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Frisch gebackene Landwirte feiern ihren Abschluss in Mindelheim

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Von: Oliver Sommer

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Die besten fünf Absolventen mit einer Eins vor dem Komma wurden gesondert geehrt (vorne v. links): ­Matthias Bader, Christoph Stuhler, Johannes Riedele, Benedikt Aigster und Tobias Kaufmann. Unter den Gratulanten waren unter anderem (hinten v. links) Paul Mayer (Mitarbeiter des AELF), Thomas Brem (Klassenleiter), Gottfried Göppel (Berufsschulleiter), Konrad Hörl (Vertreter der Regierung von Schwaben) und Rainer Nützel (Behördenleiter AELF).
Die besten fünf Absolventen mit einer Eins vor dem Komma wurden gesondert geehrt (vorne v. links): ­Matthias Bader, Christoph Stuhler, Johannes Riedele, Benedikt Aigster und Tobias Kaufmann. Unter den Gratulanten waren unter anderem (hinten v. links) Paul Mayer (Mitarbeiter des AELF), Thomas Brem (Klassenleiter), Gottfried Göppel (Berufsschulleiter), Konrad Hörl (Vertreter der Regierung von Schwaben) und Rainer Nützel (Behördenleiter AELF). © Oliver Sommer

Mindelheim – Wie in vielen Handwerksberufen gilt auch bei den Landwirten: Nach dem Abschluss ist vor dem Meister. Bei der Berufsabschlussfeier der Landwirte in Mindelheim lag das Hauptaugenmerk der Redner auf der Zukunft der frisch ausgebildeten Landwirte. Denn diese werden dringend gebraucht, stellten auch die Regierungsvertreter fest.

„Wir brauchen Sie dringend. Sie sichern die Versorgung mit Lebensmitteln“, sagte Konrad Hörl, der Bereichsleiter der Regierung von Schwaben. Einen kurzen Moment lang durften die knapp vier Dutzend jungen Landwirte durchatmen, waren sie doch mit dem Abschluss der Berufsschule von jeder Verpflichtung als Auszubildende „freigesprochen“, wie man nach dem Abschluss üblicherweise sagt. Die 46 erfolgreichen Absolventen durften zurückblicken auf die vergangenen drei Jahre. Sie wurden an jenen Tag erinnert, an dem sie sich zum ersten Mal in der Klasse getroffen hatten. Sie haben viel mehr gelernt als zu melken, Heugabel und Eimer zu schwingen und Traktor zu fahren. In den drei Jahren sind Freundschaften gewachsen und trotz des Lernaufwands war noch Zeit geblieben für Schabernack.

Die Ausbilder gaben ihr Wissen live in der Praxis weiter und sorgten dafür, dass ein Viertel der Azubis mit „sehr gut“ abschloss und auch der Rest die Ausbildung erfolgreich absolviert hat. Einen Moment lang drehte sich im Mindelheimer Forum fast alles nur um die letzten Absolventen der Landwirtschaftsschule Mindelheim, denn letztere gehört nach der Schließung nun der Vergangenheit an. Die Absolventen, die sich nun im Anschluss auf die Meisterprüfung vorbereiten möchten, müssen sich dafür einen anderen Standort suchen.

Landwirte werden laut Konrad Hörl dringend gebraucht, zum Erhalt der Kulturlandschaft, für die Lebensmittelversorgung und nicht zuletzt für die Energiegewinnung, wo Landwirte Teil der Lösung sind. Mehr noch aber sollten Landwirte aufklären, meint Rainer Nützel.

Halbwissen richtigstellen

Der Behördenleiter des AELF in Mindelheim forderte die Absolventen auf, das Gelernte, ihr Wissen einzusetzen und gegenzuhalten, wenn andere mit einem Halbwissen aus dem Internet auftreten würden. „Durch das Internet sind alle plötzlich schlauer als wir“, ärgerte sich Nützel und meinte, die Junglandwirte seien nun fachlich qualifiziert und sollten dem entgegentreten. Mehr noch sollten die jungen Landwirte aber ihr Wissen auch einsetzen zum Wohle der Kommune, sollten im Gemeinderat aktiv werden und ihr Wissen und ihre Kompetenz einbringen. Vor allem aber sollten die jungen Landwirte andere junge Menschen mit weitergegebenem Wissen bilden. Man stecke zwar in einem Dilemma mit der fehlenden Meisterschule vor Ort, dennoch, forderte Nützel, sollten die Absolventen nun ihren Meister machen oder die Technikerausbildung. Sonst entstehe da ein Bruch. „Es reißt ab“, meinte Nützel mit Blick auf die Weitergabe des Wissens.

Bei der Verabschiedung ebenfalls geehrt wurde Leonhard Dempfle. Seit drei Jahrzehnten gibt der BGJ-Meister sein Wissen weiter, steht sein Hof für die Schüler offen, erinnerte der Leiter der Berufsschule, Gottfried Göppel.

Wie auch Göppel sich bei den Ausbildern und für die Zusammenarbeit bedankt hatte, sei es eigentlich auch für die nun bald Ex-Schüler an der Zeit, sich zu bedanken, befand der Kreisobmann Martin Schorer. Früher sei es gang und gäbe gewesen, sich zuerst bei den Familien zu bedanken, die die Schüler über die lange Zeit unterstützt hatten. Neben der Kritik an der Schließung der Mindelheimer Landwirtschaftsschule verknüpfte Schorer seine Rede aber auch mit der Aufforderung, weiterhin aktiv zu bleiben. „Machen Sie etwas aus ihrem Beruf und bringen Sie sich ein“, forderte er die Absolventen auf.

Erschwerten Bedingungen getrotzt

Mit einem Rückblick erinnerten Schüler wie Lehrer gleichermaßen an die unter anderem durch die Pandemie beeinflussten drei Jahre mit Fernunterricht und unterbrochenen Kursen, wo im Freien diskutiert wurde über Versuche und Ergebnisse und wo trotz allem die Schüler versuchten, ein halbwegs normales Leben zu führen. Auch der Fachbereichsbetreuer der Berufsschule Mindelheim, Johannes Goldstein, schaute zurück auf diese 36 Monate, die trotz Onlineunterricht sehr abwechslungsreich, aber auch fordernd gewesen seien. Daher sei es umso erfreulicher, dass trotz der Umstände ein guter Abschlussjahrgang herausgekommen sei, bei dem sich Goldstein für die angenehme Zusammenarbeit bedankte: „Weiterhin viel Erfolg und Freude im Beruf – und bleibt neugierig“, wünschte er den Schülern.

Vor der eigentlichen Ehrung wurde Noreen Hörger aus Fellheim für das schönste Berichtsheft ihres Jahrgangs gelobt. Danach ging es zu den Jahrgangsbesten. Mathias Bader (Dickenreishausen-Einöde) mit Note 1,32 war auf dem ersten Platz, gefolgt von Christoph Stuhler (Memmenhausen) mit Note 1,53. Die nachfolgenden Plätze belegten Johannes Riedele (Lauchdorf) mit der Note 1,55, ­Benedikt Aigster (Hausen) mit der Note 1,57 und ­Tobias Kaufmann (Fellheim) mit 1,58.

Auch die Schüler vergaben Noten und hatten Geschenke für ihre nun Ex-Lehrer. Insbesondere die Fachlehrer Wolfgang Göppel und Thomas Brem sowie Beate Heckmann kamen in den Genuss dieser Ehre.

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