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Türkheimer Eissporthalle soll energetisch saniert werden

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Von: Oliver Sommer

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Insgesamt 15.530 aktive Stunden auf dem Eis verzeichnet die Sieben-Schwaben-Eishalle seit ihrem Bau, allein 9.000 Stunden fallen dabei auf die Spielsaison zwischen 2021 und 2022.
Insgesamt 15.530 aktive Stunden auf dem Eis verzeichnet die Sieben-Schwaben-Eishalle seit ihrem Bau, allein 9.000 Stunden fallen dabei auf die Spielsaison zwischen 2021 und 2022. © Oliver Sommer

Türkheim – Es war keine leichte Entscheidung für den Marktgemeinderat. Das Eisstadion, vor allem dessen Eisanlage, muss dringend saniert werden. Angesichts des derzeitigen Kapitalbedarfs seitens des ESVT von über einer halben Million Euro und einer schwierigen Energiepreissituation sprach Kämmerer Claus-Dieter Hiemer vom „denkbar unglücklichsten Zeitpunkt“. Gleichzeitig machte der Finanzexperte aber klar, dass eine Verschiebung der Entscheidung nicht möglich sei und meinte, mit Blick auf die Entscheidung von vor sechs Jahren zum Bau der Überdachung: „Wer A sagt, muss auch B sagen“. 

Angesichts der bevorstehenden Diskussion hatte man seitens des Eissportvereins Türkheim ESVT einiges in die Waagschale geworfen. Statt des verhinderten Vereinsvorstands kamen Jugendwart Alexander Schulze und Dominik Demonti, um die Gemeinderäte mit ihrer Präsentation von der Wichtigkeit der Sanierung zu überzeugen. In drei Jahren könne der ESVT sein 60-jähriges Bestehen feiern. Zwischen 1978 und 1981 wurde das Eisstadion gebaut, wobei die Fundamente für die Probleme von heute damals schon gelegt wurden in Form eines unisolierten Betonsockels, bei dem die meiste Energie aus der Eiserzeugung nach unten in den Erdboden entweicht.

1999 wurde das Stadion in ein Kunsteisstadion umgebaut und erhielt vor sechs Jahren, im November 2016, eine Überdachung, mit der ein witterungsunabhängiger Spielbetrieb für die Eishockeyspieler ebenso wie für Eisläufer möglich wurde. Seitdem, so Schulze, habe man diverse sportliche Erfolge einheimsen können. Allein in der Spielsaison 2021/2022 wurde die Eisfläche fast 9.000 Stunden vom ESVT-Nachwuchs genutzt, dazu kommen 4.000 Stunden, die die Schulen des Marktes auf dem Eis standen und knapp 2.500 Stunden öffentlicher Lauf sowie 330 Stunden, in denen das Eis vermietet wurde an andere Vereine. In Summe 15.530 gelebte Stunden.

Für eine Sanierung gebe es diverse Gründe. Einer sei die veraltete Bande, die eine Regelverletzung beim Eishockey-Liga-Spielbetrieb darstelle, wie Schulze und Demontis erklärten. Die meisten Probleme bereitet aber die alte Eisbereitungsanlage, vor allem mit ihrer Verrohrung. Diese könne jederzeit brechen und das Kühlmittel entweichen. Mit einer modernen Anlage könne man die Eisbereitung energetisch optimieren, wobei Einsparungen im hohen fünfstelligen Kilowattstundenbereich möglich sind. Und schließlich gehe es um den Erhalt eines Traditionsvereins sowie um die Möglichkeit für Schulen und andere Organisationen, im Eissportstadion sportlich aktiv zu werden.

Viel Energie sparen

Ein Umbau der veralteten Konstruktion von Eisfläche und Kühlung könne die Energieaufnahme um ein Viertel mindern, so Demontis. Derzeit mache die Eisbereitung rund 90 Prozent des Energiebedarfs aus; drei Prozent entfallen auf die neue LED-Beleuchtung und neun Prozent auf den allgemeinen Verbrauch wie Audioanlage, die Kabinen und weitere untergeordnete Verbraucher. Neben der bereits umgesetzten Abwärmenutzung der Kühlanlage zur Beheizung der Kabinen soll eine WLAN-basierte Thermostatsteuerung weiter Einsparungen ermöglichen sowie die Optimierung der Wärmerückgewinnung. Zusammen mit einem neuen Verdichter und einer neuen Glykolpumpe ergebe sich so ein Einsparpotential von knapp 59.000 Kilowattstunden (kWh) bei derzeit benötigten rund 250.000 kWh; zudem soll es einen Sommersportbelag geben, sodass man auch etwas später im Jahr mit der Eissaison beginnen könne und das Training nicht unbedingt auf Eis stattfinden müsse.

