Ein LF 10 mit Allradfahrgestell von MAN, wie es im Landkreis Weilheim-Schongau seinen Dienst verrichtet, könnte auch künftig rund um Wiedergeltingen zu Einsätzen ausrücken.
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Ein LF 10 mit Allradfahrgestell von MAN, wie es im Landkreis Weilheim-Schongau seinen Dienst verrichtet, könnte auch künftig rund um Wiedergeltingen zu Einsätzen ausrücken.

Zweite Kommandantin informiert im Gemeinderat

Neues Löschfahrzeug für Wiedergeltingen?

  • VonOliver Sommer
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Wiedergeltingen – Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Wiedergeltingen benötigen Ersatz für das in die Jahre gekommene Löschgruppenfahrzeug. Im Gemeinderat stellte die Zweite Kommandantin Anja Weißenhorn die Pläne für die Beschaffung eines neuen Fahrzeugs vor. Zusätzliche Förderung gibt es, weil eine weitere Gemeinde ein baugleiches Fahrzeug beschaffen will.

Zweieinhalb Jahrzehnte hat das Wiedergeltinger Löschfahrzeug auf dem Buckel, doch nicht nur in Sachen Ausrüstung hat sich in den vergangenen 26 Jahren viel getan, auch im Hinblick auf die Einsätze. Der Schwerpunkt beim neuen Fahrzeug, ein LF 10, erklärte Anja Weißenhorn, liege in der Brandbekämpfung. Zwar hätte die Wehr gerne das nächstgrößere LF 20 mit mehr Reserven beim Fahrgestell. Dieser „Aufstieg“, so Weißenhorn, werde aber „leider von der Regierung von Schwaben nicht befürwortet bzw. bezuschusst“. Die Größe der Fahrzeuge bemisst sich unter anderem nach der Größe des Ortes, wobei das Industriegebiet in Wiedergeltingen in der Bedarfsplanung der Regierung keine Berücksichtigung finde, moniert Weißenhorn.

Deshalb ist für das geplante Fahrzeug auch nur ein kleiner Satz „Technische Hilfeleistung“ ohne Rettungsschere und Spreizer, vorgesehen. So müssen bei Verkehrsunfällen, wo etwa Personen im Fahrzeug eingeschlossen sind, die Nachbarwehren nachalarmiert werden. Allerdings, so Weißenhorn, sei das neue LF 10 ein vollwertiger Ersatz für das alte LF8. Man verschlechtere sich also nicht bei der Beschaffung. Beide Fahrzeuge bieten Platz für eine Löschgruppe mit neun Kameraden. Im neuen Fahrzeug kann der Atemschutz künftig auch während der Anfahrt zum Brandobjekt anlegt werden, nachdem die vier Pressluftgeräte innerhalb der Kabine angeordnet sind. Begnügen muss sich die Wehr allerdings mit der Standardbeladung, wie sie schon jetzt im LF8 vorhanden ist. Ansonsten gebe es, so die Zweite Kommandantin, keine Förderung durch die Regierung von Schwaben.

Fallstricke bei der Ausschreibung

Immerhin kann Wiedergeltingen mit einem Zuschuss von 70.000 Euro rechnen. Weitere 7.000 Euro gibt es obendrauf, wenn sich mehrere Gemeinden zu einer „Interkommunalen Beschaffung“ zusammentun und ein baugleiches Löschfahrzeug bestellen. Und aufgrund der besonderen finanziellen Lage Wiedergeltingens als Raum mit besonderem Handlungsbedarf (RmbH) gibt es nochmals 50 Prozent, in diesem Fall also 3.500 Euro dazu, fügte Bürgermeister Norbert Führer an.

Fündig geworden sind die Wiedergeltinger im Landkreis Neu-Ulm. Dort wird im Nersinger Ortsteil Fahlheim ein neues Fahrzeug mit ähnlichen Anforderungen wie in Wiedergeltingen benötigt. Während in Wiedergeltingen der Schwerpunkt auf dem Hochdrucklüfter liege, so Anja Weißenhorn, ist in Fahlheim an der Donau eine Taucherstaffel mit Rettungsboot stationiert. Der „Mobile Großventilator“ (MGV) der Wiedergeltinger kommt vorrangig bei der Belüftung bzw. Entrauchung großer Gebäude, wie Gewerbe- oder Lagerhallen zum Einsatz.

