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Mindelheim: Stadtrat beschließt neues Konzept für den Weihnachtsmarkt!

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Von: Marco Tobisch

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Im Dezember soll die ganze Maximilianstraße zum Weihnachtsmarkt werden – testweise.
Im Dezember soll die ganze Maximilianstraße zum Weihnachtsmarkt werden – testweise. © wk

Mindelheim – Der Advent ist zwar noch in weiter Ferne, aber schon jetzt laufen die Vorbereitungen für den Weihnachtsmarkt 2022 in Mindelheim – denn schon zeitnah müssen Fieranten angefragt werden. Was seit gestrigem Montag klar ist: Auch nach zwei Jahren Corona wird der Markt nicht an den viel Charme bietenden Kirchplatz zurückkehren. Stattdessen sollen sich Buden über die gesamte Maximilianstraße verteilen – und auf diese Weise insbesondere das Vorweihnachtsgeschäft des Mindelheimer Einzelhandels ankurbeln.

Bei einem Runden Tisch sowie vier Treffen einer Arbeitsgruppe – dieser gehörten neben Bürgermeister Dr. Stephan Winter auch einige Stadträte, der MN-Werbekreis sowie einige Einzelhändler und Gastronomen an – war zuletzt die Idee vom neuen Weihnachtsmarkt-Konzept gereift. Kulturamtsleiter Christian Schedler präsentierte die Eckpunkte nun am Montag erstmals im Stadtrat.

Wie Bürgermeister Winter zuvor eingeleitet hatte, verfolge das neue Konzept insbesondere das Ziel, dass der Markt nicht nur den Bürgern gefällt, sondern „auch dem Einzelhandel hilft und für Kundschaft sorgt“. Und nicht zuletzt sei eine erneute „Pandemiesituation im Herbst nicht auszuschließen“, weshalb das Konzept laut Winter auch „coronafest“ sein müsse. Das Ergebnis des Arbeitskreises ist deshalb folgendes: Beginnend mit drei Buden an der Sparkasse zieht sich der „Weihnachtsmarkt“ durch die gesamte Maximilianstraße bis zum Schrannenplatz. Auf dem Weg dorthin stehen immer wieder Grüppchen von drei oder vier Buden – im Optimalfall Verzehr und Kunsthandwerk gemischt. Vorgesehen sind Weihnachtsmarktbuden laut Schedler vor dem Café Engel (3), Maximilian (3), Café Sisters (3), dol(l)ce (3) und Mode Deschler (4). Man könne dabei nur die nördliche Seite der Maximilianstraße mit Buden bestücken, erklärte Schedler – die Südseite sei zu eng. Geöffnet sein sollen die Buden zum Gehsteig bzw. zu den Geschäften hin.

Besonderer Weihnachtsschauplatz soll einmal mehr der Märchenwald werden – allerdings nicht mehr im Klosterhof des Maria Ward-Klosters, wo bereits Bauarbeiten stattfinden, sondern am Schrannenplatz. Dort soll ein „ablaufbarer Bereich“ entstehen und ein besonderes Weihnachtserlebnis für Kinder und Familien geschaffen werden.

Und auch kulturell soll auf Weihnachten eingestimmt werden: Wie Schedler erklärte, seien etwa „Turmbläser“ denkbar, die mit Musik quasi „von oben herab“ für Atmosphäre sorgen. Denn eine Musikbühne wird es am Marienplatz, wo ebenfalls Buden geplant sind (darunter der Bonbonkocher), mangels Fläche diesmal keine geben, wie auf Nachfrage von Franziskus Steber (CSU) zu erfahren war. Ferner hat der Arbeitskreis Kutschfahrten, Führungen und Krippen in der Jesuitenkirche fürs Angebotsportfolio vorgesehen.

Drei statt zwei Wochen

Öffnen sollen die Marktbuden bereits ab Mittag, beginnend ab Mittwoch oder Donnerstag und bis Sonntag. Dabei ist geplant, den Weihnachtsmarkt von zwei auf drei Wochen auszuweiten. So sollen laut Winter vor allem „Synergien mit dem Einzelhandel“ geschaffen werden.