Insgesamt belaufen sich die Kosten für den Umbau, den Abbruch und Neubau der Eisanlage inklusive Bande auf 970.000 Euro; abzüglich Vorsteuer und weiterer Zuschüsse durch die Sportverbände sowie der Eigenleistung des Vereins (rund 90.000 Euro) verbliebe ein Kapitalbedarf von 557.593,41 Euro.

Demontis erläuterte auch, warum es neuer Kabinen für die Spieler bedürfe; die Kosten dafür belaufen sich auf 68.000 Euro, zusammen also müsste der Markt Türkheim rund 630.000 Euro übernehmen. Nicht zuletzt deshalb hatte in diesem Fall Kämmerer Claus-Dieter Hiemer zwar nicht das letzte Wort, aber doch ein gewaltiges Wörtchen mitzureden.

Ein Nein zur Sanierung

ist keine Option

Hiemer erläuterte die Pros und Contras. Unter anderem führte er an, dass das Betreibermodell des Eisstadions durch den ESVT wohl einzigartig sei, der Markt über eine solide Finanzsituation verfüge und ein Nein zur Sanierung existenzbedrohend für den Verein sei. Dabei verwies er auf die Situation von vor sechs Jahren, als es in ähnlicher Weise schon einmal um die Wurst gegangen war und merkte an, dass, wer sich damals dafür entschieden habe, das Hallendach bauen zu lassen, nun fast nicht mehr um ein „Ja“ zur energetischen Sanierung komme. Denn ansonsten seien die Schulden von damals, die man mittlerweile tilgen konnte, umsonst aufgenommen worden.

Hiemer hatte die Investition durchgerechnet und festgestellt, dass sich das Investment innerhalb von 20 bis 30 Jahren amortisieren werde. Allerdings setzte er den Vorteilen auch offene Fragen entgegen, da es keine Kostensicherheit gebe. Derzeit würden die Strompreise zwischen 20 und bis zu 70 Cent pro kWh gehandelt, erklärte Hiemer. Es sei also gut möglich, dass die Stromkosten trotz Einsparungen in einigen Monaten um ein Vielfaches höher sein könnten und es dann fraglich erscheine, ob ein Verein das dann noch stemmen kann.

In seinem Resümee sagte Hiemer, eine Verschiebung der Bauarbeiten um ein bis zwei Jahre verbiete sich aus Gründen der Betriebssicherheit. Mit Blick auf die Überdachung von 2016 sagte Hiemer: „Wer A sagt, muss auch B sagen“. Außerdem habe man sich „noch“ günstige Strompreise für die kommende Saison sichern können und könne rund 70 Prozent des Bedarfs für die Eiszeit 2022/23 abdecken.

Dieser Argumentation schlossen sich die meisten Gemeinderäte an. Gudrun Kissinger-Schneider betonte den Zwiespalt, in dem man sich befinde, insbesondere mit Blick auf die Kinder, denen man mit dem Eis etwas Gutes tun könne. Sie wünschte sich aber, das Thema Kabinen hintanzustellen, Myriam Erhardt brachte eine Containerlösung für die Umkleidekabinen ins Spiel und Marcus Jakwerth verwies auf die Traditionen des Vereins.

Dem Antrag Kissinger-Schneiders, die Abstimmung zu trennen, folgte Bürgermeister Christian Kähler, auch nachdem man für beide Vorhaben, Eisbereitung und Bande sowie Kabinen getrennt Zuschussanträge gestellt hat.

Mehrheitlich stimmte der Gemeinderat beiden Vorhaben, insbesondere der Kreditaufnahmen bzw. der Bürgschaft für den Verein zu. In der aktuellen Saison wird es noch keine Baumaßnahmen geben, ein vorfristiger Baubeginn ist auf Grund der Zuschussregelungen des Bayerische Landes-Sportverbands ausgeschlossen.

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