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„katzevermisst.de“ bringt ehrenamtlich Haustiere und Besitzer wieder zusammen

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Von: Marco Tobisch

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Thomas Märte, der auch selbst aktuell fünf Katzen zuhause hat, engagiert sich seit 2018 ehrenamtlich, um vermisste Katzen und ihre Herrchen oder Frauchen wieder zusammenzuführen.
Thomas Märte, der auch selbst aktuell fünf Katzen zuhause hat, engagiert sich seit 2018 ehrenamtlich, um vermisste Katzen und ihre Herrchen oder Frauchen wieder zusammenzuführen. © privat

Mindelheim – Wenn ein Haustier plötzlich verschwindet, ist das für die meisten Menschen ein schwerer Schlag. Auf den ersten Schock folgen bange Tage, manchmal sogar Monate. Bei Thomas Märte aus Mindelheim dauert die Ungewissheit darüber, welches Schicksal seine Katze Lilly ereilt haben könnte, nun schon dreieinhalb Jahre an. Am 8. August 2018 war Lilly spurlos verschwunden. Seither hat Märte aber vieles in Gang gesetzt: Zeitgleich mit der Suche nach seiner eigenen Katze startete er die Internet-Plattform „katzevermisst.de“, über die auch andere Menschen aus der Region einen Suchaufruf zu ihrem Haustier absetzen können. Auch der Wochen KURIER druckt seither wöchentlich „Vermisste Katzen“ in seiner Printausgabe ab und unterstützt damit die Suche. Inzwischen hat das gesamte Projekt eine gewaltige Dimension angenommen, wie Märte im Gespräch erzählt.

Fast 1.500 Nutzer zählt inzwischen die Facebook-Community derer, die sich fast täglich mit „vermissten, gefundenen oder toten Tieren in Mindelheim, Bad Wörishofen und Umgebung“ auseinandersetzen. Moderiert wird die Gruppe von Thomas Märte. Er ist mittlerweile für viele erster Ansprechpartner, wenn eine Katze im Landkreis vermisst oder gefunden wird. Anfragen gibt er dann in der Regel in eine WhatsApp-Gruppe weiter, über die die Suche in Gang gesetzt wird. Sein Ein-Mann-Suchtrupp – so startete Märte 2018 – ist inzwischen angewachsen auf eine Gruppe von über 30 Helfern; bestehend aus Hausfrauen, Rentnern und Tierliebhabern, die auf ehrenamtlicher Basis in ihrer Freizeit alles dafür geben, ein vermisstes Tier und seinen Besitzer wieder zusammenzuführen. „Ein supergeiles Team, auf das ich sehr stolz bin“, lobt der 45-Jährige seine Mannschaft. Gewachsen war diese übrigens überwiegend dadurch, dass Märte auch ihnen half, Katze oder Hund wieder erfolgreich zurück nach Hause zu bringen.

Gute Resonanz

Auch die Rubrik „Vermisste Katzen in Mindelheim und Umgebung“, die der Wochen KURIER seit 2018 Woche für Woche abdruckt, leiste für die Vermittlung von Katzen einen wertvollen Beitrag, sagt Märte. Von den knapp 150 vermissten Katzen oder Fundtieren, die im letzten Jahr in unserer Zeitung veröffentlicht wurden, kam mehr als ein Drittel wieder nach Hause – „47 vermisste und elf Fundtiere haben wir allein über Eure Zeitung wieder nach Hause bringen können“, sagt Märte. „Die Resonanz ist sehr, sehr gut.“

Katze Leonie (links) kehrte im Dezember nicht mehr nach Hause zurück. Über den Suchaufruf im Wochen KURIER wurde sie wenige Tage später vor dem HelloFit in Bad Wörishofen entdeckt. Besitzerin Karin Thiel war überglücklich, als sie ihre Leonie wieder im Arm hatte.
Katze Leonie (links) kehrte im Dezember nicht mehr nach Hause zurück. Über den Suchaufruf im Wochen KURIER wurde sie wenige Tage später vor dem HelloFit in Bad Wörishofen entdeckt. Besitzerin Karin Thiel war überglücklich, als sie ihre Leonie wieder im Arm hatte. © Coskun/Werk

In einem der jüngsten Fälle durfte sich eine Bad Wörishoferin freuen: Karin Thiel hatte sich Anfang Dezember an Thomas Märte gewandt und sagte, ihre Katze Leonie werde vermisst. Wenige Tage später erschien der Aufruf auch im Wochen ­KURIER. Da sei plötzlich eine junge Frau aufmerksam geworden, sagt Märte. Beim Anruf erzählte sie, dass sie öfters ins HelloFit zum Fitness­training gehe und dort sei ihr schon mehrmals eine Katze vor dem Eingang aufgefallen – bildhübsch und dreifarbig. Sie ähnle sehr einer Katze aus dem Wochen KURIER, erzählte sie. Obwohl es schon fast 23 Uhr war, fuhr Thomas Märte noch nach Bad Wörishofen und sah sich rund ums HelloFit um. Tatsächlich entdeckte er Leonie unter einem Auto. Sie hatte sich leicht an der Pfote verletzt, war aber ansonsten wohlauf. „Eigentlich war Leonie gar nicht weit weg von zuhause, aber sie hat einfach nicht mehr heim gefunden“, sagt der 45-Jährige. Und Karin Thiel habe sich sehr gefreut, ihre Leonie nach zwei Wochen Bangen endlich wieder bei sich zu wissen.

