Am Mindelheimer Friedhof befindet sich insgesamt rund ein Kilometer Thuja-Hecke.
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Am Mindelheimer Friedhof befindet sich insgesamt rund ein Kilometer Thuja-Hecke. Eine Reihe soll nun entfernt werden.

Bevor die Grabsteine purzeln

Thuja wird am Mindelheimer Friedhof zum Problem

  • Marco Tobisch
    VonMarco Tobisch
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Mindelheim – Der Mindelheimer Friedhofsverwaltung macht aktuell die Ausbreitung der Thuja-Hecken zu schaffen. Deren Stamm gefährdet inzwischen sogar die Standsicherheit von Grabsteinen. Nun soll eine Heckenreihe entfernt werden. 

Man stelle sich vor, man richtet gerade die Pflanzen am Grab schön her, und plötzlich kracht vor einem der Grabstein um. „Das wäre der Supergau“, meinte Bürgermeister Dr. Stephan Winter am Montag im Mindelheimer Bauausschuss, der über die Entfernung einer Thuja-Heckenreihe im Osten des Friedhofes (Eingang Brunnemairstraße) zu beraten hatte.

Zuvor hatten Birgit Neher von der Friedhofsverwaltung und Stadtgärtner Martin Honner die Problematik vorgestellt: Schon rund 40 Jahre ist es her, dass die Hecken zwischen die Gräberreihen gepflanzt wurden. Weil seinerzeit noch überwiegend Sarg­bestattung gewünscht wurde und der Platz daher begrenzt war, hatte die Friedhofsverwaltung damals darauf geachtet, den Abstand zwischen Grab und Hecke möglichst gering zu halten. „Damals ging es um jeden Zentimeter“, so Honner.

Die Folgen werden nun sichtbar: Die Grabsteine sind ins Grün eingewachsen und verschwinden zum Teil schon beinahe in der Hecke trotz jährlichen Rückschnitts, wie Honner anhand einiger Bilder zeigte. Zum Sicherheitsproblem mutiert derzeit aber vielmehr der geringe Abstand zwischen Stamm und Grabstein (rund 40 Zentimeter), der dafür sorgt, dass das Gehölz gegen den Stein drückt und einige Grabsteine in Zukunft umzustürzen drohen.

Auf natürliche Weise beheben lässt sich das offenbar nicht, denn ein Rückschnitt der Hecke auf deren Ursprungsgröße ist laut Honner aufgrund des Alters der Thuja keine Option mehr. Und auch eine Neupflanzung komme aufgrund der beengten Platzverhältnisse nicht infrage, erklärte der Mindelheimer Stadtgärtner.

Die Lösung nun, der der Bauausschuss später geschlossen (11:0) zustimmte: Eine Heckenreihe soll entfernt werden. Danach wolle man prüfen, was man aus der Situation machen könne und das neue Vorgehen entscheiden, so Honner.

Josef Doll (Grüne) sprach von einem „enormen Eingriff in die Optik“ des Friedhofes und erkundigte sich, ob im Vorfeld schon mit den betroffenen Grab­eigentümern gesprochen wurde. Martin Honner erklärte daraufhin, zumindest mit einem Gros der Betroffenen habe man Gespräche geführt und die meisten von ihnen hätten Verständnis für die Situation gezeigt – wenngleich das Thema natürlich „heikel und sensibel“ sei.

Bürgermeister Winter erklärte, die Inhaber seien andererseits aber auch nicht begeistert, wenn der Stein irgendwann in der Hecke verschwinde. Zudem stellte der Rathauschef klar, die Stadt ergreife die Maßnahme „nicht zum Spaß“, sondern es gehe schlichtweg darum, die Standsicherheit der Grabsteine zu gewährleisten.

Quelle: Kurier

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