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Türkheim gibt grünes Licht zum Recyceln von Kunststoff

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Von: Oliver Sommer

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Die Firma Knettenbrech und Gurdulic Süd möchte in Türkheim künftig auch Kunststoff recyceln. Der Türkheimer Gemeinderat steht dem Vorhaben positiv gegenüber.
Die Firma Knettenbrech und Gurdulic Süd möchte in Türkheim künftig auch Kunststoff recyceln. Der Türkheimer Gemeinderat steht dem Vorhaben positiv gegenüber. © Oliver Sommer

Türkheim – Bislang ist es erst eine Bauvoranfrage, aber schon jetzt ist von einer Art Leuchtturmprojekt für Türkheim die Rede. Der Entsorgungsspezialist Knettenbrech und Gurdulic, der unweit der Bundesautobahn bereits einen Betrieb zur Entsorgung und Abfallverwertung betreibt, möchte den Standort ausbauen und hier Kunststoffrecycling betreiben. Erste Gespräche dazu gab es bereits zwischen Bürgermeister, Firmenvertretern und dem Dualen System Deutschland (DSD)/Der grüne Punkt. 

Seit etwas über einem Jahrzehnt betreibt Knettenbrech und Gurdulic Süd, mit Sitz in Wiesbaden, bereits den Standort in Türkheim, wo es vor allem um die Entsorgung und Versorgung geht, wobei in der Hauptsache Schrott und Altmetall sowie Baustoffe und mineralische Abfälle behandelt werden, sowie Kunststoffe gesammelt und weitergeleitet werden. Auch beim Thema Biomasse und Ersatzbrennstoffe ist man in Türk­heim Ansprechpartner für die Industrie und sorgt mit einem Containerdienst für die richtige Logistik, erklärte Geschäftsführer Holger Baumann in der Gemeinderatssitzung.

Erweiterung geplant

Nun wolle man den bestehenden Betrieb, der in der Schützenstraße gleich hinter dem Kreisverkehr an der Autobahn angesiedelt ist, erweitern. Während man derzeit nur die Kunststoffe sammle und umschlage, also weiter an entsprechende Firmen weitertransportiere, so der Geschäftsführer, wolle man den Betrieb nun auf dem Grundstück neben der Autobahn um eine Sortieranlage erweitern.

Während man bisher die Abfälle nur einsammle, sei es dann, zusammen mit einem Partner möglich, den Kreislauf zu schließen, erläuterte Baumann. Es gehe angesichts der aktuellen Situation nicht mehr darum, zu „konsumieren und die Abfälle zu verbrennen“, sondern eben vor allem die Kunststoffe in den Kreislauf zurückzuführen.

40 bis 50 neue Arbeitsplätze

Bevor man in diese Idee aber vertieft einsteige, machte Baumann aber deutlich, gehe es darum, ein Feedback seitens der Gemeinde zu erhalten und die Meinung des Gemeinderates zu erfahren, ob dieser dem Projekt gegenüber positiv eingestellt sei oder ob es Vorbehalte gebe. Zugleich stellte Baumann in Aussicht, weiter 40 bis 50 qualifizierte Arbeitsplätze am Standort schaffen zu wollen. Derartige Anlagen seien hochtechnisiert, es gebe Infrarotoptiken und Spektralkameras, die die Arbeit in der Sortieranlage erledigen. Baumann kalkuliert mit etwa weiteren 35 bis 40 LKW pro Tag, die die Anlage künftig anfahren sollen, um die gesammelten Kunststoffabfälle zu liefern. Dabei müssen die Lastkraftwagen nur von der Autobahn abfahren und werden bereits am Kreisverkehr ins Firmengelände abgeleitet.

Einer Anlieferung per Bahn ist man seitens des Entsorgers nicht abgeneigt, weiß allerdings um die Probleme. So erklärte Baumann, dass die Deutsche Bahn beim Thema Abfälle nur mit Ganzzügen arbeite, was wiederum nicht mit den Produktionsbedingungen bei der Firma zusammenpasse. Derzeit sei die Bahn zu unflexibel für eine Kooperation. Man wolle aber eine Überlastung der Verkehrswege vermeiden, zugleich stellte er in Aussicht, dass man die Technischen Anleitungen (TA) Luft und Lärm sehr penibel umsetzen werde und das Thema Immissionen ernst nehme und alle gesetzlichen Auflagen umsetzen wolle. Man werde auch den Strom aus Photovoltaik und anderen Energieträgern nutzen für die doch energieintensive Aufarbeitung der Kunststoffe. Leerfahrten von LKWs sollen vermieden werden, jedes Fahrzeug der Anlieferer nehme auch wieder Last mit.

Auf Nachfrage hieß es auch, dass das Regenwasser vor allem als Löschwasser gesammelt werden solle, die Oberfläche des Betriebshofs allerdings kann nur in bedingtem Maße versickerungsfähig gestaltet werden, müssen doch große und schwere Fahrzeuge darüber rollen können.

Leuchtturmprojekt

Es sei, wie Bürgermeister Christian Kähler meinte, ein „tolles Projekt“ und Peter Ostler bezeichnete es sogar als ein ökologisches Leuchtturmprojekt. Prinzipiell sei man für das Recycling, merkte Gudrun Kissinger-Schneider an und nachdem auch die Erschließung des Grundstückes bereits gesichert ist, verschlossen sich die Gemeinderäte nicht der Idee.

Weitere Details müssen nun die Planer ausarbeiten, der Gemeinderat signalisierte jedenfalls seine Zustimmung zur Bauvoranfrage und zu den vorgestellten Plänen.

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