Häufig in Kontakt mit der Polizei

Aber nicht nur Privatpersonen kontaktieren Märte. Auch mit der Polizei arbeitet katzevermisst.de inzwischen eng zusammen. Los ging´s mit der Mindelheimer Polizei, die bald auch den Kontakt zu den Inspektionen Bad Wörishofen, Krumbach und Memmingen herstellte. „Bei Fundtieren oder Totfunden rufen sie uns ständig an. Das finde ich super klasse“, freut sich Märte. Denn über Chipnummern oder Tätowierungen könne der Tierarzt des Fundtieres oder sogar auf direktem Weg der Besitzer ausfindig gemacht werden. So rief beispielsweise erst letzte Woche die Memminger Polizei am späten Abend bei Märte an, nachdem den Ordnungshütern eine Fundkatze gemeldet worden war. Gegen 23.30 Uhr machte sich Märte noch auf den Weg nach Memmingen, ermittelte die Besitzerin und drückte dieser noch am selben Abend ihre vermisste Katze in die Arme.

Zu solchen Uhrzeiten auszurücken, macht dem 45-Jährigen nichts aus. „Ich bin an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr erreichbar“, sagt Märte – der an dieser Stelle den starken Rückhalt seiner Familie betont. „Meine Frau und meine Kinder halten mir den Rücken frei und wissen, dass ich das mit Leib und Seele mache.“

Es gibt aber auch Grenzen. Insbesondere dann, wenn der Fundort einer Katze Gefahren birgt. „An der Autobahn halten wir auf keinen Fall an, da rufen wir die Autobahnmeisterei. Wir begeben uns nicht in Gefahr“, macht Märte klar. Um auch an Bundes- oder Kreisstraßen möglichst gut abgesichert zu sein, erhält jeder Helfer eine Warnweste mit Logo sowie Warndreiecke. Außerdem zur Ausrüstung zählen Klammern, mit denen die Helfer tote Tiere an deren Ohr kennzeichnen können. „Teilweise kriegen wir vier Meldungen pro toter Katze und mit der Ohrklammer sieht man, dass wir schon da waren“, erklärt Märte. Die Helfer lesen dann den Chip aus oder prüfen die Tatöwierung, damit sie den Besitzer ermitteln können. Dabei appelliert Märte auch an alle Gemeinden, Straßenmeistereien und Bauhöfe, die Tierschützer im Falle eines Totfundes anzurufen.

Denn auch Totfunde können für die Besitzer eine Erleichterung sein. Dann herrsche wenigstens Gewissheit – wenngleich eine traurige, wie Märte sagt. „Meine Lilly vermisse ich seit 2018. Ich weiß nicht: Lebt sie noch? Oder ist sie im Ausland? Wenn ich sie tot gefunden hätte, könnte ich abschließen.“ Insgesamt verzeichnete katzevermisst.de 2021 in der Region 373 Totfunde. Immerhin in 142 Fällen konnten Märte und sein Team den Besitzer ausfindig machen und informieren.

„Unbezahlbar“

Nachdem sich das Netzwerk von katzevermisst.de in den letzten Jahren stark vergrößert hat und sich mittlerweile auch bis zum Ammersee, nach Krumbach, Neu-Ulm und bis tief ins Allgäu hinein erstreckt, will Thomas Märte spätestens nach Corona den nächsten organisatorischen Schritt gehen – mit einer Vereinsgründung. So könne man noch mehr Menschen erreichen, sagt der Mindelheimer. Die Einsatztrupps, die sich übrigens neben Katzen auch um Anfragen zu Hunden, Vögeln, Hasen oder Wildtieren kümmern, betätigen sich alle ehrenamtlich. „Wenn man in die Gesichter blickt und die Leute glücklich sind, wenn ihr Tier wieder da ist, dann ist das viel mehr wert als jedes Geld. Das ist unbezahlbar“, sagt Märte.

Unterstützen kann man die Gruppe unter folgendem Spendenkonto: Thomas Märte, IBAN: DE13 7315 0000 0570 4400 65, Betreff: „Katze“.

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