Die Evangelisch-Lutherische Gemeinde (Mitte: Christoph Schieder) hat die Pfarrer Erik Herrmanns (links) und Claudius Wolf (rechts) verabschiedet.
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Die Evangelisch-Lutherischen Gemeinde (Mitte: Christoph Schieder) hat zuletzt die Pfarrer Erik Herrmanns (links) und Claudius Wolf (rechts) verabschiedet.

Trotz Vakanz: „Jesus bleibt“

Evangelische Gemeinde Mindelheim verabschiedet zwei Pfarrer

  • VonOliver Sommer
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Mindelheim – Ihre Stelle in Mindelheim angetreten hatten Erik Herrmanns und Claudius Wolf zu unterschiedlichen Zeiten – der eine vor 15, der andere erst vor vier Jahren. Doch nun verlassen beide gleichzeitig die evangelisch-lutherische Gemeinde Mindelheim. Mit einem Festgottesdienst haben die Stadt und die Kirchengemeinde die beiden Pfarrer verabschiedet. 

Als feststand, dass Erik Herrmanns seine Stelle als Pfarrer in Mindelheim aufgeben würde, meinte Claudius Wolf: „Ich gehe auch.“ Es sei ja ohnehin schon eine Art Abschied auf Raten gewesen, merkte Wolf an, nachdem er, noch immer in Elternzeit, vor allem seiner Tochter Rahel den Vorrang gibt vor der Kirchengemeinde. Nun zieht es ihn die „nahe“ Ferne, am 3. Oktober wird Wolf seinen ersten Gottesdienst in der Kirchengemeinde „Unser Frauen“ in Memmingen halten. Jene Frauenkirche, mit der sein Amtskollege seit bald drei Jahrzehnten verbunden ist, wurde doch Erik Herrmanns Ehe dort vor fast genau 28 Jahren geschlossen und auch sein Sohn getauft.

Und während also Wolf nun die ehemalige Gemeinde von Herrmanns betreuen wird, wechselt dieser den Arbeitsplatz und wird künftig am Maristenkolleg den Weg Wolfs als Religionslehrer fortsetzen. So sei Zukunft auch Vergangenheit, bemerkten die beiden scheidenden Pfarrer.

Während Wolf und Herrmanns vor allem in die Zukunft schauten und sich Gedanken machten über die Gemeinde, die fortan auf sich alleingestellt sein wird, bis ein neuer Pfarrer die vakante Stelle besetzen wird, schauten die anderen Festredner zurück auf die Vergangenheit der Pfarrer. Vor allem Dekan Christoph Schieder, der die beiden Pfarrer als Dienstherr entpflichtete, ließ die vergangenen 15 Jahre Revue passieren. Auch wenn der Kirchenvorstand sich einen erfahrenen Pfarrer gewünscht hatte, wie die Gottesdienstbesucher erfuhren, war man seinerzeit nach einem ersten Treffen überzeugt, den richtigen zu bekommen. Und wie die zahlreichen Geschichten über die beiden Pfarrer zeigen, erzählt von den Mitgliedern des Kirchenvorstandes sowie den Mentoren der Jugend, hinterlassen beide ihre Spuren in Mindelheim.

Wertschätzung für die Arbeit in Mindelheim

Nicht zuletzt erinnerte sich auch Andreas Straub an die gemeinsame Zeit. So berichtete der katholische Stadtpfarrer vor allem vom ökumenischen Highlight der vergangenen Jahre, als beide Kirchen im Reformationsjahr 2017 das Projekt „Hauptsache Jesus“ vorantrieben. Jesus, so Straub, sei die Quelle des (gemeinsamen) Christseins, beim Gottessohn würden sich die Christen auf Augenhöhe begegnen. Und wie schon seine evangelischen Amtsbrüder vorher über das Kommen und Gehen gesprochen hatten, so meinte auch Straub: „Jesus bleibt.“ Man merkte Straub an, wie sehr er die Zusammenarbeit, vor allem aber die Gemeinschaft der beiden Amtskollegen zu schätzen wusste und die gemeinsame Arbeit in Mindelheim.

Auch Herrmanns und Wolfs Vorgesetzter fand lobende Worte für die beiden Gottesmänner. Die Arbeit sei sehr harmonisch gewesen, so Christoph Schieder, wobei er daran erinnerte, wie die kleine Familie Herrmanns in Mindelheim erwachsen wurde, während die Familie Wolf in Mindelheim erst entstand, als die kleine Rahel geboren wurde. Und Schieder blickte auf die geleistete Arbeit, in der Kirchengemeinde ebenso wie in der Schule. Dort werde Herrmanns diese nun fortsetzen, wo Wolf schon angefangen hatte. Der Verlust der Pfarrer sei für die Gemeinde schmerzlich. Doch das Uhrwerk bewege sich weiter. So kann man sich nach dem Abschied auf etwas Neues freuen.

Damit schloss sich der Kreis, den die Pfarrer mit ihrer Betrachtung geöffnet hatten. „Die geschundene Gemeinde verliert anderthalb Pfarrer“, so Wolf. Doch die Veränderung sei auch Auftrag der Christen, wie schon die Geschichte von Aquila und Priscilla zeige, die alles hinter sich lassen und einen neuen Weg suchen sollten. Der für beide Pfarrer nun jeweils dort weitergeht, wo der andere bereits Spuren hinterlassen hat.

Oliver Sommer

Quelle: Kurier

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