Einen fast nicht mit Geld zu beziffernden Vorteil bringt Fahlheim in Form des Kommandanten mit, der bei der Berufsfeuerwehr in Ulm arbeitet und über die entsprechende Expertise bei der Ausschreibung von Fahrzeugen verfügt. Diese weise einige Tücken auf, so die stellvertretende Kommandantin, weshalb der Kreisbrandrat des Unterallgäus, Alexander Möbus den Wiedergeltingern geraten hatte, unbedingt ein Ingenieurbüro mit der Ausschreibung zu beauftragen. Probleme bereiten bereits Begrifflichkeiten wie Martinshorn oder Halligantool (ein Hebel- und Brechwerkzeug). Das charakteristische Tatü-Tata des Folgetonhorns ist beinahe jedermann bekannt, laut Ausschreibungsrecht aber würde die Bezeichnung Martinshorn anstatt Druckluftfanfarenanlage der Firma Martin (die die Anlagen ebenfalls noch herstellt) einen Vorteil verschaffen; gleiches gilt für das vom New Yorker Fire Commissioners Hugh Halligan entwickelte Rettungswerkzeug. Stattdessen müsse man das Werkzeug gesondert spezifizieren, erklärte die Feuerwehrfrau, wofür ein Ingenieurbüro eine gut fünfstellig Summe aufrufen könnte.

Andere Spezifikationen können hingegen direkter ausgeschrieben werden. Gefordert wird ein Allradfahrgestell mit Zwillingsbereifung und Automatikgetriebe der Marken MAN oder Mercedes. Beim feuerwehrtechnischen Aufbau, also Kabine und Geräteraum, sind die Firmen Rosenbauer (Leonding in Oberösterreich) oder Lentner bei Ebersberg, erklärte Weißenhorn; das derzeitige LF8 wurde seinerzeit von Magirus in Ulm aufgebaut. Wichtig sind den Kameraden beim Ausbau des Fahrzeugs der Schaumtank (anstelle von Kanistern) für die Schaumzumischanlage, ein 2.000 Liter fassender Wassertank sowie eine Tragkraftspritze. Diese wird unter anderem für die Wasserförderung benötigt, wenn ein Brandobjekt nicht an die Wasserversorgung angeschlossen ist. Dann kommt auch die geforderte Einmann-Schlauchhaspel zum Einsatz. Auch die auf dem Dach verlasteten Leitern sollen mit Hilfe einer mechanischen Entnahmehilfe vom Boden aus entnommen werden. Damit entfällt der gefährliche Aufstieg auf das Fahrzeugdach.

Gefahren werden darf der 14-Tonner nur mit einem LKW-Führerschein. Derzeit sind in der Wehr vier Maschinisten, die dafür in Frage kommen bzw. diesen erwerben werden; das alte Fahrzeug konnte aufgrund einer Sonderregelung mit dem Feuerwehrführerschein bis 7,5 Tonnen gefahren werden. In dieser Gewichtsklasse gibt es nur Fahrzeuge ohne Wassertank. In einigen Bereichen folgen die Wiedergeltinger bereits dem Beispiel Nersingens, wo Teile der Ausrüstung gesondert beschafft und so nicht extra ausgeschrieben werden. Allerdings verstärke diese Vorabbeschaffung den bestehenden Innovationsstau, erklärte Weißenhorn weiter. Immerhin konnte die Wehr aber durch das Engagement ihrer Mitglieder bereits ein Einsatz-Tablet und einen Laptop für Dokumentationszwecke, Datenverwaltung und das Feuerwehrbüro anschaffen. Außerdem erhielt die Wehr Sachspenden wie Stiffnecks, Tragetücher (für die Personenrettung) und auch EDV-Equipment.

Man werde sich in den kommenden Wochen noch des Öfteren treffen, so Bürgermeister Führer und Weißenhorn, nachdem die derzeit gültige Förderung Ende des Jahres ausläuft und daher die Ausschreibung so bald wie möglich getätigt werden sollte. Norbert Führer nutzte die Gelegenheit, um ein Bekenntnis der Gemeinde gegenüber der Feuerwehr abzugeben: Bei notwendigen Anschaffungen sei man immer für die Kameraden da.

Quelle: Kurier

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