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Mit Bad Wörishofer Hilfe: Kneipp kommt an die Uni

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Der Wasserdoktor würde sich sicherlich freuen, wenn er wüsste, dass er es nach Berlin an die Uni geschafft hat.
Der Wasserdoktor würde sich sicherlich freuen, wenn er wüsste, dass er es nach Berlin an die Uni geschafft hat. © Springer-Restle

Berlin/Bad Wörishofen – Die ersten Haushaltsprofessuren für Naturheilverfahren an der Berliner Charité sorgen beim Kneipp-Bund und der Stadt Bad Wörishofen für große Freude. Beide waren bei dem Prozess nicht unbeteiligt.

Dank der Unterstützung des Kneipp-Bund e.V. und der Stadt Bad Wörishofen, sowie vier weiterer Stifter, gibt es an der renommierten Berliner Charité nun zwei reguläre Haushaltsprofessuren für Naturheilverfahren in Deutschland. Nach jeweils zwei Förderphasen wurden die seit 2010 bestehenden Stiftungsprofessuren von Prof. Dr. med. Benno Brinkhaus und Prof. Dr. med. Andreas Michalsen zu regulären Haushaltsprofessuren verstetigt. Mit dieser Entscheidung würdigt die Charité-Leitung die national und international sehr erfolgreiche wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Integrativen Medizin im Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité-Universitätsmedizin Berlin und am kooperierenden Immanuel Krankenhaus Berlin. „Mit diesem Schritt bekommen die Naturheilverfahren nun ihren festen Platz in Wissenschaft und Forschung“, freut sich Kneipp-Bund-Präsident Joachim K. Rudolph. Bad Wörishofens Bürgermeister Stefan Welzel sieht darin zudem die Anstrengungen der vergangenen Jahre bestätigt: „Die wissenschaftliche Untermauerung der Naturheilkunde ist für die Kneipp-Heilbäder und Kneipp-Kurorte immens wichtig – gerade zum jetzigen Zeitpunkt, wo die Kur wieder Pflichtleistung der Krankenkassen ist.“

Ermöglicht wurde die Verstetigung der Professuren mithilfe der langjährigen finanziellen Unterstützung durch ein Stifterkonsortium, zu dem neben dem Kneipp-Bund e.V. und der Stadt Bad Wörishofen auch die Software AG-Stiftung, die BKK24, das Immanuel-Krankenhaus ­GmbH und die Immanuel Albertinen Diakonie gGmbH gehören. In den kommenden Jahren wird diese wichtige Arbeit in den Bereichen Lehre, Forschung und Patientenversorgung auch weiterhin durch das Stifterkonsortium gefördert.

Prof. Brinkhaus und Prof. Michalsen war es in den letzten zehn Jahren gelungen, durch wissenschaftlich hochwertige Studien Evidenz für die Wirksamkeit von komplementärmedizinischen Therapieverfahren zu schaffen und gleichzeitig die Erkenntnisse in den klinischen Alltag zu implementieren. Brinkhaus, auch stellvertretender Leiter des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Berliner Charité, führt aktuell ein systematisches Review zur Evaluation der wissenschaftlichen Evidenz der Hydrotherapie nach Kneipp durch.

Seit 2010 läuft die vielbeachtete „Kneipp-Pflegestudie“ (Naturheilkundliche Maßnahmen in Seniorenwohnheimen), erste Ergebnisse wurden Mitte 2015 veröffentlicht. Darüber hinaus waren die Mitglieder des Kneipp-Bund e.V. an einer Online-Befragung der Charité zu Selbsthilfestrategien und naturheilkundlichen bzw. komplementärmedizinische Präventionsmaßnahmen während der Corona-Pandemie beteiligt.

Auf diesem gut bereiteten wissenschaftlichen Boden kündigten die Professoren Brinkhaus und Michalsen für die kommenden Jahre wichtige weitere Meilensteine an: „Wenn inzwischen rund zwei Drittel der Bevölkerung in Deutschland Naturheilverfahren und Komplementärmedizin in Anspruch nehmen, bedarf es endlich auch öffentlicher Forschungsgelder für die Überprüfung der Evidenz für die Vielzahl an Therapieverfahren“, fordert Brinkhaus. Die Förderung der notwendigen Wissenschaft könne nicht allein durch private Förderer erfolgen. Die immer stärkere Nachfrage nach einer Ergänzung der Schulmedizin durch Komplementärmedizin verlangt auch, sich Fragen der Sicherheit und Kosteneffektivität der Verfahren zu stellen.

„In der modernen Gesundheitsversorgung müssen sich Komplementär- und Schulmedizin auf Augenhöhe begegnen und die große Chance erkennen, ihre verschiedenen Perspektiven zum Wohl der Patienten zu integrieren“, betont Michalsen. Kommunikation und Diskurs der Therapierichtungen voranzubringen, sei daher ein wichtiges Zukunftsziel. Aus diesem Anlass fand am 22. September ein Symposium „Perspektiven von Naturheilkunde und Integrativer Medizin im Kontext von Prävention in der Universitären Medizin“ in der Kaiserin-Friedrich-Stiftung in Berlin-Mitte statt.

wk

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