 Punkte zugesprochen. Damit rückt Mindelheim noch näher an die Gold-Zertifizierung heran. Warum beim Mindelheimer Energieteam trotz Verbesserung kein Jubel ausbricht, erklärt Teamleiter ­Roland Ahne im Gespräch mit dem Wochen KURIER.

Schon viele Jahre bemüht sich die Stadt Mindelheim um den Ausbau erneuerbarer Energien und den Umstieg auf energiesparendere Lösungen, angefangen etwa bei neuen LEDs zur Straßenbeleuchtung (seit 2017) bis hin zur Modernisierung des Freibadbetriebs. Mit ihrer Liste an Maßnahmen wollte die Stadt nun auch beim European Energy Award (eea) weiter punkten. Der eea ist dabei weniger eine einmalige Trophäe, sondern vielmehr ein Qualitätsmanagementsystem, das Energie- und Klimaschutzaktivitäten einer Kommune erfasst, bewertet und regelmäßig überprüft. Er bietet den teilnehmenden Städten, Gemeinden und Landkreisen Begleitung und Beratung bei der Planung und Realisierung von energie- und klimaschutzpolitischen Zielen und Maßnahmen.

An der Schwelle zu Gold

Alle vier Jahre steht ein „externes Audit“ an, für das ein eea-Berater nach Mindelheim kommt und überprüft, inwieweit die Qualitätsstandards erfüllt sind. Und dieses Jahr, das kündigte Bürgermeister Dr. Stephan Winter bereits an, sollte es wieder soweit sein: Durchgeführt wurde das Audit von Leonard Meyer von der Bundesgeschäftsstelle des European Energy Awards. Insgesamt 72,9 Prozentpunkte hat die Stadt in seiner Bewertung erreicht. Somit ist Mindelheim von der Gold-Zertifizierung, für die 75 Prozentpunkte benötigt werden, nicht mehr weit entfernt. „Mit dem Ziel des Gold-Standards zeigt sich Mindelheim als innovative und klimafreundliche Kommune“, ist man in der Stadtverwaltung überzeugt. Und auch Meyer bestätigt: „Da hat sich Ihr Engagement gelohnt. Sie haben sich im Vergleich zum letzten Audit vor vier Jahren von 54,3 auf 72,9 Prozentpunkte gesteigert. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Leistung.“

Besonders hob Meyer hervor, dass die Stadt die Versorgung durch Fernwärme erhöht hat. Das wichtigste Thema, dass nun angegangen werden müsse, sei die Treibhausneutralität, die es bis 2045 umzusetzen gilt. Das beziehe sich dann auf die gesamte Gemarkung, alle Bürger sowie alle Unternehmen der Kreisstadt, so Meyer.

„Großer Erfolg“

Auch Kerstin König-Hoffmann vom Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza), die die Stadt seit dem Jahr 2016 bei der Erreichung des eea in Gold unterstützt, freut sich über den Erfolg der Stadt. „Keine Kommune, die ich bisher betreut habe, konnte so einen großen Erfolg verbuchen. Den European Energy Award hatte die Stadt bereits im Jahr 2014 erreicht. 2017 hatte Mindelheim bereits 50 Prozentpunkte gesammelt in der Gesamtbetrachtung, die sich aus den Bausteinen „Mobilität“, „Kommunikation“, „Kommunale Gebäude“, „Interne Organisation“, „Entwicklungsplanung“ und „Ver-/Entsorgung“ zusammensetzt.

Beim Mindelheimer Energieteam löste Meyer mit seiner Bewertung aber keinen Jubel aus: Wie auf der Homepage des Energieteams nämlich zu lesen ist, sei man „aktuell“ (Stand: 2021) bei 74 Prozent. Ob die nun vergebenen 72,9 Prozent deshalb eher ein Rückschritt sind? „Nein“, klärt Roland Ahne, Leiter des Energieteams auf – bei den 74 Prozent habe man sich auf die Bewertung von Kerstin König-Hoffmann gestützt, die offenbar etwas großzügiger Punkte vergab als Leonard Meyer. Im ersten Moment sei man deshalb etwas enttäuscht über das Ergebnis gewesen, räumt Ahne ein. „Wir haben Gold zwar knapp verfehlt, aber insgesamt ist das trotzdem ein tolles Ergebnis.“ Und es sei vor allem Ansporn, in den nächsten Jahren weiter anzugreifen. „Das Team ist motiviert“, betont Ahne.

„Das Team“, das sind 16 Mindelheimer (darunter Stadträte, Ehrenamtliche und weitere am Klimaschutz interessierte Akteure), die sich gemeinsam als „Ideengeber und -begleiter“ in Sachen Klimaschutz sehen. „Wir greifen immer wieder neue Ideen auf, um für die Stadt eine Verbesserung bei CO2-Zielen zu erreichen“, erklärt Roland Ahne. Ein Lob aussprechen möchte er vor allem Klimaschutzmanagerin Simone Kühn und auch der Rathaus-Verwaltung, die sich dem Klimaschutz in den letzten Jahren noch deutlich weiter geöffnet habe. Während das Energieteam anfangs noch gegen viele Widerstände im Rathaus ankämpfen musste, sei es inzwischen „voll akzeptiert“, so der SPD-Stadtrat und Dritte Bürgermeister.

Infoveranstaltung zu PV im Gleisdreieck

So habe man gemeinsam viele Klimaschutzthemen vorantreiben können. Exemplarisch nennt Ahne den Förderkatalog, das Radverkehrskonzept, Verbesserungen an städtischen Gebäuden und die PV-Freiflächenanlage, die im Gleisdreieck entsteht. Letztere sei übrigens auch schon in die jüngste eea-Bewertung eingeflossen, verrät Ahne. Fahrt aufnehmen soll das Projekt dann spätestens am 5. Oktober um 19 Uhr bei einer öffentlichen Infoveranstaltung im Mindelheimer Forum. Dann wollen die VWEW, die Energieallianz Bayern sowie vom Energieteam Roland Ahne, Fritz Birkle und Wolfgang ­Buxbaum über das Projekt informieren. Auch um Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger soll es an diesem Abend gehen.

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