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Schöneschach: Bauantrag abgelehnt, Grünland zu wertvoll

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Von: Oliver Sommer

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Der Ortsteil Schöneschach ist geprägt von bäuerlichen Betrieben. Entsprechend genießt die Landwirtschaft Vorrang vor einer möglichen Wohnbebauung. Deshalb versagte der Bauausschuss einem Bauwerber den Abriss einer Scheune hier in der St. Wolfgang-Straße.
Der Ortsteil Schöneschach ist geprägt von bäuerlichen Betrieben. Entsprechend genießt die Landwirtschaft Vorrang vor einer möglichen Wohnbebauung. Deshalb versagte der Bauausschuss einem Bauwerber den Abriss einer Scheune hier in der St. Wolfgang-Straße. © Sommer

Bad Wörishofen –Mit einer an Salomon erinnernden Diskussion bzw. Problematik hatten die Bad Wörishofer Stadträte in der jüngsten Bauausschusssitzung zu tun. Es ging um eine Bauvoranfrage. In Schöneschach soll eine Scheune abgebrochen und an deren Stelle ein Einfamilienhaus gebaut werden. Problem dabei: Die Scheune gehört nur zur Hälfte dem Antragsteller und im Prinzip soll auf einer nicht überbaubaren Fläche gebaut werden. 

Schon vor gut einem halben Jahr mussten sich die Stadträte mit einer Voranfrage beschäftigen; seinerzeit wurde das Vorhaben abgelehnt. Wie die Räte von Daniel Wiedemann vom Bauamt erfuhren, habe sich an der Sachlage nichts geändert, lediglich die Platzierung des geplanten Gebäudes sei neu.

Die Scheune sowie weitere landwirtschaftliche Gebäude stehen auf dem fraglichen Grundstück. Vor mittlerweile 50 Jahren hatte die Stadt, unter anderem, um die Landwirtschaft zu sichern, einen Bebauungsplan für den Bereich Schöneschach aufgestellt. Nun will der Antragsteller auf seinem Grundstück ein Haus bauen, das an die Eltern vermietet werden soll. Dazu, so der Plan, hätte der südliche Scheunenteil abgebrochen und, in gleicher Kubatur ein Wohnhaus, leicht nach Osten versetzt, wieder aufgebaut werden sollen. Man befinde sich im Bereich des Bebauungsplans, der hier ein Dorfgebiet vorsieht, so Wiedemann.

Und diesen Festsetzungen widerspreche das Bauvorhaben. Insbesondere befinde sich der Baukörper außerhalb der im „Bebauungsplan dargestellten überbaubaren Flächen“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Bereits zweimal hatte der Bauausschuss Ausnahmen für den Bauwerber gemacht: 1986 wurde ein Wohngebäude genehmigt, in dem Ferienwohnungen vermietet werden, 2009 dann gab der Ausschuss sein Okay für ein Wohnhaus mit einem Gewerbebetrieb, beide Gebäude liegen „bereits außerhalb der im Bebauungsplan dargestellten überbaubaren Flächen“ bzw. eben außerhalb der Baugrenzen.

Seinerzeit, erinnerte Wiedemann an die Beschlüsse, sei die Bebauung vertretbar gewesen, diese habe dem familiären Eigenbedarf gedient. Neben dem Fakt, dass der Bauwerber bereits zwei Gebäude für den Eigenbedarf bauen durfte, ergebe sich die Frage, wie viel Wohnnutzung das Dorfgebiet vertrage, das in der eigentlichen Zielsetzung nur mit landwirtschaftlichen Betrieben bebaut werden darf. Würde das Haus, wie geplant, an die Eltern vermietet, wäre es außerdem das zweite des Bauwerbers, das nicht für die Eigennutzung bestimmt sei, schließt die Begründung.

Roland Klier machte den Räten klar, dass es sich hier um eine Grundsatzentscheidung handele, würde man den Bau so zulassen, dürfte der Bauwerber auf „Grünfläche“ bauen. Die Frage sei, „darf er dort bauen“. Eine Frage, die den Zweiten Bürgermeister zu der Bemerkung veranlasste, dass man zwar Wohnraum benötige, aber „nicht auf Teufel komm raus“.

Grün muss grün bleiben

Man müsse zusehen, dass die Bebauungsgrenzen gesichert würden bzw. blieben. „Grün muss grün bleiben“, sagte Pflügl gänzlich unpolitisch mit Blick auf das wertvolle Grün- bzw. Weideland. Eine Ausnahme von dieser Regel müsse etwas ganz Besonderes bleiben. Eine Frage bzw. Aussage, die, so der Stadtbaumeister auch als Antwort auf die Frage von Dominic Kastner, ob denn die Ortsteile noch wachsen dürften, aktueller denn je sei. Klier: „Bauland ist rar“, demgegenüber aber sei Grünland sehr wertvoll, vor allem für die Lebensmittelproduktion.

Mit dem Bebauungsplan habe man ein Mittel an der Hand für eine geordnete städtebauliche Entwicklung, so der Konsens. „Wir schaffen als Stadtrat neues Bauland, aber nach unseren Vorgaben“.

Kein Neubau außerhalb der bebaubaren Flächen

Zwar gab es auch andere Meinungen, die vor allem für den Bauwerber eintraten, letzten Endes aber gibt es auch keine Zustimmung des Nachbarn zum Teil-Abbruch der Scheune. So versagten die Stadträte mehrheitlich (zehn gegen drei Stimmen) das „gemeindliche Einvernehmen“ zur Anfrage. Die Befreiung hinsichtlich der Bebauung außerhalb der bebaubaren Grundstücksflächen könne nicht erteilt werden, hieß es als Begründung. Eine ähnliche Diskussion gab es erst vor Kurzem im Nachbarort Türkheim, wo auf landwirtschaftlichen Flächen eine Photovoltaikanlage errichtet werden sollte.

Entsprechende Bauanträge und Voranfragen reißen angesichts der derzeitigen Energieknappheit und Wohnraumnot nicht ab, noch aber geben die Kommunen der Landwirtschaft und Nahrungsmittelversorgung den Vorrang.

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