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IT-Forensiker klärt Wörishofer Berufsschüler über Gefahren im Internet auf

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Wie können sich Jugendliche vor Gefahren im Internet schützen? Dazu klärte Experte Carlos von Farkas in einem Vortrag in Bad Wörishofen auf.
Wie können sich Jugendliche vor Gefahren im Internet schützen? Dazu klärte Experte Carlos von Farkas in einem Vortrag in Bad Wörishofen auf. © Bäurle

Bad Wörishofen – Betrügereien, gehackte Accounts, Fake-News, Hass und Hetze, Kinderpornographie. Dass im Internet so manche Gefahr lauert, war den meisten der rund 60 Schüler aus der 9. und 10. Klasse sowie einigen Lehrkräften der Wirtschaftsschule Bad Wörishofen bereits bewusst gewesen. Was aber macht ein IT-Forensiker und wie werden Verbrechen im Netz in der Praxis aufgeklärt? Dazu gab der Sachverständige für IT-Forensik, Carlos von Farkas, im Rahmen eines Medienprojekttages Auskunft. 

Als IT-Sachverständiger wird von Farkas von Staatsanwaltschaften und Polizei deutschlandweit beauftragt, wenn es darum geht, Smartphones und PCs auszuwerten, um das Verhalten von Opfern und Tätern vor einem Verbrechen zu analysieren und Beweise sicherzustellen. Eine immer größere Rolle in seiner täglichen Arbeit spielen dabei Formen sexualisierter Gewalt, insbesondere gegenüber Kindern und Jugendlichen, berichtete er den Schülern.

„Ziel der Veranstaltung war es, die Jugendlichen für die Gefahren im Netz zu sensibilisieren, ohne digitale Medien zu verteufeln“, erklärt Jürgen Bäurle, stellvertretender Schulleiter der FOSBOS Bad Wörishofen. Und auch von Farkas ist überzeugt: Die digitale Seite unseres Alltags werde bleiben. Aber wie in der analogen Welt müsse man sich auch in der digitalen Umwelt im Klaren sein, dass Gefahren und Risiken lauern und wir Opfer von Verbrechen werden können. Deshalb müsse uch im Digitalen ein Bewusstsein für gefährliche Situationen entwickelt werden, um angemessen zu reagieren.

Eindrücklich und mit realen Chatverläufen veranschaulichte der IT-Forensiker den Jugendlichen unter anderem, wie pädophile Sexualstraftäter Kontakt mit Jugendlichen aufnehmen. Das Muster sei in vielen der Fälle ähnlich: Mit gefälschten Profilen erschleichen sich erwachsene Täter, die sich in der Regel als (fast) Gleichaltrige ausgeben, das Vertrauen der Opfer. Sie zeigen Verständnis, geben die oft ersehnte Zuneigung, indem sie Geschenke machen, sich über Geheimnisse austauschen und schließlich die Opfer dazu bringen, erste intime Fotos zu teilen. Ist erstmal ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Täter und Opfer aufgebaut, werde in oftmals Druck aufgebaut, um an mehr pornographisches Material zu kommen. Ein Teufelskreis, aus dem viele Kinder und Jugendliche nicht mehr herauskommen. Im schlimmsten Fall versuchen die Täter, den Kontakt in die analoge Welt zu verlagern und es komme bei realen Treffen zu jenen Sexualstraftaten, die die Öffentlichkeit leider immer wieder erschüttern.

Auch digital „nicht mitgehen“

Aber wie können sich Jugendliche vor dieser Gefahr schützen? Für Kinder und Jugendliche (aber auch für deren Eltern) bedeute das in einem ersten Schritt, sich klar zu machen, dass auch im Netz Menschen unterwegs sind, mit denen man „nicht mitgehen“ sollte. Er halte nicht viel davon, wenn Eltern Jugendlichen den Zugang zum Internet als Straf- und Erziehungsmaßnahme pauschal verwehren, so von Farkas. Dazu sei es viel zu sehr elementarer Teil unseres Alltags geworden. Kinder und Jugendliche sollten aber dazu befähigt werden, eine gesunde Skepsis gegenüber Internetkontakten zu entwickeln und bei bestimmten Verhaltensweisen hellhörig zu werden. „Niemand kommt schließlich auf die Idee, wildfremden Männern auf dem Münchner Marienplatz auf Nachfrage ein Nacktfoto von sich zu geben. In der Anonymität des Internets ist die Hemmschwelle bei vielen Menschen leider deutlich niedriger“, erklärt der Experte. Eine offenere Kommunikation über Erfahrungen im Netz, insbesondere mit realen Vertrauenspersonen, könne dabei helfen, Gefahren besser einzuschätzen und sich durch entsprechendes Verhalten selbst zu schützen.

Das Fazit der Berufsschüler nach dem Vortrag: Es lässt sich wie in anderen Bereichen des Lebens nicht vollends vermeiden, im Netz schlechte Erfahrungen zu machen. Mit einem sensiblen Umgang mit persönlichen Daten und einem gesunden Maß an Skepsis lassen sich auch diese neuen, digitalen Lebensrisiken in den Griff bekommen.

wk

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