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Die Angebote der Allgäu-Walser-Card werden erneuert und ausgeweitet

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Von: Lajos Fischer

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Ulli Hüttenrauch, Antje Pieckenbrock, Stefan Schmidt, Christian Zwanziger und Thomas Gehring
Für Digitalisierung im Allgäu: (von links) Ulli Hüttenrauch, Antje Piekenbrock, Stefan Schmidt, Christian Zwanziger und Thomas Gehring. © Lajos Fischer

Oberallgäu – Ulli Hüttenrauch vom Oberallgäuer Tourismus Service GmbH informierte die tourismuspolitischen Sprecher der Grünen über die Fortschritte bei der Digitalisierung im Allgäu.

Der Landtagsabgeordneter Thomas Gehring (Bündnis 90/Die Grünen) hatte die tourismuspolitischen Sprecher seiner Partei, Christian Zwanziger, MdL und Stefan Schmidt, MdB, eingeladen, um sich gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Oberallgäuer Tourismus Service GmbH (OATS), Ulli Hüttenrauch, über neue Entwicklungen der Digitalisierung im Tourismus im Allgäu auszutauschen. Mitdiskutiert hat auch Kreisrätin Antje Piekenbrock, Beirat der OATS.


Das Projekt Allgäu-Walser-Card, seit 2000 von der OATS gemanagt, sei kein lokales Thema, betonte Hüttenrauch am Anfang seines Vortrags. Es handele sich um das größte zusammenhängende Kartensystem im deutschsprachigen Raum. Die GmbH befinde sich inzwischen in rein kommunaler Hand, 75 Prozent der Anteile gehörten dem Landkreis Oberallgäu und seinen Gemeinden. „Die Karten werden in 40 Orten ausgegeben. Da jede Kommune über die Option verfügt, eigene Vorteile für Touristen oder Bürger zu bieten, gibt es zurzeit 95 Varianten. 75 000 Einheimische und 2,2 Millionen Gäste verwenden das System. Man kommt auf 10 Millionen Nutzungen im Jahr“, erläuterte der Geschäftsführer.

Umstellung auf Smartphones

Nach der bereits erfolgten Einführung der Allgäu-Walser-App seien weitere grundsätzliche Neuerungen im Bereich der Digitalisierung zu erwarten. Man wolle weitgehend von der Chipkarte als Datenträger wegkommen und sich auf Smartphones umstellen. Hiermit könne die Hardware-Abhängigkeit gemindert werden, was zu Kosteneinsparungen und zur Entlastung des Personals an der Rezeption der Unterkünfte führe.

Für die Benutzung der Bergbahnen, falls in der Buchung inbegriffen, werde es jedoch sicherheitshalber eine begleitende Chip-Karte geben. Die Gäste hätten den Vorteil, dass sie die Begünstigungen, zum Beispiel den kostenlosen ÖPNV, dank der Freischaltung vor der Reise bereits bei ihrer Anfahrt nutzen könnten.

Gratis-ÖPNV für Übernachtungsgäste

Den Gratis-ÖPNV für Übernachtungsgäste, inklusive Bahnfahrten, werde man in Kempten, im Oberallgäu und im Kleinwalsertal ab Sommer 2024 einführen. Das betreffe circa 2,4 Millionen Gäste mit 9 bis 10 Millionen Übernachtungen. Für die Umsetzung sei das Allgäu-Walser-Card-System, das seit 20 Jahren als Datenträger für ÖPNV-Tickets diene, unverzichtbar: Man werde für die Aufenthaltsdauer der Gäste ein E-Ticket generieren müssen.

Hüttenrauch hofft, dass in Stufe 2 das Projekt auf das ganze Allgäu ausgedehnt werden kann. „Vermutlich braucht man dazu als Voraussetzung einen Verkehrsverbund.“

Große Bedeutung der Bahnanbindung

Die Bahnanbindung und der ÖPNV seien zentrale Erfolgsfaktoren für die Zukunft. In größeren Städten werde die Zahl der Autos zurückgehen, manche verzichteten bewusst auf einen Führerschein. Um sie als Gäste gewinnen zu können, brauche man die Bahnanbindung als Schlüssel.

„Wenn die Leute da sind, können sie mit dem ÖPNV und dem Rad überall hin“, ergänzte Antje Piekenbrock. „Die Zahl der Menschen, die mit dem Rad anreisen, steigt. Deshalb braucht man mehr Platz im Zug“, fügte Stefan Schmidt hinzu. Thomas Gehring wies auf die hohe Bedeutung der Verkehrswende für den Klimaschutz hin.

„Diesel-Loch-Allgäu“

„Allgäuer Politiker, der Tourismusverband und die Presse feiern die ‚tolle‘ Bahnverbindung in Memmingen. Mit einem ICE, der am Allgäu vorbei in die Schweiz fährt. Das Diesel-Loch Allgäu wird systematisch abgehängt“, sagte der OATS-Geschäftsführer. Er sehe wenig Bewegung, habe aber Hoffnung.

Hüttenrauch bat die Politiker, dafür zu sorgen, dass es das 49-Euro-Ticket nur noch digital gebe, damit das E-Ticketing mit VDV-KA-Standard grundsätzlich durchgesetzt werde. Dann müssten auch die Busunternehmen aufrüsten, indem sie digitale Bordrechner anschaffen.

Kommt der digitale Meldeschein?

„Wann kommt endlich der digitale Meldeschein?“, fragte der Geschäftsführer. Man produziere nur in unserer Region jedes Jahr völlig sinnlos 2,5 Millionen DINA4-Blätter, nur weil das Innenministerium auf eine „Unterschrift per Hand auf Papier“ bestehe. Mit dieser Methode sei bis jetzt kein Verbrecher im Allgäu gefasst worden. Außerdem leisten in anderen Zusammenhängen täglich Millionen Menschen digital eine rechtsverbindliche Unterschrift.

Die Ampel-Koalition wolle einen Schritt weitergehen, berichtete Stefan Schmidt, und den Hotelmeldeschein bei deutschen Reisenden ganz abschaffen, weil er aus touristischer Perspektive überflüssig sei.

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