Bevor die Räte ihre Gedanken teilen durften, betonte Bürgermeister Winter, dass es sich um ein Testkonzept mit „viel Für und Wider“ handle. „Ob es angenommen wird, wissen wir nicht. Die einzige Möglichkeit ist, es auszuprobieren.“

Mit 18:1 Stimmen erklärten die Räte später ihr Einverständnis zum neuen Konzept. Vor allem Manfred Salger (CSU), der dagegen stimmte, hatte zuvor diverse Sorgen geäußert: Für vier Wochen Parkplätze in der Maximilianstraße zu Gunsten der Buden einzukassieren, sei während des Weihnachtsgeschäftes „fatal“, so Salger. „Höchstgefährlich“ seien zudem die Buden direkt an der Straße für Kinder. Und durch die frühe Öffnung ab Mittag und die dreiwöchige Dauer sieht Salger die Gefahr, Kunsthandwerker aus Mindelheim zu vergraulen. Er bezeichnete das Konzept letzten Endes als „total unausgereift“. Bürgermeister Winter verwies an dieser Stelle darauf, dass der Arbeitskreis, dem immerhin sämtliche Beteiligte angehört hätten, das Konzept „intensiv besprochen“ habe.

Auch Fritz Birkle (CSU) äußerte Skepsis: „Ich tue mir schwer, das Konzept als ‚Weihnachtsmarkt‘ zu bezeichnen“, so Birkle. Denn an einer viel befahrenen Maximilianstraße könne wohl kaum Weihnachtsstimmung aufkommen. Aus seiner Sicht sei ein solches Konzept eher „flankierend“ für einen Hauptmarkt.

Das räumte auch Christian Schedler ein: In der Maximilianstraße werde der Weihnachtsmarkt „nie das Heimelige vom Kirchplatz erreichen“, so der Kulturamtsleiter. Er betonte aber auch: „Unsere Innenstadt ist narrisch schön!“ Mit Weihnachtsbeleuchtung und Kulturangeboten könne deshalb auch das neue Testkonzept zum Erfolg werden.

Autos zu laut für Musik in der Maximilianstraße?

Apropos Kultur: Dass diese (etwa die Turmbläser) im Lärm der Motoren untergehe, monierte Michael Gerle (MBG). Den Verkehr aus der Maximilianstraße auszusperren, sei im Dezember derweil keine Option, erklärte Bürgermeister Winter. Ohnehin seien Musikdarbietungen erst zu späterer Uhrzeit vorgesehen – nach Geschäftsschluss, erklärte Winter.

Es gab am Montag aber auch zahlreiche Fürsprecher fürs Testkonzept: Mehmet Yesil (SPD), Jan-Erik Ahlborn (ÖDP) und Thomas Burtscher (Grüne) forderten allesamt, man solle den Versuch wagen. Ursula Kiefersauer (MBG) freute sich, dass nun die Einzelhändler der unteren Altstadt besser eingebunden seien und rund ums Weberhaus und den Schrannenplatz ein neuer Charme entstehen könne. Für Kinder sehe sie anders als Manfred Salger keine Gefahr, sagte Kiefersauer ebenso wie Roland Peter (Freie Wähler).

Peter hielt schließlich ein flammendes Plädoyer pro Testkonzept. Der Inhaber der Neuen Apotheke erklärte, bislang hätten die Besucher des Weihnachtsmarktes überwiegend am Forum geparkt und wären dann schnurstracks zum Kirchplatz gelaufen – profitiert hätte auf ihrem Weg zum Markt nur seine Apotheke und die Müller Drogerie. Peter:„Wir müssen ein Konzept aufstellen, mit dem wir Leben in die ganze Stadt reinbringen.“

Die Chance, das zu testen, sieht Peter Miller (ÖDP) auch noch unter einem anderen Aspekt: Sollte der Weihnachtsmarkt in der Zukunft sein neues „heimeliges“ Nest auf der Mindelburg finden, bräuchte es auch ein „flankierendes“ Konzept für die Altstadt – und für dieses sei der Testversuch nun prädestiniert. Und auch gegen Corona sei man damit im Dezember stabil und müsse nicht spontan absagen, erklärte Miller.

Der Baum bleibt

Damit wagt die Stadt nach dem Einbahnstraßen-Pilotprojekt im letzten Sommer nun auch im Winter einen Testversuch, um das Ziel einer attraktiven Innenstadt mit einem „Booster“ für den Mindelheimer Einzelhandel zu kombinieren. Was derweil unangetastet bleibt: Der Weihnachtsbaum behält sein angestammtes Plätzchen am Mindelheimer Marienplatz.

Marco Tobisch

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