1. Startseite
  2. Bayern
  3. Augsburg & Schwaben
  4. Kurier Mindelheim

Wiedergeltingen: Polizei interpretiert Verkehrszählung und stößt auf Unverständnis 

Erstellt:

Von: Oliver Sommer

Kommentare

Ungefähr auf Höhe des Hydranten (rechts) verengt sich die Wiedergeltinger Kirchenstraße in Fahrtrichtung Osten wie ein Flaschenhals.
Ungefähr auf Höhe des Hydranten (rechts) verengt sich die Wiedergeltinger Kirchenstraße in Fahrtrichtung Osten wie ein Flaschenhals. © Sommer

Wiedergeltingen – Im Nachgang zu einer Verkehrszählung (verbunden mit einer Geschwindigkeitsmessung), die in zwei Ortsstraßen Wiedergeltingens durchgeführt wurde, haben die Vorschläge der Polizei zum weiteren Vorgehen für Kopfschütteln im Gemeinderat gesorgt. So soll die Kirchenstraße nach dem Willen der Exekutive zu einer Einbahnstraße werden.

Es war nur ein einziges Wort, mit dem Alois Karl (CSU) den Vorschlag der Polizei bedachte und damit auch für einige weitere Gemeinderäte sprach: „­Unfug“. Anfang Juni hatte man in der Kirchenstraße und im Osterweg die Fahrzeuge gezählt und deren Geschwindigkeit gemessen. Ergebnis: Im Osterweg wird zu schnell gefahren, im Schnitt 20 Prozent schneller als die erlaubten 30 Kilometer pro Stunde; rund 400 Fahrzeuge passieren täglich die Straße, die parallel zur Amberger Straße verläuft. Fast doppelt so viele, nämlich um die 750 Fahrzeuge, durchfahren die Kirchenstraße am Tag. Im Messzeitraum vom 2. bis 13. Juni waren 4.416 Autos und Lkws sowie (Schul-)Busse unterwegs – mit durchschnittlich 36 Kilometern pro Stunde, was im Kern Wiedergeltingens kein Problem darstellt, sind hier doch 50 km/h erlaubt.

Problematischer als das Tempo ist aus Sicht der Polizei aber die Engstelle in der Kirchenstraße, müssten die Fahrer hier doch gegenseitig Rücksicht aufeinander nehmen und ein Fahrzeug erst passieren lassen, ehe man in der Gegenrichtung fahren kann. So eng geht es in der Straße zu, die gemeinsam mit der Mindelheimer und Amberger Straße die „Insel“, auf der Kirche, Rathaus und Kindergarten sowie das Gasthaus Ritter liegen, „umfließt“. Es sei eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis hier etwas passiere, weil ein Autofahrer womöglich nicht warten möchte und auf den Gehsteig ausweicht, wo gerade an Schultagen viele Kinder zu Fuß unterwegs sind, so die „Befürchtung“. Als Lösung regte die Polizei nun eine Einbahnregelung an, wie Bürgermeister Norbert Führer den Räten erklärte.

Demnach könnte die Straße dann nur noch von West (Mindelheimer Straße) nach Ost (Amberger Straße) befahren werden. Aber nicht nur, weil man dabei zweimal links abbiegen und dabei den Gegenverkehr passieren muss, ist die Idee aus Sicht der Gemeinderäte „Unfug“. So hatte Maximilian Kienle (Bürgerverein Wiedergeltingen), der mit der Problematik befasst ist, die umgekehrte Einbahnregelung vorgeschlagen, die sich nicht nur organischer eingefügt hätte, sondern auch die Verkehrsströme (vor allem den Schulbusverkehr) mit einbezogen hätte. Insbesondere morgens fahren die Schulbusse von der Amberger in die Kirchenstraße und biegen dann von dieser auf die Mindelheimer in Richtung Buchloe ab. Müssten sie „im Uhrzeigersinn“ um die Kircheninsel herumfahren, ergäben sich weitere Probleme, so Kienle.

Löst ein „Findling“ das Problem an der Engstelle?

Kritisiert wurde in diesem Zusammenhang auch der „Schilderwald“, der sich durch die Einbahnregelung ergeben würde, müssten doch an zahlreichen Stellen Verkehrszeichen auf die neue Regelung aufmerksam machen. Auch nicht berücksichtigt worden war dabei der Radverkehr. Und das alles wegen ein paar Autofahrern, so der Tenor. So hinterfragte Bernd Stapfner (CSU), ob dieser Aufwand gerechtfertigt sei. Vor allem, wie er feststellte, nachdem „noch nichts passiert ist“. Ferner regte er an, einfach einen größeren „Findling“, also Stein, auf dem Gehweg an der Engstelle zu platzieren. Dadurch, so die Folgerung, müssten die Autofahrer automatisch warten.

Ohnehin, das wurde in der Diskussion deutlich, fahren die Menschen in der Straße aufgrund der Engstelle bereits langsamer und vorsichtiger. Zumindest vorerst, so machte es den Anschein, ist die Idee einer Einbahnstraßenregelung nun vom Tisch.

Auch interessant

Kommentare